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würden dass ein Magister eben das unternommen und ausgeführet hätte, was Kaisern und Königen schweer worden wärs: so würden sie, aus Neid, ihn dergestalt zwischen die satirischen Sporen fassen, dass er alle seine philosophische Gelassenheit würde aufbieten müssen, um bei diesen Anfällen gleichgültig zu sein. Doch wie er ohne sonderlichen Schaden und ohne jemands hülfe wieder aufgestanden wäre: so würde seine Ehre und guter Name bei dem Wachstum der Akademie auch wieder empor steigen und über alle Neider und Misgünstige triumphiren. Uebrigens fügte er hinzu, wollte er nicht viel Geld nehmen und diesen Fall nicht getan haben: die Alten hätten sich allezeit gewünscht, dass bei einem ausserordentlichen Glücke sie auch ein kleines Unglück beträfe, und wenn ihnen dieses nicht von freien Stücken zugestossen wäre, so hätten sie sich selbst einen Verdruss oder Schaden verursachet, um die Götter dadurch abzuhalten mit einem grossen Glück auch ein grosses Unglück zu vereinigen. Crösus hätte einen Ring von grossen Wert ins Meer geworfen, um den Lauf seines Glücks in etwas zu hemmen. Er hielt sich für glücklicher als Crösus, dass er sein Vorhaben, Kargfeld in einen Sitz der Musen zu verwandeln, nunmehr ausgeführet sähe, und ob er gleich nicht die alten Heiden zum Vorbild seiner Handlungen wählen wollte: so wäre doch gewiss, dass ein grosses Glück mit einem grossen Unglück, wie aus der Erfahrung bekannt sei, vergesellschaftet wäre, er glaubte daher, dass er durch dieses kleine Unglück eine Versicherung von dem Flor der Julianenakademie, bei welchem er sich glücklicher schätzte, erhalten hätte. Weil der Pastor Wendelin nicht gegenwärtig war, der ihn wegen seiner heidnischen Grundsätze würde verketzert haben: so wurde seine Meinung gebilliget, und der Major wünschte, dass alles Unglück, das die gelehrte Gesellschaft etwas bedrohen könnte, den Magister treffen möchte, damit ihm die Ehre, ein Märtirer derselben zu heissen, niemand streitig machen könnte. Nachdem nun der Speisesaal ein gelehrtes Ansehen erhalten hatte, so verfügte sich das Frauenzimmer, und alle die nicht zu der gelehrten Versammlung gehörten, in das Nebenzimmer doch sollte die Tür offen bleiben, damit wir sehen könnten was vorging. Es wurden zu beiden Seiten des Rednerstuhls Stühle gesetzt, zur rechten Hand für die Ehrenmitglieder, welches die vornehme Seite hies, und zur linken für die ordentlichen, welches der Magister die gelehrte nennete. Alle in dem Verzeichnisse benannte innländischr Mitglieder waren gegenwärtig, und weil die gelehrte Bank meistens aus Schulmeistern bestehet, so führten diese erstlich eine trefliche Motette auf, wobei die beiden Redner ihre stimme singend hören liessen. Hierauf verliess der Cantor Eck seinen Bass mit einem tiefen Reverenze und betrat den Rednerstuhl. Der Herr v.W., als Präsident der Akademie, war schon unter der Musik eingeschlafen, und schnarchte so stark, dass man nichts verstehen konnte, besonders da der Redner über seine gelehrten Zuhören so bestürzt schien, dass er, ungeachtet seiner Brille, nicht eine Zeile ohne Stammlen lesen konnte. Diese Rede erhielt unterlessen den Beifall des Herrn Lamperts und folglich der ganzen Akademie. Der junge Wendelin hat mir solche, nebst zwei Briefen, die sich darauf beziehen, und wegen ihres Innhalts merkwürdig sind, verschafft, diese Stücke sind, nebst der Abhandlung von den Altertümern in Dürrenstein, in dem Packt in einem besonderen Bogen eingeschlossen welcher den Titul führet: Etwas zur Zugabe nach Lesung des Briefes zu eröffnen. Der Schulmeister zu Dürrenstein hat sich lange nicht wollen bereden lassen nach dem Cantor von Schöntal aufzutreten, weil er einige Jahre früher als jener ins Amt kommen ist, jener aber hat den Vortritt verlangt, weil er sich Cantor nennen lässt. Diese Leute, welche viele Jahre in der vertrautesten Freundschaft gelebet haben, sind über diesen Rangstreit in solche Uneinigkeit geraten, dass sie einander aufs äusserste hassen. Herr Lampert soll alle Mühe gehabt haben sie zu vergleichen, welches endlich durch das los geschehen ist, wodurch der Cantor den Vorgang erhalten hat. Nachdem die erste Session der Akademie geendiget war, verwandelte sich die Scene, und die gelehrten Akademisten wurden Musikanten, wir hielten einen kleinen Ball. Doch die Uneinigkeit unsrer Bande verursachte manchen Uebellaut in der Musik. Der Schulmeister von Dürenstein wollte sich durchaus nicht bereden lassen, ein musikalisches Instrument anzugreifen, wenn der Cantor von Schöntal die erste Violine strich, aber der Befehl unsers Oncles der mit verschiedenen Drohungen vergesellschaftet war, brachte ihn bald zu einer andern Entschliessung. Der onkel eröffnete den Ball mit dem fräulein v.W. und beobachtete die Anständigkeit gegen sie, die er den ganzen Tag hatte blicken lassen. Doch so viel Macht hatte er nicht, dass er alle fürchterlichen Blicke gegen seinen Rival hätte zurückhalten können, er sah ihn oftmals so finster an, dass ich dachte, er würde neue Händel bekommen, doch hielt er seine Zunge im Zaum und gab ihm, mit der verdrüsslichsten Mine, die besten Worte von der Welt. Ich will dismal meinen Brief nicht weiter ausdehnen, er ist lang genug dich um die Zeit zu bringen, die du vermutlich ohne denselben vergnügter würdest zugebracht haben. Wenn ich nicht schon sehr müde wäre, so würde ich dir noch das Verlangen schildern, welches wir haben, dich hier zu sehen. Es stehet bei dir, unsere Wünsche zu erfüllen, und insonderheit die meinigen, und dadurch werde ich einen Beweiss erhalten, dass du mich so liebest als du geliebet wirst, von deiner Schwester

A.v.S.

XVII. Brief.

Herr Lorenz Lobesan, Cantor zu Kargfeld an Herrn

Baltasar Ecken, wohlverdienten Cantor und