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kann schon einige Maitressen haben, und sich dennoch seiner Gemahlin für einen Junggesellen verkaufen. Ich war in meinen jüngern Jahren auch nicht von Holz. Amalia. So recht! das sollten der Herr onkel gar nicht erzählen. Ich habe Sie noch immer für einen reinen Junggesellen gehalten. v.N. Sie werden auch nicht krank werden, wenn Sie es noch tun. Clementine muss indessen nichts davon wissen. Hab ich sie einmal weg, so mag sie hernach erfahren, was sie will. Wir wollen aber aufhören zu discuriren. Ich will mich heute einmal recht lustig machen. Jeremias! lauf zum Cantor, und sag, dass heute Concert gehalten würde. Er soll um 6. Uhr zu mir kommen und noch ein paar Adjuvanten mitbringen. Reizend, sanft, in Lydischen Tönen, zum Gefühle stiller Lust etc. soll es heute gehen. O du angenehme Dulcinea von Bologna! tausend dukaten wollt ich darum geben, wenn du heute hier

wärest. Pereat Belvedere tief! (zum Jeremias)

Stehst du noch hier, wie eine Säule? Geh, und ruf

den Cantor, sag ich. Jeremias. Gleich, gleich, ich wollte nur ihre Rede

ganz anhören. v.N. Das war nicht nötig. Der erste teil gehörte nur

für dich, Bube.

Hast du also etwas nach Italien zu bestellen, so wird dir unser verliebter Herr onkel dienen können. Er nennet es seine geheime Expedition; er will sie aber glücklich ausführen. Welch eine Reisegesellschaft! der Magister schickt sich zu ihm, und er zum Magister: Jeremias aber schickt sich zu beiden. Der onkel ist voller Verlangen, einen Brief von dir zu bekommen. "Hört! was ich sage, spricht er, ihr müsst euch die Sache recht soldatisch vorstellen. Zeitero habt ihr Pulver auf die Pfanne getan, geladen, und den Ladestock wieder an seinen Ort gebracht. Heute schrie ich: Hoch schlagt an; kommt der Brief aus Londen; so rufe ich weiter nichts, als Feuer! und denn gehts los. Jeremias muss noch einmal mit dem schelmischen Barbier reden, damit der Schlingel nicht erst sich zur Ladung schwenket, wenn ich fort will.

Was fangen wir mit unserm onkel an? Nichts fehlt, als dass er noch auf solche Abenteuer ausgeht. Ich weiss gewiss, jeder Schritt von hier bis nach Bologna Allein das muss nicht geschehen. Wie wird er sich anstellen, wenn du ihm die Vermählung der Clementine schreibest? Ich denke aber, er hat einen neuen Entwurf im kopf, der jenem an Schönheit nichts nach gibt.

Abends um 6. Uhr. Die Adjuvanten sind da; der alte Cantor auch, im Mantel, als wenn er zur Hochzeit bitten wollte. Der Magister hat ihm seine Zweifel wegen den Orgeln benommen, oder besser: unser onkel wollte den alten ehrlichen Mann prügeln."

Alleweile höre ich, dass er ihm auf dem saal einen Unterricht wegen des Spielens gibt:

"Höre er, Herr Schulmeister, er muss ein wenig flüchtiger werden auf der Orgel. Die Finger sind so steif, wie die Trommelstöcke. Habt ihr etwa in euren jüngern Jahren die Daumenschrauben bekommen? Ach, Ihr Gnaden, ich bin ein ehrlicher Mann; ich bin niemals auf der Tortur gewesen, wie man sagen möchte."

"Sie sind ein alter Narr. Was wär daran gelegen, du bist kein Erzbischoff, Herr Schulmeister, nicht wahr? Vernehme er, was ich sage. Führt mir keine Kirchenstücke mehr auf – – denn das schickt sich nicht. Das letzte fing sich mit einer Fuge an – – mir deucht, ich hätte es an der Kirmse in der Kirche gehört. Gnädiger Herr, ich habe freilich keinen grossen Vorrat: allein heute wollen wir ein Trio machen, und alsdenn einige Menuets und Polonoisen zum Tanzen; da wird aber nicht dazu georgelt.

Nein, das versteht sich. Wenn ich Alexanders Gastmahl aus Engelland bekomme: so lassen Sie es Ihren Adjuvanten lernen. Verstehst du mich wohl?" Gerne, gerne. Der Magister hat Hanngen anbei geholt, und also werde ich wohl mit tanzen müssen. Ich will also dieses mal meine Feder niederlegen, dir aber noch sagen, dass ich dich allemal lieben werde.

Amalia v.S.

XIII. Brief.

fräulein Amalia an ihren Bruder.

Schöntal den 27 Junius.

Ich habe unserm Schwager beinahe einen Gewissenspunkt daraus gemacht, dass er uns alle verleitet hat, unserm Vetter eine Sache vorzuschwatzen, die ihn noch vielen Verdrüsslichkeiten aussetzen kann. Er ist gleichwohl unsrer Mutter Bruder, wir sollten es nicht getan haben. Mein Schwager hat keine Lust von seinem Vorhaben abzustehen, und glaubt das Recht zu haben, ihm etwas aufzubürden; weil unser onkel seit vielen Jahren ihm von seinen Heldentaten Unwahrheiten gesagt hätte. Wenn er in seiner Oekonomie dadurch Schaden litte, will der Baron solchen wieder gut machen. Den Gewissenspunkt bei Seite gesetzt, so ist nicht zu leugnen, dass der onkel und der Magister uns so viel lächerliche Auftritte, in dem Nachspiele des Grandisons liefern, dass wir uns keinen bessern Zeitvertreib wünschen könnten. Wenn ich diese beiden Leute auf der einen Seite ansehe, so sind sie wirklich gebessert: betrachtet man sie aber von der andern, so scheinet es, dass ihr Bisgen Verstand ganz und gar ausgedunstet ist.

Mein Vetter hatte sonst etwas im Fluchen getan, man konnte ihn stark darinne nennen. Seine neuerfundenen Schwüre und Flüche, die oft Niemand dafür ansahe, wenn es nicht