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Zwar kann ich nicht umhin, die christliche Absicht die Sie gegen meine Tochter hegen, mit Danke zu erkennen, und ich wollte wünschen, dass ich mich im stand sähe, Ihnen zu willfahren; allein da Sie jetzt noch keine Versorgung haben, denn was Ihren Vorschlag betrifft, sich mir substituiren zu lassen, so heisst es damit, wie gebeten, abgeschlagen; da auch über dieses meine Tochter zu Ihnen keine besondere Neigung spühret, ob sie Sie gleich übrigens in Ihren Würden lässt; hiernächst sehr gefährlich scheinet, wenn ich einem Menschen mein Kind anvertrauen wollte, der die gefährlichsten und irrigsten Grundsätze heget, wodurch ein schwaches Werkzeug leichtlich kann verführet werden: so können Sie leicht selbst den Schluss machen, dass wir wohl nie genauer werden vereiniget werden, als durch das Band der Freundschaft, wenn dieses noch bei Ihren grundsätzen länger bestehen kann. Mein unmassgeblicher Rat wäre also dieser, sie sähen sich nach einer andern Partie um, oder verbanneten noch so lange die Heiratsgedanken aus Ihrem Gemute, bis Sie eine Frau ernähren könnten.

Einigermassen finde ich mich von Ihnen beleidiget, dass Sie mir meine Tochter abdringen wollen, wenn Sie mir unter die Augen sagen, dass Sie bereits meinen väterlichen Consens, sie zu heiraten, stillschweigend erhalten hätten. Sie missdeuten ein unschuldiges Wort, das Sie einmal von mir aufgefangen haben, und ziehen daraus einen höchstirrigen Schluss. Ich will nicht in Abrede sein, dass ich Ihnen einmal den Namen eines Sohnes beigelegt habe, wiewohl ich mich dessen nicht erinnere: Ich habe es aber nicht in der Absicht getan, wie Sie sich einbilden. Habe ich Sie so genennet, so ist dieses in Ansehung meines Alters geschehen, das mich berechtiget, Sie, der Sie jünger sind als ich, eher einen Sohn als Bruder zu nennen, und dadurch habe ich Ihnen nur meine Freundschaft bezeigen wollen. Damit Sie sehen, dass aus diesem Worte gar nichts zu machen ist, so will ich Ihnen nur das rechte Verständniss eröffnen. Wenn ich Sie meinen Sohn nenne, so betrachte ich Sie allezeit als meinen Beichtsohn, und in diesem verstand nenne ich auch den Schäfer und den Nachtwächter meinen Sohn. Gesetzt, aber nicht zugegeben, dass ich einmal nicht abgeneigt gewesen wäre, Sie zu meinem Eidam anzunehmen, so waren Sie damals noch nicht von dem schädlichen und gefährlichen Gifte der Irrtümer, die Sie jetzt öffentlich verteidigen, angesteckt, wenigstens brauchten Sie mehrere Vorsichtigkeit, Ihre gefährlichen Meinungen zu verbergen. Weil ich Ihnen nichts böses zutraute, so verstattete ich Ihnen dann und wann, zu Ihrer eignen Uebung eine Predigt abzulegen, und diese gefälligkeit, die ich Ihnen hierinne erwies, rücken Sie mir nun mit Unrecht als eine grosse Dienstleistung auf. Wenn ich gewusst hätte, was in Ihrem Herzen verborgen war, so hätte ich Sie niemals die Canzel betreten lassen, noch vielweniger würde ich die teuren Pfänder meiner Ehe Ihrem Unterrichte anvertrauet haben. Meinen Sohn haben Sie völlig verdorben, er disputirt mit mir oftmals von Dingen, die gar nicht in seinen Kram gehören, und wenn ich ihn frage, wo er die verdammten ketzerischen Argumente her hat, die er mir vorleget, so gibt er zwar vor, dass er diese schönen Sächelgen auf der Universität gelernet habe: aber ich weiss es besser, von Ihnen kommt dieser Unrat. Unsere Universitäten sind, Gott Lob, noch nicht so verderbt, wie es ehemals die hohe Schule zu Paris war, wo der Satan in eigener person soll gelehret haben. Wenigstens kann ich mir nicht einbilden, dass heutiges Tages solche Dinge auf hohen schulen gelehret werden, wie Ihnen im kopf stecken. Halten Sie mir diesen Eifer zu gute, es ist ein gerechter Amtseifer. Meinem Mädchen haben Sie auch, wie ich jetzt inne werde, verschiedene seltsame Dinge in den Kopf gesetzt, dass ich das Unkraut, das Sie gesäet haben, nun mit vieler Mühe wieder ausrotten muss. Sie hat sich noch niemals unterstanden sich mir zu opponiren, aber jetzt tut sie es auch wie ihr Bruder. Da ich neulich das gottlose Buch, wodurch unser Herr Kirchpatron eben so wie Sie in viele gefährliche Irrtümer ist gestürzet worden, bei ihr gewahr wurde und mit Recht vermutete, dass sie leichtlich mit dem pestilenzialischen Gifte der Neuerungen und Torheiten, wozu dieses Buch verführet, könnte angestecket werden, so wollte ich ihr solches nehmen und in den Ofen schmeissen. Sie unterstund sich aber, nicht nur mich davon abzuhalten und sich meinem Vorhaben zu widersetzen, sondern hatte auch die Verwegenheit, die Lehrsätze und den Innhalt desselben zu verteidigen, ja mir sogar zuzumuten, ich sollte die Skarteque, die so vieles Unglück in hiesigem Orte und besonders auf dem Edelhofe angerichtet hat, selbst lesen. Ich bezeigte ihr aber über diese Zumutung einen solchen Eifer und erklärte ihr das vierte Gebot so scharf, dass sie sich seitdem nicht unterstanden hat, wieder einen blick in das leichtfertige Buch zu tun. Urteilen Sie hieraus selbst, ob ich Ihnen so grossen Dank schuldig bin als Sie glauben, und ob Sie eine solche Belohnung, welche Sie von mir verlangen, verdienet haben oder jemals verdienen können. Meine Kinder haben Sie mit Irrtümern angefüllet, und ich bin froh, dass ich zu rechter Zeit hinter Ihre Schliche gekommen bin, damit Sie nicht noch die ganze Gemeinde verführen. Nach Ihrem bisherigen Betragen, wenn Sie auch entschlossen wären Ihre Aufführung zu ändern, werde ich Ihnen nie auf eine andere Art den Namen eines Sohnes erteilen können, als wie Sie ihn bereits erhalten haben.