, wenn die Leute auch gleich heimlich mit einander geredet haben, aber dieses Schallloch ist eben so wohl als der Turm mit verbrannt. Der Wetterhahn auf den Turme ist so künstlich zugerichtet gewesen, dass er allezeit gekrähet hat, wenn der Schulmeister oder Schulze habe sterben wollen, oder wenn ein andres grosses Unglück den Ort bevorgestanden hat. In der Nacht vorher, ehe das Feuer ausgebrochen, hat er auch dreimal laut gekrähet, dass er von vielen Leuten ist gehöret worden. Vor dem dorf auf dem Wege nach Kargfeld, rechter Hand stehen drei steinerne Kreuze, und man ist nicht einig, was sie eigentlich bedeuten sollen, einige sagen, es wäre im dreissigjährigen Kriege eine Schlacht bei Dürrenstein gehalten werden, in welcher drei grosse Generals geblieben, die an dem Orte wo die Creuze stünden, wären beerdiget worden, andere sagen, diese Creuze wären in einer Nacht einmal aus der Erde gewachsen, wie die Schwämme, worauf der dreissigjährige Krieg alsdenn entstanden wäre. Einige schreiben denenselben allerlei Kräfte zu. Wer zu dreimal dreienmalen um solche herumlaufen kann, und zwar in einem Oten, der soll einen grossen Schatz heben, der, wie man sagt, darunter verbogen liegt. Wer zornig ist und über den grössten von diesen Steinen zwölf mal wegspringt, dem soll die Bosheit vergehen, etliche Innwohner probiren dieses auch mit ihren bösen Frauen, und nötigen sie darüber zu springen, so oft sie vorbei gehen, wovon sie unvergleichlich fromm werden sollen. Zwischen Dürenstein und Schöntal auf halben Wege stehet der sogenannte Wunderbaum, welcher von einem unglücklichen Prinzen, der seine Liebste, die eine verwünschte Prinzessin gewesen, hier wieder angetroffen hat, und zum Andenken von ihm hieher soll sein gepflanzet worden. Die Rede gehet, dass er, anstatt der Birnen, einmal Aepfel tragen würde, und alsdenn würden die Weiber in der ganzen Welt einen grässlichen Aufstand erregen, um sich die Männer untertänig zu machen. Bei diesem Baume würde eine grosse Schlacht gehalten werden, und obgleich die Weiber unterliegen würden, so sollten sie doch die herrschaft erhalten. Einige sagen, die Prophezeihung wäre schon erfüllt, andere, sonderlich Weiber, hoffen noch darauf, und meinen, die Prophezeihung müsste nun bald eintreffen, weil der Baum, wegen grossen Alters, nicht lange mehr stehen könnte. Baldrion, der Wagner hat eine seltsame Antiquität in seinem haus, die er vorzeigt, wenn man ihm ein gut Wort gibt oder etwas zum Brandeweine spendiret. Es ist solches ein Nagel, womit sein Grossvater die Pest, welche damals in sichtbarer Gestalt als ein blauer Dunst im dorf herumgegangen, in einer kammer seines Hauses in einen kleinen Spalt eingenagelt hat, dass sie nicht wieder herauskann. Der Nagel steckt noch in der Wand, und habe ich solchen oftmals gesehen. Desgleichen wird in der Gemeinenlade noch ein Pfefferkuchen gewiesen, der von dem Mehle gebacken ist, dergleichen es vorzeiten einmal hier geregnet hat. Da sich auch einen als sehr viele Wölfe in hiesiger Gegend haben sehen lassen, welche in den Schäfereien grossen Schaden getan, sonderlich auch den jungen Mädchens nachgeschlichen, solche geherzt und gedrückt, aber ihnen sonst kein Leid zugefüget: so hat ein Mädchen aus unserm dorf einem solchen Wolfe einsmals ein Ohr abgeschnitten, welches sich hernach in ein Menschenohr verwandelt hat, wie diese geschichte in der Gemeindestube abgemahlt noch auf den heutigen Tag zu sehen ist. Eben daselbst in der Gemeinenlade finden sich auch einige Steine, mit welchen der Kobold, der in dem Gemeinde-Brauhause seine wohnung vor zeiten aufgeschlagen gehabt, nach den vorübergehenden Leuten geworfen, auch den dasigen Schulmeister, welcher mit Segensprechen ihn hat vertreiben wollen, eine solche Kopfnuss versetzet, dass er in einem Backtroge hat müssen nach haus getragen werden. Auch könnte man mit unter die Altertümer zählen den üblen Geruch, der in der grossen stube in Peter Langhansens haus anzutreffen ist. Die Ursache davon ist diese: es waren einmal in dieser stube in der Osternacht ein Haufen junger Leute, die früh morgens wollten die Sonne tanzen sehen. Um Mitternacht kam der Böse mit seinem Pferdefusse und langen Schwanze unter sie getreten, und fragte, was sie da machten, als sie sich nun fürchteten, und über diesen hässlichen Anblick sich kreuzigten und segneten, ist er zwar bald wieder verschwunden, hat aber einen solchen Gestank hinterlassen, der noch immer nicht aus der stube kann vertrieben werden, ob man schon mehr als einen Malter Wacholdern darüber verräuchert hat. Die Reisenden und Antiquarii pflegen sich aus Curiosität allezeit dahin zu verfügen, um von der Gewissheit dieser Sache Erkundigung einzuziehen, und bezeugen einmütig, dass sich alles in der Tat so befinde, und diese Historie keinesweges unter die Mährgen gehöret. Wenn ich weitläuftig sein wollte, so könnte ich nun zu den lebendigen Antiquitäten schreiten, und die alten Greisse beiderlei Geschlechts, welche in unserm Orte ziemlich zahlreich anzutreffen sind, nach einander beschreiben. Weil dieses aber auch zu einer andern Zeit geschehen kann, so will ich es jetzt unterlassen, und nur überhaupt anmerken, dass manche grosse Stadt nicht so viele alte Leute aufzuweisen hat, als unser Dorf. Deswegen stehet auch eine ehrbare Gemeinde in dem Rufe der Klugheit, wie denn andere Oerter, die grösser und ansehnlicher sind, wenn schwere und wichtige Händel vorfallen, bei uns sich Rats zu erholen pflegen. Auch verstehen sich unsere Leute meisterlich aufs Wetter, weil wir so viel hundertjährige Calender aufzuweisen haben. Unser Dürrenstein hat seit undenklichen Jahren, in Ansehung der Gerichtsbarkeit, zu der Familie unsers gestrengen Junkers des Herrn von