Leibes, und folglich war er ihm unschätzbar. Doch nach einer langen Disputation, mit dem Abgesandten, worinne dieser mit einem Argument von hundert Louis d'ors bewiess, dass der Bart kein Glied des Leibes wäre, liess der Schweizer sich überwinden, und verhandelte seinen Bart, welcher noch, wie glaubwürdige Personen berichten, in der königlichen Kunstkammer zu Paris zu sehen ist. Allein da der arme Schweizer vergnügt, über den guten Handel, nach haus kam, so tat seine Frau das mit seinem Scheitel, was der Abgesandte mit seinem Kinn hatte vornehmen lassen, sie fiel ihm in die Haare und in kurzer Zeit war sein Kopf so kahl als sein Gesicht, ja sie liess sich von Tisch und Bette so lang von ihm scheiden, bis ihm Haar und Bart wieder gewachsen war. Aus dem angeführten erhellet, dass die Bärte mehrenteils im Gebrauch gewesen, und dass man auch ihnen oft grosse Hochachtung erwiesen hat. Lasset uns nun sehen wie die Sitten und die Gelehrsamkeit beschaffen gewesen, wenn die Welt bärtig gewesen. In Griechenland blüheten ehemals die Wissenschaften und die Gelehrten trugen Bärte, wenigstens gilt dieses von den Philosophen, die damals den grössten teil von der gelehrten Welt ausmachten. Die Sitten der Griechen waren so fein, ihre gesetz so vollkommen, dass Griechenland eine hohe Schule der Ausländer wurde, und man allentalben die gesetz dieses Landes einführte. Ein Beweis, dass gute Sitten und Bärte sich wohl mit einander vertragen können.
Rom war lang ein gesitteter Staat und die Wissenschaften hatten sich längst um das Capitol gelagert, ehe man anfing den Männern ihren Schmuck zu rauben und die Bärte zu verheeren. Zwar könnte man den Einwurf machen, dass eben zu der Zeit, da Rom anfing auf den Gipfel seiner Grösse zu steigen, die Bärte abgeschafft wurden, und dass besonders diese Mode in das güldne Zeitalter der gelehrten Sprache fällt, ja dass eben dieses auch von unsrer Zeit eintrifft. Jetzt da die Sitten und die Gelehrsamkeit wiederum empor gestiegen, herrscht das tirannische Scheermesser abermal über unser Kinn; allein nichts ist leichter als diesen Einwurf zu widerlegen. Erstlich bemerken wir überhaupt, dass er gar nicht wider unsern Hauptsatz gerichtet ist: denn da wir weiter nichts beweisen wollen, als dass der Satz falsch sei, wenn vorgegeben wird, dass die Welt allezeit barbarisch gewesen wäre, wenn die Gelehrten Bärte getragen hätten, so können wir es zugeben, dass es zeiten gegeben hat, da die Welt gelehrt und gesittet gewesen, wenn die Bärte in der gelehrten Republick nicht sind gedultet worden. Aber wir wollen es nur gestehen, dass wir wirklich die Meinung hegen, dass bärtige Gelehrte für die Sitten und Gelehrsamkeit jederzeit ein gutes Zeichen gewesen, dass hingegen ihr plattes Kinn beiden nichts gutes verkündiget habe. Wir geben zu, dass zu der Zeit, wenn die Gelehrten keinen Bart getragen haben, dann und wann die Welt gesittet und gelehrt geschienen hat; aber eine andre Frage ist es, ob sie es auch wirklich gewesen ist, ich, meines Ortes, behaupte das Gegenteil. Nie hat es in den Wissenschaften so viele Stümper gegeben, und nie ist Falschheit, Betrug, Verstellung und Bosheit mehr im Schwang gewesen, als wenn das männliche Geschlecht sich ein weibliches Ansehen gegeben hat. Eben dieses gilt auch von Rom, da man den Bart ablegte. Es ist wahr, Horaz, Virgil, Cicero, Cäsar lieferten der Welt Muster der Dichtkunst, Beredsamkeit und Historie; aber keine Regel ist ohne Ausnahme. Neben, ihnen lebte eine unendliche Menge Meistersänger, elender Schwätzer und Zeitungsschreiber, und die Sitten waren zu der Zeit in einem solchen Vorfalle, dass Cicero selbst Mörder, Rebellen und Diebe verteidigte, Cäsar solche schöne Taten beging und Flaccus die verbuhltesten Liedergen von seiner Leier hören liess.
Schade ist es, dass wir diese schöne Materie jetzt nicht weiter verfolgen können. Unterdessen bleibt unser patriotischer Wunsch dahin gerichtet, dass die Gelehrten einmal das Joch der Mode, die ihnen ihren ehrwürdigsten Schmuck geraubet, hat abwerfen, die Bärte wieder aufleben lassen, und dadurch einen neuen Beweis geben, dass die Welt nicht barbarisch ist, wenn die Gelehrten Bärte tragen.
Ich schreite nun mit Vergnügen zum Zweck meiner Abhandlung, welcher dieser ist, die Eröffnung der gelehrten Gesellschaft, welche Seine Gnaden, Herr Ehrhard Rudolph v.N., Erb-Lehn und Gerichtsherr auf Kargfeld und Dürrenstein, unter dem Namen der Julianen Akademie auf erstbemeldetem seinem Rittersitze aufzurichten, und mit seiner hohen Protection zu beehren entschlossen ist, anzukündigen. Eine so patriotische Gesinnung als diese, ist zwar über alles Lob erhoben, und ich würde eine Torheit begehen, wenn ich mich bemühen wollte, diesen edelmütigen Entschluss, der sein eigner Lobspruch ist, nach den Regeln der Redekunst herauszustreichen. Vielmehr will ich den aufrichtigsten Wunsch tun, dass diese gelehrte Gesellschaft, welche seit Erschaffung der Welt die erste, die in hiesiger Gegend durch eine genauere Verbindung mit der Erweiterung der menschlichen erkenntnis sich beschäftiget, gleiche Schicksale mit der römischen Republick haben möge. In ihrer Entstehung sind beide einander ähnlich, Romulus zog einen Haufen Leute an sich, die nirgend eine Heimat hatten und in den holen Wegen die Reisenden um ein Allmosen baten, dass diese ihnen nicht verweigern durften. Es waren Leute, die wegen ihrer Profession von den alten Innwohnern des Lateinerlandes verachtet wurden, mit welchen Romulus seinen Staat bevölkerte. Mein Patron hat es fast auf gleiche Weise gemacht: die gelehrte Gesellschaft bestehet aus Gliedern, die, einige wenige ausgenommen, das gelehrte Bürgerrecht