gleich ist, das ist morgen krumm. Das Frauenzimmer hat von diesen Leuten alles zu befürchten, weil sie eine Gabe haben, durch ihre Beredsamkeit die Wahrheit zu unterdrücken und die Unwahrheit auf ihren Tron zu setzen, so ist es ihnen leicht, die Begriffe von Ehre und Tugend nach ihren Gutdünken einzurichten, folglich ist die Reputation eines Frauenzimmers allezeit in Gefahr, wenn sie einem Rechtsgelehrten anvertrauet wird. Ihre Treue und ihre Eidschwüre sind wie die Lufterscheinungen, die der geringste Wind verjaget. Sie lieben indessen das schöne Geschlecht, wie die Schmetterlinge die Blumen, diese setzen sich in einem Garten bald auf dieses bald auf jenes Blümchen, verlassen solches aber hierauf wieder und kehren niemals zu eben demselben zurück. Die Frau eines Rechtsgelehrten ist eine unglückliche Creatur, in den ersten monat der Ehe muss sie alle Advocatenstreiche wissen und ausüben können, wenn sie nicht eine sehr armselige Figur machen will. Sie muss lügen, sie mag wollen oder nicht. Ihr Mann darf niemals zu haus sein, wenn der Client mit leerer Hand erscheinet; er muss beschäftiget sein, wenn der Cliente ein Lamm kneipt, dass es schreien muss; lässt er aber einen Ochsen brummen, so ist der Herr zu haus, der Client hat die gerechteste Sache von der Welt, und die Frau setzt ihre Ehre zum Pfande, dass der Process gewonnen wird. Die dritte Gattung der Gelehrten sind die ärzte, das sind diejenigen Leute, die Sie so sehr fürchten, und in der Tat sind sie allen lebendigen Geschöpfen furchtbar, wo nicht auch den leblosen. Ihre Kunst bestehet darinne, die Gesunden krank, die Kranken tot oder gesund zu machen. Wer gesund unter ihre hände fällt, der muss so lange schröpfen, aderlassen und purgiren bis er krank wird, und ein Kranker muss sich ihren Gesetzen so lange unterwerfen, bis er gesund oder tot ist. Man hat seit langen Jahren nicht gehöret, dass die ärzte einen Patienten verlassen haben, um die Schande zu vermeiden, dass sie die Krankheit nicht heben könnten, kuriren sie ihre Patienten, wenn sie nicht wollen gesund werden, gar zu tod. Denn alsdenn kann man ihnen nicht vorwerfen, dass die Krankheit noch fortdauern sollte, und mitin ist sie gehoben. Nebst dieser Neigung zum kuriren besitzen sie auch noch die, alles auswendig und innwendig zu begucken, von der Mücke bis zum Elephanten ist alles ihrem anatomischen Messer unterworfen. Alles was Leben und Otem hat und in die Gewalt eines nachforschenden Medici fällt, muss seiner unersättlichen Neugierde zum Opfer dienen, und ist dem Schicksal unterworfen, das die Fliegen haben, wenn sie sich in eine Spinnewebe verwickeln, nur mit dem Unterschiede, dass die Spinnen nicht so erfindungsreich an Martern sind, ihre Feinde umzubringen, als die ärzte, allerlei Tiere hinzurichten. Was sollte sich nun wohl ein Frauenzimmer zu einem mann zu versehen haben, der sich ein Vergnügen daraus macht, Menschen und Vieh zu martern? In der Tat, es gehöret eine grosse Entschliessung dazu, einen Arzt zu lieben, nicht zu gedenken, dass er bei dem geringsten Zwist, oder wenn er es nur sonst ratsam findet, durch ein kleines requiescat in pace sich von seiner Gattin losmachen kann; wenn es ihm nur behebet, so hat die Frau eines Arztes zehnerlei Verrichtungen mehr auf sich als eine andere. Sie muss Pulver reiben, Wurzeln schneiden, Schachteln und Gläser verpetschiren, Pillen vergolden, Tropfen distilliren und doch dabei alle Pflichten einer ehelichen Gehülfin erfüllen. Hierzu kommt noch die strenge Diät, die sie beobachten muss. Alle Leckerbisgen, die dem mann überaus wohl bekommen, sind der Frau schädlich. Er trinkt Coffee, sie bekommt Kräutertee. Er trinkt Wein und für sie bereitet er einen Habertrank. Er lässt für sich sieden und braten, sie verzehret eine Wassersuppe und Salat.
Die vierte klasse der Gelehrten bestehet aus Philosophen. Diese werden zwar unter den Gelehrten für die Geringsten, dem Range nach, gehalten, aber in Ansehung der Verdienste, sollten sie neben den Teologen stehen, und so war es auch ehedem bei den Alten, da waren die Philosophen freie Leute, die ärzte aber Knechte, die Rechtsgelehrten waren damals unter den Gelehrten noch nicht zünftig, und hatten also keinen Rang. Seitdem aber diese beiden Gattungen der Gelehrten ihr Haupt mit vielem Stolz empor gehoben haben, so ist es den guten Weltweisen ergangen, wie den hölzernen Wegweisen an den Strassen, diese zeigen jedermann den rechten Weg und kommen selbst niemals von der Stelle. Unterdessen obgleich die Philosophen keinen grossen Rang haben, so sind sie doch angesehene Leute und es stehet beinahe das ganze Reich der Gelehrsamkeit ihnen zu Gebote. Ihre Wissenschaft ist einer Zauberei ähnlich, sie kennen die Leidenschaften der Menschen aufs genaueste, es ist ihnen also leicht, bald diesen bald jenen Affect zu erregen. daher sind sie auch gemeiniglich in der Liebe glücklich; alle Wege, sich in das Herz der Schönen einzuschleichen, sind ihnen bekannt, sie wissen durch ihren Verstand und Witz das schöne Geschlecht zu bezaubern, dass ihnen ein Mädchen selten aus dem Garne gehet, wenn sie auf Eroberungen ausgehen. Diese Leute sind um deswillen auch bei dem Frauenzimmer wohl gelitten, weil sie eben so schwatzhaft sind als die Schönen, und sich daher vollkommen zu ihnen schicken, über dieses verehren sie das schöne Geschlecht aufs äusserste. Wenn alle Frauen Sklavinnen ihrer Männer sind, so sind die Frauen der Philosophen Königinnen. Sie dürfen es wagen die philosophische Gelassenheit ihrer Männer zu prüfen, ohne daher nachteilige Folgen zu