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Trommel dazu. Der Student hatte die Ehre als ein Fremder die kanonen, welches ein paar alte Flinten mit deutschen Schlössern waren, los zu brennen. Die Bedienten vom haus mussten laden, dann und wann eine Salve aus dem kleinen Gewehr geben, das waren die Pistolen unsers Oncles. Er war deswegen genötiget, das Signal mit seiner Kugelbüchse zugeben.

Herr Lampert sagte, mit einer stolzen Mine: Mit ihrer erlaubnis, allerseits höchstzuverehrende Anwesende, werde ich Ihnen mit einem Lauffeuer von meiner Erfindung aufwarten.

Den Augenblick erschienen ein halb Dutzend derbe Bauerjungen, mit Hüten von Pappe, auf welchen ein langes Stück angefeuchtete Pulvermasse befestiget war, und liefen in einer Entfernung von uns durch einander, in die Runde und in die Quere.

Wir jungen Leute konnten es unmöglich unterlassen, in ein lautes Gelächter bei diesem Anblick auszubrechen. Mein Schwager beredete unsern onkel, es wäre dieses ein Zeichen unsers ausserordentlichen Vergnügens, dass wir über die Erfindung des sinnreichen Magisters empfänden. Er schien damit befriediget zu sein.

Die zweite Scene bestund in einer Lampenerleuchtung. 48 Oellampen, die hochadlichen und die aus der Pfarre mitgerechnet, welche in dem dorf mit Mühe und Zwang waren zusammen geborget worden, erleuchteten die Allee. Am Ende derselben prangete die schwarze Tafel des Magisters. Er verkündigte uns, dass der Name des edelsten Paares unter der Sonne im Feuer brennete. Wir verfügten uns mit vieler Sorgfalt durch die feurige Allee. Wir machten uns so schmeidig als es möglich war, um nicht eine raschgierige Lampe umzustossen, die uns diese Beschimpfung gewiss durch einen grässlichen Oelfleck würde vergolten haben. An der Tafel, woran noch einige hebräische Charakters kenntlich waren, fanden wir die Buchstaben

VIVANT

C.G. et H.B.

in saecula saeculorum.

von vergoldetem Pappier ausgeschnitten, angeklebet, und rund herum mit Lampen bespicket.

Nach einigen Freudenschüssen und einem lauten Vivatgeschrei verfügten sich alle Anwesende nach haus. Ich fürchte mich in der Nacht zu fahren; ich schlief deswegen zu Kargfeld. Tante Kunigunden hatte das Feuerwerk über alle massen gefallen, vielleicht weil es so wenig kostete und doch einen so vornehmen Namen hatte. Unsern onkel habe ich nie so munter gesehen als damals. Der Magister hat sich durch seine kluge (törigte hätte er sagen sollen) Erfindung einen rechten Stein bei mir heute ins Bret geworfen. Herr Lampert, er ist, mein Seele! ein verschlagener Kopf, ohne dass er deswegen braucht die Treppe hinunter zu fallen.

Früh gegen 5 Uhr jagte mich ein unvermuteter Lerm aus dem Bette; ich dachte nicht anders, es wäre Feuer im haus. Ein haus Bauerweiber schmissen sich im Edelhofe um ihre Lampen; sie waren verwechselt worden; ungeachtet der kluge Lampert jede mit den Namen der Eigentümer bezeichnet hatte. Um zehn Uhr Vormittage liess mich mein Schwager in seinem Wagen abholen, um mit ihm und meiner Schwester nach Wilmershausen zu fahren. Der Herr von W. hat uns gestern zu sich eingeladen. Unsern onkel finden wir nicht da, er hat sich wegen Kopfschmerzen, die ihn sein gestriger Rausch zugezogen hat, entschuldigen lassen. Es ist Zeit in den Wagen zu steigen, meine Schwester hat schon eine halbe Stunde auf mich gewartet. Erfreue bald durch deine Briefe

Deine

Amalia v.S.

XIV. Brief.

Der Magister Lampert an den Baron v.S.

Kargfeld, den 14. Julius.

Tandem bona caussa triumpfat! Dieses, zwar nicht seltene und rare; aber doch jederzeit wahre Symbolum, welches jener Prinz auf seine Münzen schlagen liess, ist endlich auch einmal an mir wahr worden. Es gibt einen Grandison, es gibt eine Henriette Byron; es sind keine Feien Vorstellungen, keine Hirngespinste; wir haben gewonnen! Jedermann war vor kurzem wider mich; jedermann ist nun mit mir einerlei Meinung. Mein gnädiger Patron, der ausserordentlich vergnügt ist, dass unsere Wahrscheinlichkeiten unumstössliche Wahrheiten worden sind, beschäftiget sich nebst mir in der Nachahmung eines Mannes, der die Ehre des Zeitpunktes ist, darinne wir leben. Jederzeit hatte er viel Hochachtung für den Namen Grandison, nur die Furcht, einen Schatten, einen Dunst, Einfälle eines müssigen Kopfes zur Regel seiner Handlung zu machen, nötigten ihn, so lange mit der Nachahmung dieses grossen Urbildes anzustehen, bis er erfuhr, dieser grosse Mann sei wirklich in unsrer Welt anzutreffen. Was Grandison, und was Doctor Bartlett in Engelland sind, das werden der gnädige Herr und ich in Deutschland sein. Von den Einrichtungen, die in dem Hochadlichen haus ihres Herrn Oncles nach Massgabe der Residenz des Herrn Grandisons gemacht worden sind, haben Sie bereits durch Dero fräulein Schwester und den gnädigen Herrn selbst Nachricht erhalten. Ich habe noch immer meine hände voll damit zu tun, und dieses ist die Ursache, dass ich so lange meine Schuldigkeit, Dero gnädiges Handschreiben an mich zu beantworten, habe aussetzen müssen.

Weil der Cantor Loci sich noch immer nicht recht zum Orgelschlagen in dem Musiczimmer des gnädigen Herrn verstehen will; so soll ich dieses Amt übernehmen, und dafür eine Zulage meines jährlichen Gehalts bekommen. Ich sagte bei dem Antrage, den mir der gnädige Herr deswegen tat, nichts weiter, als: Doctor Bartlett, Sir, ist Sir Carls Hofprediger, aber nicht sein Organist. Er fand sich getroffen, ergriff meine Hand, drückte sie und sagte: Herr Magister, Sie sind mein väterlicher Freund. geben Sie mir doch Nachricht, ob der Doctor auch manchmal orgelt. Tut er es, so werde ich mir kein Bedenken machen, seinem Beispiele zu