schliessen, und diese Dinge befremden mich um so mehr, je weniger ich mir etwas vorzuwerfen habe, dadurch ich eine Kaltsinnigkeit verdienet hätte. Da Sie mir nun niemals verboten haben, Ihre Jungfer Tochter zu lieben, so mache ich daraus den sichern Schluss, dass ich hierzu Ihre Einwilligung erhalten habe, denn qui tacet, consentire videtur, ja Sie haben mich einmal öffentlich auf dem schloss allhier, da Sie den Wein mit ausproben halfen, den die fremden Truppen bei ihrer Retirade im Stiche gelassen, mit dem Namen eines Sohnes beehret. Sie werden sich noch zu erinnern belieben, dass Sie einmal sagten: Herr Sohn, wir tun des guten zu viel, ein andermal ein mehreres; ich habe zur Gnüge, lieber Herr Sohn. Solche günstige Adspecten, verliehre ich nicht gern aus dem gesicht, und trug daher dieses schmeichelhafte Compliment sogleich in mein Diarium ein. Nun hoffe ich zwar nicht, dass Sie Ihre Neigung von mir abgewendet haben, allein da mir seit einiger Zeit eines und das andere zu Ohren kommen ist, dass ich mich weder in Sie noch Dero Jungfer Tochter zu finden weiss; so habe ich nötig gefunden alles, was in dieser Sache unter uns vorgegangen, durch eine kurze Wiederholung Ihnen wieder ins Gedächtnis zu bringen, damit, wenn missgünstige Leute Sie bereden wollten, auf die Hinterbeine zu treten, wie man zu sagen pflegt, Sie sich eines bessern besinnen, und mir Ihr Wort halten, widrigenfalls würden Sie einen schweren und langwierigen Process mit mir bekommen, welchem Sie doch grämer sind als einem Substituten. Aus dieser Absicht, und damit ich weiss, wie ich meine Maassregeln einzurichten habe, will ich hierdurch in optima forma um Ihre Jungfer Tochter nochmals anhalten, und versehe mich bald einer schriftlichen oder mündlichen Antwort, die, wie ich hoffe, mein Gemüt, das durch allerlei Gerüchte aus dem Gleichgewichte ist gebracht worden, wiederum beruhigen werde. Ich tue Ihnen zugleich nochmals den Vorschlag, mich zu Ihren Amtsgehülfen anzunehmen, und damit Sie sehen, dass mich nicht der Eigennutz hierzu antreibt, so will ich hiermit Verzicht auf alle Pfarreinkünfte tun, so lange Sie am Leben sind, welches der Himmel noch lange bewahren wolle. Mein Principal ist entschlossen, mir die Function, worin ich gegenwärtig stehe, zu lassen, folglich kann ich mich wohl ernähren. Hannchen wird als meine Frau Ihnen nicht einen heller mehr Aufwand machen, als jetzt, da sie Ihre Jungfer Tochter ist, sie bleibet an Ihrem Brode und führet Ihr Hauswesen. Wegen der zu hoffenden Posterität dürfen Sie sich keine sorge machen, ehe es so weit kommt, kann sich vieles ändern, findet sich indessen das Häsgen, so findet sich auch das Gräsgen. Ich getraue mir übrigens die Pflichten eines Amtsgehülfen von Ihnen, eines Haushofmeisters und eines Hausvaters ganz commod, und ohne dass eine der andern Eintrag tut, zu erfüllen. Dass die von den beiden ersten Gattungen sich wohl mit einander vereinigen lassen, davon habe ich Ihnen schon gnug Beweise gegeben, und mit der letzteren hat es ohnedem keine Schwürigkeit. Machen Sie mich durch eine Antwort nach meinem Wunsche so vergnügt, als ich Ihre Jungfer Tochter für die übrige Zeit ihres Lebens vergnügt zu machen gedenke, und geben Sie mir die erlaubnis, dass ich mich in der Tat nennen darf
Ihren
gehorsamen Sohn
M.L.W.
XX. Brief.
Herr Wendelin der Aeltere an Herrn L. Wilibald M.
Vom haus den 8 Dec.
Als einsmals der grosse Alexander mit dem Darius, Könige in Persien, Krieg führte, schickte der letztere dem ersten einen Beutel mit Mohnsaamen, und liess ihm sagen: Siehe, so viel streitbare Männer kann ich gegen dich ins Feld führen, als du hier Mohnkörnlein vor dir siehst. Alexander nahm eine Handvoll in den Mund, und indem er sie verzehrte, sagte er: Die Anzahl ist gross, aber die Kraft ist geringe. Hierauf schickte er dem Darius einen Beutel voll Pfefferkörner zur Vergeltung seines Geschenkes, und liess ihm sagen: Versuche diese, die Anzahl ist geringe, aber die Kraft ist desto grösser. Sie kommen mir vor, wie der Darius, Sie schütten einen ganzen Sack voll Dienstleistungen und Gefälligkeiten vor mir aus, die Sie mir wollen erwiesen haben. Ich kann nicht in Abrede sein, dass nach Ihrer Rechnung eine grosse Anzahl herauskommt, doch die Erheblichkeit davon ist nicht grösser als die Kraft des Mohnsaamens. Wenn ich mit Ihnen eine Abrechnung halten wollte, so könnte ich die Gefälligkeiten, die ich Ihnen erwiesen habe, von vielen Jahren her erzählen, und Ihren kleinen Dienstleistungen, die Sie mir wollen erwiesen haben, entgegen stellen. Sind jene an der Zahl nicht so gross, so sind sie es in Ansehung der Wichtigkeit, dass ich sie wohl mit den Pfefferkörnern des Alexanders vergleichen kann. Legen Sie einige Proben meiner Gewogenheit auf die Zunge einer gesunden Prüfung, um ihnen einen Geschmack abzugewinnen, so werden Sie finden, dass sie kräftiger und vortrefflicher sind, als alle Ihre kleinen Bemühungen für mich, die Sie grösstenteils freiwillig übernommen haben, und dafür ich Ihnen nur aus Höflichkeit bin verbunden gewesen. Ich sehe daher gar nicht ein, aus was für einem grund Sie eine Belohnung verlangen, wie der Erzvater Jacob; Sie haben mir meine Rahel noch lange nicht abverdienet und werden sie auch ihr Tage nicht verdienen. Nehmen Sie nicht übel, dass ich dieses rund heraus sage, ich bin nicht fähig mich zu verstellen, ich rede so wie ich es meine.