zu haben, denn ausserdem dass dieses jetzt die allgemeine Mode ist, und allezeit von hundert meiner Herren Collegen neun und neunzig sein werden, die sich ein Bisgen verplämpert haben, ehe sie zu einer Bedienung gelangen, so kan auch Niemand einsehen, was daher für grosses Unheil erwachsen sollte. Es ist vielmehr ganz löblich, dass man sich in zeiten um eine Liebste bewirbt, denn wenn man einmal ins Amt kommt, und die Geschäfte und Sorgen sich mehren, so hat man nicht Zeit, ans heiraten zu denken, und ehe man sichs versiehet, hat man sich ins Hagestolzenrecht geschworen. Genug, ich hatte mir Jungfer Hannchen zu meiner zukünftigen Gattin ausersehen, allein verschieden gute Anstalten, womit ich mich einige Zeit zum Besten meines Patrons und des Publici beschäftigte, setzten das Ziel meiner Wünsche etwas weiter hinaus, als ich im Anfang dachte. Inzwischen da ich mir schmeichelte, dass mein Glück gewiss genug wäre, sah ich diese Verzögerung ganz gleichgültig an: weil ich voraus sah, dass vielerlei nützliche Projecte, deren Ausführung Mühe und Sorgfalt erforderte, unterbleiben würden, wenn ich einmal verglichet wäre, und im amt stünde; doch wider mein Vermuten fand ich mich in dieser süssen Hoffnung getäuschet. Ich brachte nicht nur in sichere Erfahrung, dass Dero Gerichtshalter, ungeachtet es ihm zuverlässig bekannt war, dass ich Jungfer Hannchen als mein Eigentum betrachtete, sich die Freiheit genommen, sie insgeheim zu verehren, sondern es hat auch derselbe sich erkühnet, durch einen Abgeordneten sein Wort gestern bei ihrem Vater anbringen zu lassen, und will mir also wider meinen Dank diesen Bissen vor dem Maule hinwegnehmen. Es heisst zwar nach dem Sprüchworte: inter arma silent leges, und er scheinet die Absicht zu haben, von diesem alten Canon Vorteil zu ziehen: allein wenn dem also ist, so wird er selbst bekennen müssen, dass er jetzt auch unter die unnützen Meublen gehöret, und er kann seine Gerichtsstube nur immer zuschlüssen. Da ich nun seit vielen Jahren auf dieses Frauenzimmer eheliche Absicht geheget habe, und zwar ehe er noch an sie hat denken können; sie auch wegen meines getreuen Unterrichtes, den ich ihr gratis erteilet, mir mehr als ihrem leiblichen Vater schuldig ist, weil man nach dem Ausspruche des grossen Alexanders denen Eltern nichts als das liebe Leben, denen Lehrmeistern aber, dass man wohl lebet, zu verdanken hat: so habe ich gleichsam ein jus quaesitum auf sie erlanget, und werde mich von meinem Rechte durch einen andern nicht abtreiben lassen. Zu der Gerechtigkeitsliebe Ew. Gnaden habe ich das gute Vertrauen, dass Sie ihre Autorität in dieser Sache zu interponiren, und diesen Verwegenen von seinem bösen Vorhaben abzuhalten sorge tragen werden. Aus dieser Ursache ersuche ich Hoch dieselben untertänig, nachdrückliche Dehortatoria an meinen Rival entweder mündlich oder schriftlich ergehen zu lassen, damit ein solches unerhörtes Factum der Gerechtigkeit zur Schande nicht von einer person, die zur Aufrechtaltung derselben bestimmt ist, vollbracht, und mir dadurch ein unersetzlicher Verlust verursachet werde. Eine solche Gnade will ich mit goldenen Buchstaben in das Buch der Unvergesslichkeit eintragen, und verharre mit der vollkommensten Hochachtung
Ew. Gnaden
untertäniger Diener
M.L.W.
XXIII. Brief.
Beantwortung des Vorigen von dem Herrn v.F.
den 15 Dec.
Werter Freund,
Ich geriet durch Ihren Brief in grosse Bestürzung, da ich wahrnahm, dass mein Gerichtshalter sich sollte haben einfallen lassen, Ihnen Ihre Liebste abspänstig zu machen, und dadurch einem mann, den ich sehr hochschätze, gelegenheit zu geben, sich entweder zu tod zu grämen, oder doch in Verzweiflung zu geraten. Weil Sie mir die Ehre antaten und bei mir hülfe suchten, auch mir und allen meinen Vorfahren einen sonderbaren Trieb zur Gerechtigkeit beilegten, wodurch meiner Eigenliebe nicht wenig geschmeichelt wurde: so nahm ich mir von stunde an vor, Sie zu überzeugen, dass ich nicht aus der Art geschlagen bin, sondern meinen Vorfahren in der Liebe zur Gerechtigkeit nichts nachgebe, oder wohl gar in dieser Tugend sie noch übertreffe. Ich liess meinen Gerichtshalter in dem Augenblicke, da ich Ihren Brief gelesen hatte, zu mir kommen, um ihn wegen seines bösen Vorhabens Sie zu einen unglücklichen Liebhaber zu machen, zur beinahe überzeugt war, so nahm ich mir vor, ihn alsbald aus meinen Diensten zu entlassen, wenn er nicht in sich gehen, und von seinem Anschlage in continenti abstehen wollte. hören Sie nur, was ich für eine Procedur mit ihm vornahm. Herr Gerichtshalter, sagte ich mit einem sehr sträflichen gesicht, habe ich sie nicht in meinem District zum Richter gesetzt, um die Gerechtigkeit aufs genaueste auszuüben. Er antwortete ja. Ist es wohl erlaubt, fuhr ich fort, dass der, der über Recht und Gerechtigkeit halten soll, selbst ungerecht handeln darf? Antwort nein. Warum haben sie dem Herrn Magister Lampert seine Liebste abgespannet, und dadurch seine Liebe und alle seine süssen Hoffnungen krebsgängig gemacht? Ich ärgere mich wenn ich vernehme, dass jemand in meinem Gerichtsbezirk einen Strohhalm sich zueignet, der ihm nicht gehöret, und sie wollen sich das Herz eines Frauenzimmers zueignen das der Herr Magister gebildet hat, und darauf er bereits ein jus quaesitum zu haben glaubt? Anstatt über diesen Vortrag zu erschrecken fing er an abscheulich zu lachen, wodurch ich noch mehr entrüstet wurde, aber er liess es hierbei nicht bewenden, er fing an sich so geschickt zu verteidigen und den statum controversiae dergestalt zu formiren, dass ich den Leviten im Sinne behalten musste, den ich ihm zu