N. gehört, und sich dabei ziemlich wohl befunden. Wir wünschen daher nichts mehr, als eine rechtmässige Vermehrung und Fortpflanzung dieser adlichen Familie, von welcher unser gestrenger Junker der letzte Zweig ist. Deswegen wünschen wir ihm nicht nur eine junge Gemahlin, sondern hoffen auch, bei unsern Lebzeiten in diesem ehelichen Lustgarten so viele Sprösslein zu erblicken, als unser Dorf Altertümer aufzuweisen hat.
XIX. Brief.
Herr Lampert Wilibald an den Pastor Loci.
Vom haus, den 8 Dec.
Hochgeehrtester Herr Pastor,
Es ist eine Sache von äusserster Wichtigkeit, die mich nötiget, die Feder zu ergreifen, und Ihnen das schriftlich zu entdecken, was meine Bescheidenheit mündlich zu tun verbietet. Der Buchstabe wird nicht schamrot, nach dem Ausdrucke des Fürstens der Redner und Briefsteller aus dem Altertume, ich aber würde es werden, wenn ich Ihnen das mündlich, sagen sollte, was Sie schon lange wissen. Die verborgene Flamme, welche bisher nur unter der Asche geglimmet, und die Sie selbst weislich unterhalten haben, fängt nun an lichterloh zu brennen, und da ich in Gefahr stehe, davon verzehret zu werden, so rufe ich Sie um hülfe an; denn Sie alleine sind im stand, mich von dem Untergang zu befreien, der mich zu bedrohen scheinet. Ihnen ist die Neigung, die ich jederzeit gegen Dero wohlgezogene Jungfer Tochter gespühret habe, zur Gnüge bekannt. Es ist Ihnen nicht unangenehm gewesen, wenn ich Ihnen verblümt habe zu verzu verehren. Jetzt ist es einmal Zeit, dass ich dieses geständnis, dass ich Jungfer Hannchen liebe, und keine andere, als sie, jemals für meine Gattin erkennen werde, mit klaren dürren Worten tue, die keiner Verdrehung unterworfen sind. Ich würde mit dieser Erklärung noch eine Zeitlang hinter dem Berge gehalten haben, wenn eine gewisse Figur eines Rechtsgelehrten, der immer um die Pfarre herum schwärmet, mir nicht einige Unruhe machte, dass ich mich also genötiget sehe, Ihnen diese categorische Erklärung zu tun, dass ich Ihre Jungfer Tochter liebe, und mir hierauf eine categorische Antwort ausbitte. Ich sage Ihnen nichts neues, ehemals, da Jungfer Hannchen noch bei mir in die Schule ging, unterredeten wir uns bereits davon. Sie nahmen meinen Antrag zwar nur als einen Scherz an, und dachten nicht, dass ich als ein Philosoph in die Zukunft einen blick werfen, und darinne mein Schicksal lesen könnte. Ich wendete allen möglichen Fleis bei diesem schönen kind an, um ihr die Grundsätze, welche man von einer tugendhaften Frau verlanget, wohl einzuprägen, damit ich dereinst durch ihren Besitz mich für den glücklichsten Mann auf der Erden schätzen könnte. Aus dieser Ursache wollte ich auch nie einiges Lehrgeld von Ihnen annehmen, weil ich mir feste vorgenommen hatte, diese Rahel Ihnen selbst abzuverdienen. Da Jungfer Hannchen die Jahre erreicht hatte, die sie meinem Unterrichte entzogen, unterliess ich nicht, meine Dienstleistungen gegen Sie zu verdoppeln. Wenn Ihre podagrischen Zufälle Sie abhielten, Ihr Amt zu verrichten: so war ich immer bereit, Sie zu unterstützen, und seitdem Sie diese Bereitwilligkeit bei mir bemerkten, wurden Sie das Podagra fast niemals los. Endlich glaubte ich berechtiget zu sein, mir wenigstens einige Hoffnung für meine Bemühungen machen zu dürfen, und nahm mir die Freiheit, Ihnen den Vorschlag zu tun, mich bei Ihrem herannahenden Alter zu Ihrem Amtsgehülfen annehmen zu lassen. Weil Sie mir aber sagten, dass es damit noch Zeit hätte, und dass Ihnen der blosse Name eines Substituten unerträglicher ins Gehör fiele, als der ärgste Fluch, weil Sie eine solche Antipatie gegen diese Art Leute bei sich verspürten, dass Sie allezeit einen podagrischen Anfall bekämen, wenn sich einer von dieser Gattung Leute vor Ihnen blicken liess; so gedachte ich von diesem Vorhaben gegen Sie weiter nichts, und begnügte mich an Ihrer blossen Freundschaft und an dem Zutritte, den Sie mir in Ihr Haus verstatteten. Seitdem aber mein Principal auf meine geschehene Vorstellung gut befunden, so wohl an seiner person als auch in seinem haus verschiedene Veränderungen vorzunehmen, so haben Sie diese für lauter Ketzereien gehalten, und ein besonderes mürrisches Betragen gegen mich beobachtet, dass ich glaube, wenn Sie ein Ketzerlexicon schrieben, so würde ich darinnen gewiss einen Platz bekommen. Doch weil ich Ihren wunderlichen Sinn mehr dem Alter als einem Hasse gegen meine person beimass, so ertrug ich alles mit einer mehr als stoischen Gelassenheit, denn Sie gaben mir doch dann und wann wieder einen freundlichen blick, wenn ich Ihnen Ihr Amt erleichtern half. Unterdessen habe ich seit einiger Zeit wahrgenommen, dass Jungfer Hannschen, wenn ich Sie besuche, so bald Sie ihr nur einen Wink mit den Augen geben, sich aus der Gesellschaft schleicht, oder wenn sie auch da bleibt, so präsentiret sie mir nicht mehr einen Fidibus, zum Zeichen, dass ich die erlaubnis habe, in ihrer Gegenwart eine Pfeife Toback anzustecken; ja was das meiste, so hat sie seit einiger Zeit die Gewohnheit, unter meinen Predigten einzuschlafen, oder gar nicht in die Kirche zu kommen. Sie will auch keinen Spass mehr von mir vertragen, und meine lustigen Einfälle, die ich dann und wann habe, wenn ich auf guter Laune bin, werden von ihr nicht mehr belacht, oder wenn sie ihnen den Beifall nicht versagen kann, so nimmt sie eine so gezwungene lächelnde Mine an, dass ich daraus deutlich abnehmen kann, dass ihre Gesinnungen gegen mich die sind, die sie ehmals waren. Aus allen diesen Umständen kann ich für mich eben nichts vorteilhaftes