nur solche Künste, die in den Augen der Frauenzimmer schön sind, das sind die Wissenschaften neue Moden zu erdenken, neue Brühen zu verfertigen, neue Lustbarkeiten für das Frauenzimmer zu erfinden, folglich werden in dieser Akademie Putzmacherinnen, Räterinnen, Köchinnen und alles was sich auf innen endiget, zu Mitgliedern aufgenommen werden, selbst die Zigeunerinnen, die aus der Koffeetasse prophezeihen oder aus der Hand und der Stirn gut Glück prophezeien, nicht ausgeschlossen. Ich habe ihr angeraten diese Gesellschaft eher das Rataus der Weiber zu nennen als eine Akademie, damit unsere Gegend, die durchaus dem gelehrten Rom ähnlich werden soll, auch darinne demselben nicht ungleich sei. Das männliche Geschlecht soll zwar nie Sitz und stimme darinnen haben, doch sollen diejenigen von unserm Geschlecht, welche zum besten der Frauenzimmer arbeiten und in ihrer Kunst etwas besonderes leisten, zu Ehrenmitgliedern aufgenommen werden. Süsse Herren, Paruckenmacher, Schneider, Schuster und alle, die durch weisen Rat oder durch die Tat etwas beitragen den Reiz der Schönen zu erhöhen, werden das Diploma erhalten. Ich habe mich bemühet ihr zu beweisen, dass eine solche Geschaft nicht unter die gelehrten Societäten, wie Sie eine zu errichten im Begriffe sind, gehörte, wir hielten eine scharfe Disputation miteinander. Sie verlangte einen Beweis, warum diese ehrlichen Leute, für welche sie eine Akademie anlegen will, nicht eben sowohl unter die Gelehrten zu rechnen wären, als der Bader Nikolaus und der Schulmeister zu Kargfeld. Ich verschwendete alle möglichen Distinctionen, um ihr diesen Irrtum zu benehmen und ihr den Unterschied unter einem Koch, Peruckenmacher und einem Bader oder Schulmeister recht deutlich zu machen; allein ich konnte nichts ausrichten. Ich wollte lieber dreimal Doktor werden, als wieder mit einem Frauenzimmer disputiren. Ihnen ist es vermutlich vorbehalten, das fräulein zu überzeugen, ich habe deswegen den Streit unentschieden gelassen, um in ihrem amt keinen Eingriff zu tun. Ich sehe dieser Entscheidung mit eben so vielen Vergnügen als der Eröffnung Ihrer Akademie entgegen. Wenn es Ihnen mit dieser so wohl gelingt als mit den Versen bei fräulein Julgen, so sind Sie nicht mit Gelde zu bezahlen. Leben Sie wohl, vortreflicher Barde, ich bin
Ihr
werter Freund
v.F.
XIV. Brief.
Das fräulein v.W. an das fräulein v.S.
den 1 Dec.
Gestern Abend ist hier einschrecklicher Diebstahl verübet worden – – –. Das ist nichts neues, werden Sie denken bei Erblickung dieser Zeilen, es sind heute Steckbriefe hier gewesen. Ein Knecht stiehlt einem Alten sein Geld und ein Pferd, um mit seinem Raube desto geschwinder fortzueilen, das wird der Innhalt eines weitläuftigen Briefes meiner Freundin an mich. Ich glaube, das Mädchen wird mir noch Mordgeschichte erzählen. Das wäre mir recht, dass ich mich an solchen nichtswürdigen Dingen blind lesen sollte. Ich wette, das sind Ihre Gedanken gewesen bei Eröffnung meines Briefes. Ich habe grosses Mitleiden mit dem armen mann, der vergangene Nacht einen teil seines Vermögens verlohren hat; allein Sie haben sich geirret, es war weder meine Absicht Ihnen eine unglückliche Begebenheit, die Sie vermutlich schon wissen, zu widerholen, noch weise Betrachtungen darüber anzustellen. Diese darf ich nur anbringen, wenn ich wünsche, dass meine Briefe sollen ungelesen bleiben. Es können sich an einen Orte und zu gleicher Zeit begebenheiten von einerlei Art zutragen, dieses ist wirklich hier geschehen. Es ist gestern ein doppelter Diebstahl hier verübet worden, aber nicht von einer person, noch in einem haus. Von dem geringern spricht jedermann, es ist darüber ein Unglück in dem Orte, als wenn eine Million aus einem königlichen Schatz wäre entwendet worden; der grössere ist nicht einmal bei den Gerichten angezeiget worden, der Dieb ist noch hier und hat die Verwegenheit mit seinem gestohlnen Gute sich gross zu machen. Denken Sie nur über die Begebenheit! Ich erhielt gestern Ihren Brief nebst den verschiedenen eingeschlossenen Schriften etwas späte. Ich war begierig diese zu lesen und nahm mir vor das beigelegte Liedgen bis zuletzt zu versparen, nicht als einen leckerhaften Bissen, den man verzehret, wenn man schon satt ist, sondern weil ich den Innhalt bereits aus Ihrem Briefe erriet. Ich war noch nicht ganz fertig mit Lesen, da ich gerufen wurde und sorgte dafür alles in Sicherheit zu bringen, ehe ich das Zimmer verliess; aber das Liedgen, das ich in das Clavier geleget hatte, vergass ich unglücklicher Weise. Ich war nicht gerade in das Speisezimmer gegangen, sondern ich hatte noch eins und das andere im haus zu besorgen. Diese Verzögerung macht, dass der Major, welcher gegen Abend wieder zu uns kommen war, selbst auf meine stube gehet, um mich herunter zu führen, und wie er mich nicht findet und mein Clavier offen stehet, so spielt er etwa ein Stückgen und findet das Liedgen. Der Innhalt hat ihn vermutlich bewogen, es zu sich zu nehmen, ich habe den Verlust auch nicht eher gemerket als heute früh, da ich es lesen wollte. Ich bin in einer entsetzlichen Verlegenheit deswegen und weil ich den Innhalt davon aus Ihrem Schreiben schlüssen kann: so werde ich mich heute nicht für den Major können sehen lassen ohne rot zu werden. Ich wollte lieber einen Dieb, den ich mit Steckbriefen könnte verfolgen lassen, in meinem Zimmer gesehen haben als einen, dem ich nicht einmal seinen Diebstahl Schuld geben, oder ihn der Obrigkeit zur Bestrafung in die hände liefern darf. Erweisen Sie mir doch, mein liebes fräulein, einen zwiefachen Gefallen, ich bitte Sie,