und Wissenschaften vorzüglich geschickt ist; auch zum teil die Schönen in der Gelehrsamkeit bei schlechtem Unterricht es sehr weit bringen, dergestalt, dass wenn auf sie eben die Sorgfalt gewendet würde als auf unser Geschlecht, die bärtigten Gelehrten gegen die gelehrten Schönen nur arme Schächer sein würden: so hat man doch das Frauenzimmer von dieser Ehre, in so fern gänzlich ausgeschlossen, dass sie niemals in der Akademie, wegen besorglicher Zänkereien, auch neuen Ketzereien in den Wissenschaften, wozu sie ein ganz besonderes Talent haben, wie dieses aus den Verzeichnissen ketzerischer und schwärmerischer Weiber zu ersehen, Sitz und stimme erlangen sollen. Jedoch wird dem jedesmaligen Präsidenten und übrigen einheimischen Mitgliedern freigelassen, gelehrte und durch gemeinnützige Schriften bekannte Frauenzimmer, zu Ehrenmitglieder zu erklären.
2.) Es gibt zweierlei Arten von Gelehrten, einige treiben die Wissenschaften als ein Handwerk, und nähren sich davon, welche der gemeine Mann Studirte nennt, sie selbst geben sich den Namen literati; andere erlangen eine deutliche erkenntnis nützlicher Dinge durch die Uebung oder durch eignen Fleiss. Diese letzteren werden Avtodidacti genennt, weil sie nicht zünftig sind und von den gelehrten Meistern für Pfuscher und Bönhasen angesehen werden. Ob nun gleich zugegeben wird, dass diese ehrlichen Leute in der gelehrten Republik unter die Hintersiedler gehören, so ist doch kein Grund vorhanden sie aus solcher ganz und gar zu verstossen, und mitin wird man auch keinen angeben können, ihnen den Zutritt zu unsrer neuen Akademie zu versperren. Aus dieser Ursache werden auch Unstudirte, wenn sie nur eine gute erkenntnis nützlicher Dinge besitzen, als nützliche Mitglieder in derselben ihren Platz finden.
3.) Die zu errichtende Akademie ist nicht einer Wissenschaft allein gewidmet, folglich ist sie keine Akademie der Bildhauer, der Mahler, der Wundärzte oder der Naturlehrer: sie wird sich mit allen Wissenschaften und allen Teilen derselben beschäftigen, damit dieses aber alles in seiner Ordnung und Masse geschehe, so soll
4.) dieselbe in drei Classen abgeteilet werden. Die erste ist der höhern Philosophie gewidmet, wohin alle abgezogene Wahrheiten gehören, sie mögen in einer Wissenschaft ihren Sitz haben in welcher sie wollen. Hier sollen auch insonderheit die wichtigsten philosophischen Streitigkeiten untersucht und entschieden werden, z.B. Der zureichende Grund, die beste Welt, die vorhergeordnete Uebereinstimmung der Seele und des Leibes, die wahre Gestalt der Monaden, und des matematischen Punctes u.s.w. Lauter Dinge, die die menschliche Glückseligkeit in der Welt auf den höchsten Gipfel zu setzen fähig sind. Die zweite klasse beschäftiget sich mit der praktischen Philosophie, hauptsächlich mit der Naturlehre und Haushaltungskunst. Die dritte gehöret für die sogenannten schönen Wissenschaften. Hier werden Sprachen, Antiquitäten, Historie, Zeitrechnungen, die Wappenkunst, Geschlechtsregister, die Tonkunst und dergleichen untersucht, erörtert und in ein helleres Licht gesetzt, auch hauptsächlich die Redekunst und Dichtkunst getrieben.
5.) Nach der hergebrachten Gewohnheit gelehrter Societäten werden die Mitglieder dieser Gesellschaft in ordentliche und Ehrenmitglieder abgeteilet.
6.) Die ordentlichen Mitglieder sind verbunden zu gewissen zeiten etwas auszuarbeiten. Diejenigen, welche nicht über drei Stunden von der akademischen Versammlung sich aufhalten, müssen, wann sie nicht Ehehaften haben, jedesmal Mittewochs um zwei Uhr Nachmittage in person, und zwar um allen unnötigen Auswand zu vermeiden, zu fuss erscheinen; die aber weiter von hier wohnen, sind nicht verbunden bei den ordentlichen wöchentlichen Versammlungen gegenwärtig zu sein; jedoch müssen sie jährlich auf ihren Namens- oder Geburtstag einen schriftlichen Aufsatz einsenden, und dafür werden sie, wenn ihre Arbeit Beifall findet, eine Belohnung erhalten. Die Ehrenmitglieder werden mit aller Arbeit verschonet, jedoch damit sie für diese Freiheit auch wiederum ein Onus haben, so sind sie gehalten, realiter etwas zur Ausbreitung dieser Societät und folglich des ganzen Reichs der Gelahrheit beizutragen. Man wird ihnen unter den Fuss geben, oder gleichsam ein stillschweigendes Gesetz auferlegen, in ihren letzten Willen diese Gesellschaft reichlich zu bedenken. dafür haben sie aber nach ihrem tod zuverlässig eine Lobrede zu erwarten, auch wird man, nach Beschaffenheit ihrer guten Gesinnungen, sich entschliessen, ihr rühmliches Andenken jährlich zu erneuern.
7.) Nach dem vortreflichen Beispiele des Herrn Carl Grandisons Baronets, welcher in dem glücklichen Brittannien alle Bewohner seiner Herrschaften gleichsam zu Akademisten gemacht hat, indem er eine Art von einer Societät errichtet hat, worin anstatt magerer teoretischer Untersuchungen, practische Redner auftreten, die durch wirkliche Beweise ihres Fleisses in Erfindung und Verbesserung nützlicher Dinge, einer Belohnung sich würdig machen, hat der vortrefliche Stifter dieser neuen Akademie der Wissenschaften gleichfalls beschlossen, die Mitglieder, welche sich durch vorzügliche Proben ihrer Geschicklichkeit hervortun, auch durch gewisse ausgesetzte Preisse oder Ehrenzeichen von andern zu unterscheiden. Es ist zwar für jetzt nicht ratsam erachtet worden, nach dem Beispiele der Neuern durch goldene und silberne Schaupfennige Preissschriften zu krönen, vielmehr wird man hierinne die Alten sich zum Muster vorstellen. Wie man bei den Olympischen Spielen die Sieger nur mit einem Kranze beschenkete, der von ihnen höher als ein goldener Berg geschätzet wurde, so dass grosse Prinzen nach dieser Ehre strebten: so sollen auch die Belohnungen dieser neuen Akademie auf diesen Fuss gesetzet werden, dergestalt dass z.B. die Dichter mit frischen Kränzen von Eichenlaube gekrönet werden, die Redner welche sich wohl gehalten haben, sollen ein paar Handschuhe oder Perucken bekommen, die, welche in der Wirtschaft etwas besonders leisten, werden einen Kranz von Fruchtähren und Feldblumen nach ländlicher Weise erhalten, dergleichen die Schnitter nach der Erndte verfertigen. Denenjenigen, welche sich in der Composition musikalischer Stücke, überhaupt in