nahm mir mehr als einmal vor lieber diese Ehre zu entbehren, als mich mit den fürchterlichen Gedanken von Errichtung meines Testamentes zu quälen. Sie wissen, dass es gemeiniglich für ein böses Anzeichen gehalten wird, wenn man seinen letzten Willen aufsetzt, und dass es vielmals eingetroffen hat, dass solche ehrliche Leute bald darauf gestorben sind. Ich habe nicht Lust mich zur Reise in die andere Welt schon fertig zu halten, und hieraus können Sie schlüssen, dass ich nichts weniger wünsche, als dass der Akademie zum Besten mein letzter Wille bald erfüllet werde. Ich habe Lust den Ausgang des Krieges zu erleben, nicht aus Verlangen ein Greiss zu werden, sondern um zu sehen, ob die gerechte Sache triumphiret. Allein verlassen Sie Sich darauf, mein Testament ist gemacht, die Akademie ist reichlich bedacht, und ich habe die Ehre dieses stillschweigende Gesetz zuerst erfüllt zu haben. Jedoch damit Niemand Anlass bekomme sich an mir zu versündigen und auf meinen Tod zu hoffen: so will ich Ihnen nicht verhalten, dass ich ausdrücklich verordnet habe, dass alles das Gute, welches ich der Akademie zugedacht, ihr nur alsdenn zu statten kommen soll, wenn ich nach Einweihung derselben noch volle dreissig Jahre, das Jahr zu zwölf Monaten, den monat zu dreissig und ein und dreissig Tagen, den Tag zu vier und zwanzig Stunden gerechnet, werde gelebet haben. Sollte mir aber unter der Zeit etwas menschliches widerfahren, so mag die Gesellschaft sich daran begnügen, an mir einen grossen Verehres ihrer Einrichtung gehabt zu haben, ohne eine Beisteuer zu erwarten.
Es hat Ihnen gefallen mir ein geheimnissvolles Stillschweigen aufzulegen, und mir zu verbieten, jemanden etwas von dem Anschlage, das unwissende Kargfeld zu einem Sitze der Wissenschaften zu machen, das geringste zu entdecken, verzeihen Sie, werter Freund, dass ich dieses Gesetz übertreten habe. Sie haben eine Gelübde getan, wie Sie sagen, Ihrem gönner alle Ihre Geheimnisse anzuvertrauen, ich habe seit meiner Heirat mir gleiches auferleget, in Ansehung mein Frau. Jetzt gäbe ich den besten Gaul aus meinem Stalle darum, wenn ich diese voreilige Gelübde wieder zurück nehmen könnte. Ich habe Ursache mich für den glücklichsten Ehemann zu halten, das will ich niemals leugnen: aber wenn mein Glück allein auf der Verschwiegenheit meiner Frau beruhete, so würde es sehr mässig sein. Ihnen muss ich es zum Lobe nachsagen, dass sie durch Ihren höchstvortrefflichen Unterricht, dafür ich Ihnen noch unendlich verbunden bin, ein sehr vollkommenes Frauenzimmer werden ist; allein die natur der Frauenzimmer ist unveränderlich, sie sind alle, ohne Ausnahme, eben so begierig Heimlichkeiten zu erfahren, als geneigt sie auszuplaudern. Um meinem Gelübde ein Genüge zu leisten hatte ich meiner Frau Ihren Anschlag nicht so bald entdeckt, als fräulein Amalia von allem aufs genaueste unterrichtet war. Sie wissen wie die beiden Schwestern einander lieben. Hätten Sie kein geheimnis daraus gemacht, so würde ich ohne Schwierigkeiten die Sache haben verschweigen können. Doch machen Sie Sich keine sorge, ich habe schon vorgebauet, das fräulein hat überdieses so viele Hochachtung für ihren ehemaligen Lehrer, dass sie ihrer mutwilligen Ader ungeachtet, die sich bei ihr mehr als bei Charlotten zu regen scheinet, alles in ihrem Herzen billiget, was sich von diesem herschreibt. Wenn sie auch gleich Ihre Entwürfe manchmal aus einem lächerlichen Gesichtspunkte betrachtet, so ist sie doch weit entfernt, sich Ihnen in der Tat zu widersetzen. Ich will Ihnen nach meiner Aufrichtigkeit, das merkwürdigste von ihren Urteilen hierüber entdecken. Sie ist höchstunzufrieden, dass das schöne Geschlecht von der Ehre ausgeschlossen ist, unter die Mitglieder der Akademie aufgenommen zu werden, sie sagte, dass sie dieses von der Hochachtung, die Sie jederzeit gegen die Schönen hätten blicken lassen, ganz gewiss erwartet hätte, dass Sie aber nun gegen Sie sehr aufgebracht wäre, und alles anwenden wollte, um im Namen aller Frauenzimmer sich an Ihnen aufs nachdrücklichste zu rächen. Sie hat einen bösen Anschlag, Ihre Liebste, die Tochter des Pastor Wendelins, Ihnen abspänstig zu machen, und sie meinem Gerichtshalter zuzuschanzen. Ich traue Ihr zwar diese Leichtfertigkeit nicht zu, doch sagte sie dieses mit einem so ernstaften Ansehen, dass ich Sie warnen will auf Ihrer Hut zu sein, damit Ihnen unser Ihren gelehrten Zerstreuungen Ihre Beute nicht entführet wird. Sie hat noch hundert andere Anschläge im kopf Sie zu kränken. Dächten Sie es wohl, dass sie sich hat einfallen lassen, nach Ihrem Beispiele eine Frauenzimmerakademie zu stiften? In der ersten Hitze erklärte sie zwar nach Gewohnheit der Leute, die in das innere der Wissenschaften keine Einsicht haben, die ganze Einrichtung Ihrer gelehrten Gesellschaft für pedantisch: aber hernach wurde sie anderes Sinnes und nahm sich vor, Ihnen nachzuahmen. Diese Frauenzimmerakademie soll unterdessen auf einen ganz andern Fuss gesetzt sein, es werden keine gewisse Classen darinne Statt finden, sie glaubt, dass diese aus den schulen oder Lotterien entlehnet sind und beiden ist sie gram, den erstern, weil sie nicht ohne Entsetzen an die sträflichen Gesichter gedenken kann, die Sie ihr ehemals sollen gemacht haben, und nun die schulen für das Element der Pedanten hält; die letzteren hasset sie, weil sie jederzeit verliehrt, ob sie gleich die artigsten Devisen wählt. Den Entwurf hat sie um weniger Mühe zu der Frauenzimmerakademie verfertiget als Sie den ihrigen, und das ist auch ganz leicht zu begreifen: eine Kopie ist leichter zu verfertigen als ein Original. Sie soll nur den schönen Wissenschaften gewidmet sein, das fräulein will aber weder Zeitrechnung noch Kritik darunter rechnen, sondern