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E.

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Dass die natur und nicht die Kunst einen Virtuosen bildet, erweist in einer Rede Baltasar Eck, treufleissiger Cantor und Schuldiener in Schöntal.

Hokuspokus.

Affenspiel.

advokat.

Kalendermacher.

Aufblehen.

Untervogt.

Austrinken.

Saitenspiel.

Halskaufe.

Stempel.

Unterminiren.

Altfränkisch.

Zipperlein.

Bratenwender.

Heufuder.

Goldschmidt.

Holzhacker.

Die edle Musika ist eine von den freien Künsten und keinesweges ein verächtliches Handwerk oder eine Brodtlose Kunst, dergleichen es welche gibt, die Leute ums Geld zu bringen oder sie zu vexiren. Von diesem Schlage sind die Kartenspiele, die Kartenkündergleichen Gaukeleien mehr sind, womit die Hokuspokusmacher umzugehen wissen; allein sie verdienen nicht einmal den Namen der Künste, sondern sollten vielmehr Aeffereien oder Affenspiele genennet werden. Ein Musikus ist ein ehrbarer Mann, der seine Kunst gelernet hat, nicht allein den Leuten die Zeit zu vertreiben, sondern auch vielerlei Gutes zu stiften: denn man kann, vermöge der Musik, Krankheiten heilen, die Zauberei vertreiben, gute Gedanken einflössen, und dergleichen mehr, das ein andrer wohl muss unterwegen lassen. Aber nicht jeder, der etwas auf einem Instrumente herstümpern kann, ist im stand dieses zu tun, sondern nur grosse Musikverständige, die man Virtuosen nennet, können solche herrliche Dinge ausrichten. Dergleichen Leute werden nun, wie die Erfahrung lehret, nicht durch die Kunst hervorgebracht, sondern sie müssen von natur ein gutes Geschick haben, wenn was rechtes aus ihnen werden soll. daher hat die Musik vor andern Künsten etwas zum Voraus, wem die natur nicht ein Geschick zur Musik verliehen hat, der bleibe immer davon oder erwähle ein anderes Metier. Aus dieser Ursache schickt sich auch nicht jeder zur Musik, es kann einer eher ein Doctor und Professor werden auf einer Universität, als ein tüchtiger Cantor. Bei jenen kommt es auf Geld und gute Worte oder auf gute Patronen an, hierdurch kann einer unter den Gelehrten alles werden was er nur will, aber du magst spendiren wie du willst, du magst den Schulzen und Kirchpatron zum Paten haben, wenn dir die natur keine gute stimme in die Kehle und keine Hurtigkeit in die hände und Füsse gegeben hat, dass du nicht laut genug vorsingen, kein Trillo schlagen und keine tüchtige Fuge auf der Orgel herrasseln kannst: so nehmen dich die Bauern nicht zum Cantor, und wenn du könntest die Kieselsteine in Gold verwandeln. Wo die Kunst alles tut, da ist die natur überflüssig, und wo die natur alles wirket, da braucht es keine grosse Kunst. Ein advokat, zum Exempel, ist ein arte factum, er mag eine natürliche Gabe zum Plaudern und Zanken haben, oder von natur so sanftmütig sein wie ein Lamm, wenn er in seiner Kunst ausgelernet hat, so gewinnt er die schlimmsten Processe. Woher kommt das? Aus keiner andern Ursache, als weil er durch die Kunst aus weiss hat lernen schwarz machen, und ihm, gleich wie einem Staar, die Zunge gelöset ist, dass er reden kann was er will. Allein lasst ihn einmal einen Triller schlagen, so werdet ihr sehen, dass er dieses zu tun nicht im stand ist, wenn die natur seine Kehle nicht dazu aptiret hat. Es hat mit einem Musikus eben die Bewandniss wie mit einem Kalendermacher, dieser mag rechnen können wie er will, er mag den Himmel durch sieben und siebenzig Ferngläser beschauen, dem ungeachtet wird das Wetterprognosticon nicht zutreffen, oder die Prophezeihung von Krieg und Frieden in Erfüllung gehen, wenn ihn nicht die natur zu einen Kalenderschreiber gebildet und ihm die Gabe, zukünftige Dinge vorherzusagen, verliehen hat. Hieraus erhellet, was ein Musikus in eigentlichem verstand, welchen man gemeiniglich einen Virtuosen nennet, für ein Mann ist, und dass solche Leute billig in Ehren zu halten sind, auch ihnen ein reichlich Auskommen muss verschaffet werden, denn sie wachsen nicht so zahlreich wie die Schwämme, und können auch nicht durch die Kunst hervorgebracht werden wie die Orgelpfeifen, sondern die gütige natur bringt sie nur dann und wann hervor, wenn sie ihr Spiel haben, will wie die Weidenrosen, oder die Kornstengel mit hundert Aehren. Das wissen diese Herren auch gar wohl, darum blehen sie sich nicht selten auf wie die Untervögte, und haben ihre Mucken wie die Pferde, die den Sonnenschuss bekommen. Ich könnte von ihrem Eigensinne manches artige Stückgen anführen, wenn ich mich nicht der Kürze befleissigen wollte. Nur einger im Vorbeigehen zu gedenken, so sind einige Virtuosen so eigensinnig, dass sie sich durchaus nicht wollen hören lassen, so lange sie ein volles Glas im gesicht haben. Ich kenne einen Schulmeister, der mein Freund ist, der diesen Wurm auch hat und allen Gläsern erst auf den Boden siehet, ehe er seine Violine stimmt, welches denen, die von seiner Kunst etwas hören wollen, oftmals teuer genug zu stehen kommt, weil er auf einen Sitz mehr austrinken kann als zehen Schnitter in der Erndte. Andere lassen sich nicht anders als durch Schläge bewegen, ihr Saitenspiel anzurühren, und tun das gezwungen, was man weder durch gute Worte noch durch Verheissungen von ihnen erhalten kann. Einige haben die wunderliche Gewohnheit an sich, dass sie sogleich aufhören zu spielen, wenn sie gelobt werden, und hingegen fortfahren, wenn man sie für Stümper und Hümpeler hält. Ich habe auch von einem Virtuosen sagen hören, dass er sich allezeit, wenn er ganz besonders durch seine Geschicklichkeit sich hätte hervor tun wollen, in den grössten Gesellschaften entkleidet habe, als wenn er zu