als einen Gelehrten betrachtete, so sei es keine Schande einen Schulmeister auf der gelehrten Bank neben sich zu haben. Was das schlimmste ist, so gehören die meisten Glieder dieser Akademie nur in sehr uneigentlichem verstand zu den Gelehrten. Doch, wie gesagt, dieses alles macht nichts aus, weil unter den Gelehrten kein Rang beobachtet wird, Lampert aber ein grundgelehrter Mann, alle Mitglieder für gelehrt erkläret hat: so ist diese Akademie so gut, als wenn sie aus Staatsministern in Ordensbändern, Prälaten und Superintendenten bestünde, und Sie erhalten also dadurch alle Ehre, die Ihnen eine kaiserliche Akademie erteilen könnte, wenn sie von Ihnen den Namen entlehnet hätte. Ich verspreche mir vortrefliche Werke von dieser Gesellschaft, und mache mir Hoffnung, nicht lange darauf warten zu dürfen, wenn Sie bei dem Entschluss bleiben, meinen onkel zu besuchen. Ich könnte meinen Brief noch ziemlich verlängern, wenn ich heute Lust zu plaudern hätte, oder mich in eine ordentliche Beantwortung Ihres Schreibens einlassen wollte: ich will aber beides auf eine mündliche Unterredung spahren. Wenn Sie eben so vielen Geschmack als ich an dem Witze des Herrn Lamperts fänden, so würden die Innlagen dieses briefes Ihnen zu einem artigen Zeitvertreibe dienen. Ich liebe Sie von Herzen. – – Das sollte eigentlich der Schluss von meinem Briefe sein, aber ich erinnere mich eben jetzt noch an einen wichtigen Punkt, den ich nicht mit Stilleschweigen übergehen kann. Sie sagen mir ja auf eine recht ängstliche Art, dass der Major wieder zu seinem Regiment gerufen ist. Das hat etwas zu bedeuten. Ich hatte Lust ihn zu einem Mitgliede der gelehrten Akademie meines Oncles aufnehmen zu lassen, und dachte das Vergnügen, zu haben, ihn sehr schöne Reden halten zu sehen, nun komme ich auf einmal um diese Freude. Ich verliere ihn nicht gerne aus der hiesigen Gegend, ich gestehe es. Er ist ein lustiger Mann, der alles aus sich machen lässt, und um uns etwas zu lachen zu geben, gewiss ein gelehrtes Mitglied der Akademie worden wäre. Sie lassen ihn auch nicht gleichgültig abreisen, das ist ausser Zweifel. Die Art, womit Sie mir seinen Abzug verkündigen, verrät einige Unruhe. Warten Sie, ich habe ein artiges Liedgen gehabt, wenn ich es finden kann, so sollen Sie es bekommen, ich will es gleich suchen. – – – Da ist es! Wahrhaftig, es schickt sich vortreflich auf die Abreise des Majors; es passt aber auch auf Sie wie der Planete. Sie haben den Namen Iris von ihrem Anbeter erhalten, recht als wenn sie es mir einander abgeredet hätten, das ist lustig! Eine Abschrift davon will ich behalten, es sind Virtuosen in der Akademie, ich will einem ein gut Wort geben, oder ich will mich in einer Bittschrift an das ganze Corpus wenden, damit es collegialisch componiret wird. Die Melodie soll so rührend ausfallen, dass es einem jammern soll, der es hört. Dichten Sie Sich unterdessen selbst eine Melodie, wenn ich Sie besuche, wollen wir dieses kleine Concert aufführen. Sie spielen und ich singe, dabei bleibt es.
CHANSONNETTE
Iris il faut partir!
Mon coeur rempli de larmes
En quittant tous Vos charmes
Ne sait que devenir:
Iris il faut partir.
Je m'en vais à l'Armée,
Ne soyez pas affligée;
Du bruit de nos combats
Ne Vous effrayez pas.
Nous saurons nous defendre,
Avant que de nous rendre,
A de braves François
Ennemis de la paix.
Mon cher Damon allez
Ou l'honeur Vous appelle,
Ne soyez moins fidelle,
Tant que Vous vivrez:
Mon cher Damon allez.
Ayez soin d'une vie,
Qui n'est pas moins cherie,
Et que mon tendre coeur
Aime avec tant d'ardeur.
Complez sur ma constance,
Et ayez l'esperance
Qu'un si parfait amour
Est payé de retour.
XII. Brief
Vom Herrn Lampert Wilibald an den Herrn v.F.
den 29 Nov.
Wenn es ein Glück zu nennen ist, zu einer Zeit zu leben, die an grossen und merkwürdigen begebenheiten fruchtbar ist: so sind die jetzigen Bewohner der Erde allerdings glücklich zu preisen, dass sie in einem Jahrhunderte leben, das einen Ueberfluss an begebenheiten aufzuweisen hat die die geschichte dereinst verewigen wird. Ich will nicht an die Helden gedenken, die die Kriegskunst auf den höchsten Gipfel der Vollkommenheit gebracht haben; ich will jene grossen Männer, die sich am Ruder des Staates einen unvergesslichen Namen gemacht haben, in keine Betrachtung ziehen: ich will nur einen blick auf die gelehrte Welt tun, und den Flor der Wissenschaften beschauen, um darzutun, dass unsre zeiten nicht schlimmer werden, wie alle verlebte Leute aus Vorurteil glauben, sondern dass wir in den besten und glückseligsten zeiten leben. Die Ausbreitung der Wissenschaften gehöret ohne Zweifel mit zu den merkwürdigsten Dingen, die unserm Zeitraume ein so glänzendes Ansehen geben. Wie viele grosse Männer könnte ich nennen, wenn es hier der Ort wäre, die durch ihre ausgebreitete erkenntnis in allen Teilen der Wissenschaften, und besonders durch die Erfindung wichtiger und neuer Wahrheiten sich ein so ehrwürdiges Ansehen verschafft haben, dass sie den berühmtesten Gelehrten aus den berühmtesten Völkern und in den berühmtesten zeiten die Woge halten, wo sie solche nicht gar übertreffen. Anstatt aller Beweise darf ich nur die Königin der Wissenschaften, wie sie von einigen Gelehrten mit Recht ist genennet worden, oder die Seele aller Künste die herrliche Metaphysik anführen. Wie diese verehrungswürdige Disciplin