nicht erhalten haben, und also bisher in der gelehrten Republick auch keine Heimat hatten. Er richtet, als ein zweiter Romulus, eine neue Colonie von Gelehrten an, die jetzt noch von den alten Gelehrten verachtet werden. Doch wie Rom immer grösser wurde und endlich die herrschaft über die Welt erhielt: so wird, wenn mich meine Ahndung nicht täuschet, auch diese kleine Republick der Gelehrten ihr Ansehen so ausbreiten, dass sie sich nach und nach auf den höchsten Gipfel ihrer Hoheit empor schwingen wird. Morgen ist der merkwürdige Tag, an welchem obenbemeldter Rittersitz des Herrn v.N. zu einem Heiligtume der Wissenschaften soll eingeweihet werden, und bei dieser gelegenheit werden sich zwei geschickte und beredte Männer hören lassen, nämlich: Tit. plen. Herr Baltasar Eccius, wohlmeritirter Cantor zu Wilmershaussen, wird in einer Lobrede auf den verstorbenen Herrn Händel erweisen, dass die natur, und nicht die Kunst, einen Virtuosen bildet. Wenn dieser den Rednerstuhl verlassen hat, so wird Herr Valentin Striegel, wohlverdienter Schulmeister in Dürrenstein etwas von den Altertümern dieses Orts auf die Bahn bringen. Den Beschluss dieser Feierlichkeit wird M.L. Wilibald dadurch machen, dass er die Statuten der neuen Akademie und die Mitglieder derselben bekannt machen wird.
Alle vornehme gönner, Mäcenaten und Musenfreunde, denen diese Einladungsschrift zu gesicht kommt, werden demnach geziemend eingeladen, diese Feierlichkeit durch ihre zahlreiche Gegenwart zu vermehren, und zwar diejenigen, die ein Exemplar in Goldpappier eingebunden erhalten, haben die Freiheit, zu Pferde oder vermittelst eines Fuhrwerks hier zu erscheinen; die aber nur ein schlechtes bekommen, können sich dieses zur Rachricht dienen lassen, dass man sie, um allem unnötigen Aufwande vorzubeugen, zu fuss erwartet. Alle aber werden gebeten sich aufs späteste um zwei Uhr Nachmittags allhier einzufinden. Oeffentlich bekannt gemacht, den dritten December.
XVI. Brief.
fräulein Amalia v.S. an den Herrn v.S. ihren Bruder.
den 6 Dec.
Ich bin eine Zeitlang mit meiner Correspondenz ziemlich faul gewesen, und will mich bei einem Bruder, wegen meiner Nachlässigkeit, nicht rechtfertigen, den ich geneigter finde sie zu verzeihen, wenn ich meinen Fehler gestehe, als wenn ich mich durch eine Schutzschrift zu rechtfertigen suchte. Wir sind einander um hundert Meilen näher, und meine Briefe kommen sparsamer, da du weiter entfernt warest, schieb ich fleissiger. Ich weiss selbst nicht was ich für Abhaltungen gehabt habe, dir so lange einen Brief schuldig zu bleiben, wenn dieses nicht eine gewesen ist, dass ich nach meiner Gewohnheit sehr viel auf einmal habe schreiben wollen, und nie gnug Materie gehabt habe. Nicht als wenn es an Auftritten gefehlet hätte, die würdig gewesen deine Aufmerksamkeit zu verdienen, sondern, weil ich eine ziemlichvollständige Sammlung von Briefen in Händen habe, die alles, was hier vorgegangen ist, so ausführlich entalten, dass mir kein Stoff zu einer besonderen Erzählung übrig geblieben ist, und ich hatte doch auch Lust etwas zu erzahlen. Jetzt habe ich einmal Langeweile, sonst würdest du noch keinen Brief von mir erhalten. Ich will, um mir die Zeit zu kürzen, meine Erzählung da anfangen, wo das beigeschlossene Paquet aufhöret. Es sind darinnen fünfzehn Briefe nebst andern Aufsätzen, die in unsern Roman gehören, entalten, du wirst hieraus leicht den Schluss machen können, dass du diese eher lesen musst, als meinen Brief, sonst würdest du sehr herumraten müssen, wenn dir nicht ein grosser teil desselben sollte unverständlich bleiben. Aus dieser Absicht will ich einen neuen Abschnitt machen, der alles in sich entält, was zur Vollständigkeit der in dem Paquet entaltenen Nachrichten gehöret.
Am vierten dieses hatte der Baron die Freude, das lächerlichste Stück in der Comödie unsers Oncles, aufgeführte zu sehen. Der Entwurf der Akademie hat ihn seit acht Tagen auf eine so lustige Art beschäftiget, dass er so munter aussiehet als an seiner Hochzeit. Wir fuhren in bester Galla nach Kargfeld, um einem grossen Schmause, wodurch unser onkel die Einweihung seiner Akademie feierlicher machen wollte, beizuwohnen. Von der gewöhnlichen Gesellschaft fehlte Niemand. Aus einem Hasse, den der Herr v.N. gegen den Herrn v. Ln. aus bekannten Ursachen heget, war dieser nicht gebeten worden: er erschien aber doch zu Pferde, ob er gleich kein Programma in Goldpappier eingebunden erhalten hatte. Unser onkel bewirtete seine Gäste diesmal sehr gut. Ich bedauerte nur fräulein Kunigunden, die wegen vieler Anstalten, die sie machen musste, wie sie sagte, in fünf Tagen kein Auge zugetan hatte. Das fräulein v.W. fand an diesem Tage ihren Liebhaber wie sie ihn wünschte. Es war als Wirt und als Stifter einer Akademie so sehr beschäftiget, dass ihm keine Zeit übrig blieb, an etwas, das dem fräulein hätte verdrüsslich sein können, zu gedenken. Vielleicht war er auch um deswillen ein wenig artiger, weil der Major gegenwärtig war, den er für seinen Rival hält und mit welchem er in neuen Zwist zu geraten, aufs äusserste zu vermeiden suchet. Die ganze Gesellschaft war dismal artig, selbst die Frau v.W., der ich es nicht zugetrauet hatte, dass sie ihren Herrn zum Präsidenten einer gelehrten Gesellschaft würde machen lassen. Doch sie hatte sich vorgenommen, uns dismal mit ihrem Gemahl auf Discretion verfahren zu lassen, ordentlich pflegt sie dieses Vorrecht nur für sich zu behalten und aus ihm zu machen was sie will. Die den Spass einsahen, waren bemühet ihn nicht zu verderben, und die