, und ihm dafür den Telemannischen Jahrgang, darum er mich so oft gebeten, zur Abschrift mitteilen. In Erwartung gefälliger Antwort, verharre
Des Herrn
dienstwilliger
L. Lobesan.
XVIII. Brief.
Antwort auf den vorigen Brief.
Ehrengeachteter Hochgelahrter
Günstiger guter Freund,
Ich hätte wohl Ursache, ihm die gefälligkeit, warum er mich ersuchet, abzuschlagen; er weiss es am besten, wie er mich gemartert hat, da ich ehemals an seine Stelle kommen sollte, weil er bei dem Herrn v.N. in Ungnade gefallen war, und von seinem Dienste sollte abgesetzt werden. Er biss damals um sich wie ein wilder Kater, und spielte mir noch dazu den schlimmen Streich, dass er, da ich die probe tun musste, das Clavier an der Orgel mit Terpentin oder Vogelleim, was es war, beschmieret hatte, dass mir die Finger darauf kleben blieben, und ich glücklich umwarf. Wegen der telemannischen Kirchenstücke habe ich, da der erste Groll vorbei war und er bei seinem Dienste blieb, wie ich bei dem meinigen, mir Salvo nore, die Beine bald abgelaufen, ich habe ihm himmelhoch gebeten, mir solche, gegen ein gutes Gratial, zukommen zu lassen, weil unsere herrschaft mit meiner Composition niemals recht ist zufrieden gewesen: aber da half weder bitten noch flehen, es war als wenn ich zu einem Stein denken sollen, eine Hand wäscht die andere, wer weiss, wo ich den ehrlichen Mann auch einmal wieder brauche, ich will ihm aus dieser Not helfen, wer weiss hilft er mir aus einer andern. Wenn ich gleiches mit gleichem vergelten wollte, so würde er mit einer abschläglichen Antwort müssen zufrieden sein, ich bin aber nicht so gesinne, und habe ihn schon lange alles vergeben, welches er unter andern auch daraus abnehmen kann, dass ich ihm alle Jahr zur Kirmse habe bitten lassen, ob er gleich wegen der alten Pike noch nicht über meine Schwelle kommen ist. Um ihn zu überzeugen, dass ich es gut mit ihm meine, will ich ihm alles getreulich entdecken, wie ich es mit meiner Rede angefangen habe. Ich höre zwar, dass es unter den Gelehrten Mode ist, dass sie ihre besten Fechterstreiche gern für sich behalten, und sie niemanden leichtlich offenbaren: doch weil er mir versprochen hat, verschwiegen zu sein und das geheimnis bei sich zu behalten, so will ich ihm kürzlich melden, wie ich es mit meiner Rede, die der Herr Magister gelobt hat, gemacht habe. Es ging mir im Anfang eben so wie ihm, ich wusste nicht, wo ich es angreifen sollte, den Text, den mir der Herr Magister vorgeschrieben hatte, zu erklären. Ich ging zum Herrn Pfarrer, um mich bei ihm Rats zu erholen, und ihn um ein Buch zu bitten, das ich bei meiner Arbeit, brauchen könnte; allein dieser war böse, dass er nicht auch ein Mitglied worden war, und wollte mir durchaus kein Buch leihen, ob er deren gleich über ein Halbschock besitzt, und manche in Jahr und Tag nicht braucht. Hierauf verfügte ich mich zu unsern fräulein und bat sie um das Buch, das sie braucht, wenn sie Briefe schreibt und ihr nichts einfallen will, sie gab mir dieses ohne Schwürigkeit. Ich übersende es ihm im Vertrauen, er muss es aber ja wohl bewahren, dass es nicht schmutzig wird und ein Dinten- oder Oehlfleck hinein kommt. In diesem buch sind alle Wörter entalten, die zu einer Rede gehören, es ist daher ein vortrefliches Werk, welches alle Arbeit leichte macht. Man darf nur die Worte aufschlagen, wie sie einen von ungefehr in die Augen fallen, und diese hernach mit einander verbinden, so ist die Rede fertig. Da ich gehört habe, dass man sich bei einer Rede, vor allen Dingen, um ein Tema bekümmern muss, eben so wie in der Musik, welches man hernach ausführet: so suchte ich erst in dem buch mein Tema zusammen, das waren die einzelnen Worte die ich von ungefehr aufschlug. Diese schrieb ich fein ordentlich, wie sie mir das Glück bescheret hatte, auf ein Pappier, und studirte hieraus meine Rede zusammen. Es kostete freilich hin und wieder viel Kopfbrechens, weil manche Worte sich weder zusammen schicken noch reimen wollten, doch da ich mir vorgenommen hatte, nichts in dem Tema zu ändern, so künstelte ich so lange bis alles zusammen passte. Damit ihm alles deutlich wird, so habe ich meine Rede abgeschrieben und derselben das Tema beigefügt, woraus ihm alles verständlich werden muss. Künftige Mittewoche, wenn ich aus der Akademie komme, will ich bei ihm einsprechen, und die Kirchenstücke abholen, welche er, sobald sie abgeschrieben sind, ohne Schaden wieder haben soll. Unser Herr Pastor hat einen gewaltigen Groll auf mich geworfen, dass ich mit in der Akademie bin und er nicht. Wie ist denn der seinige diesfalls gegen ihn gesinnet? Ich habe vier Groschen aus der Kirche für den Weg prätendiret, den ich nun wöchentlich von hier nach Kargfeld tun muss, aber der Herr Pastor will es durchaus nicht in der Kirchrechnung passiren lassen, keine Frohndienste lass ich mir warlich nicht aufbürden. Legt sich der Herr Pfarr mit mir nicht bald zum Zweck, so will ich ihn schon kriegen, ich habe ihn sein Amt müssen führen lernen, und nun will er über mich herrschen. Die Welt wird doch immer schlimmer. Nebst einem schönen Gruss von meiner Frau bin ich
Des Herrn
dienstwilliger
B.