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wahrnehme, einen Hausen Bedenklichkeiten. Wir sind in Schöntal nicht so gesinnet. Der Baron blieb bei seinem Entschluss, und schickte meinen onkel den Brief so, wie Sie ihn gesehen haben. Den Tag darauf machte er ihm in person einen Besuch, um zu sehen, wie er mit dieser Nachricht zufrieden wäre. Er nahm sich zugleich vor, diese Erzählung zu vermehren und zu vorbessern, wenn er es ratsam finden würde. Der Herr v.N. ist mit der Art, wie Sie seine Glückwünsche sollen aufgenommen haben, überaus vergnügt gewesen. Er hat zwar allerlei Betrachtungen angestellet, ob die vergnügten Bucke, die der Baron Ihnen, bei der Vorlesung der Glückwünsche angerichtet, mehr diesen oder dem Leser zugeeignet werden könnten: doch Herr Lampert, der alles gern zu einem Vorteile ausleget, hat das erstere so geschickt behauptet, dass alle Zweifel verschwunden sind. Sein Vergnügen würde vollkommen gewesen sein, wenn ihm nicht der Punct von dem Französischen Sonnet und den demantenen Ohrenringen die Freude sehr gemässiget hätten. Ich hätte mich mit dem Baron zanken mögen, dass er durch diese Erdichtung das unschuldige Vergnügen meines Oncles unterbrochen hat. Doch eben dieses hat zu einer neuen komischen Handlung gelegenheit gegeben. Der Herr v N. hat den Baron ersucht, ihm einen Rat zu erteilen, wie er diesen tödtlichen Streich, den sein Gegner durch ein so glänzendes Geschenke seiner Liebe versetzt zu haben glaubte, fruchtlos machen könnte. Der Baron hat die Verwegenheit gehabt, ihm das anzuraten, was Sie so sehr fürchten, dass er Ihnen ein Geschenke machen sollte, das noch zweimal grösser wäre, als das Sie von seinem Rival erhalten hätten, oder nach seiner Sprache mich auszudrücken, er sollte einen höhern Matador einsetzen. Fürchten Sie nichts, dieser Vorschlag ist sogleich verworfen worden. Sie kennen meinen onkel nicht, wenn Sie glauben, dass er in die Versuchung geraten dürfte, bei seiner Liebe grossen Aufwand zu machen. Sie werden nicht leicht durch ein wichtiges Geschenke von ihm in Verlegenheit gesetzet werden. Er ist gewohnt seine Anschläge, die alle ins Grosse fallen müssen, um wenigen Kosten auszuführen. Herr Lampert, der unerschöpflich ist an witzigen Erfindungen, und alle Absichten meines Oncles gern mit den seinigen verbindet, um sie desto leichter auszuführen, hat seit einiger Zeit, ich weiss nicht was für wunderliche Träume gehabt, Kargfeld in einen Sitz der Künste und Wissenschaften zu verwandeln. Ich wünschte, dass er so reich an Mitteln als an Anschlägen wäre, so würde er aus diesen Ort gewiss ein Versailles oder Paris machen. Sie wissen, wenn mein onkel geheimen Rat hält, dass er darinne Sitz und stimme hat. Seine Einbildungskraft gibt ihm also bei der Unentschlossenheit, worinne er den Baron siehet, den Herrn v.N. durch gute Ratschläge zu unterstützen über seinen Gegner die Oberhand zu gewinnen, sogleich ein Mittel an die Hand, seinen gönner aus der Verlegenheit zu ziehen, und dadurch sein Vorhaben, das schon einige mal von uns auf eine spöttische Art ist herumgenommen worden, zugleich mit auszuführen. Er wagt es bei einer so günstigen gelegenheit noch einmal, den Vorschlag von Errichtung einer Gesellschaft der Wissenschaften en Mignature, zu erneuern, und solche die Julianen Akademie zu nennen. Der Baron, dem die geschickte Wendung des Magisters, sein Vorhaben auszuführen, und überhaupt das seltsame in diesem Anschlage gefällt, ergreift die Partei des Herrn Lamperts mit einem angenommene, Eifer, und stellet dem Herrn v.N. die Sache aus einem so vorteilhaften Gesichtspuncte vor, dass dieser ihm mit Vergnügen beifällt, und die glückliche Stunde mit sehnsucht erwartet, in welcher sie zur Ehre seiner Göttin ausgeführet werden soll. Lampert hat zu dieser Absicht die Aufsätze verfertiget, welche ich Ihnen hierdurch mitteile.

Es ist auch in der Tat nichts geringes, und ich beneide Sie bald selbsten, dass Ihnen zu Ehren eine Akademie errichtet wird. Wenn Sie nicht ganz und gar stoisch gesinnt sind, so muss eine solche Ehre den lebhaftesten Eindruck in ihr Herz machen. Der Entschluss meines Oncles ist höchstgrossmütig; er als der Stifter einer Akademie, hätte das Recht, solche mit seinem Namen zu belegen: aber wie vortreflich! er tut darauf Verzicht, um sie einem Frauenzimmer zu widmen, das er liebt. Es ist dieses ein so augenscheinlicher Beweis von seiner leidenschaft für Sie, dass demantne Ohrengehänge und ich weiss nicht was für Kostbarkeiten, damit in gar keine Vergleichung können gesetzet werden. Wenigstens sind dieses die Gedanken meines Oncles und des Herrn Lamperts, die Sie ihnen auch selbst nicht würden abstreiten können. Sie dürfen sich nicht daran stossen, dass diese gelehrte Gesellschaft aus ganz verschiedenen Gliedern bestehet; die ansehnlichsten sind in keinem Teile der Welt anzutreffen, ausser nur in einem Romane. Doch wenn diese ehrlichen Leute wirklich wären, so würden sie sich sehr wundern, dass unsere Schulmeister und Verwalter von ihnen Collegen sind. Ich habe dieses schon dem Baron vorgeworfen, der auch ein Ehrenmitglied dieser Gesellschaft abgeben wird, er hat mir aber versichert, dass im Reiche der Gelehrten, in so fern sie nur als Gelehrte betrachtet werden, kein Rang beobachtet würde, sondern dass diese Herren auf einen Fuss mit einander lebten, wie die alten Lacedämonier oder die Brüdergemeine zu Herrenhut, daher käme es, dass der Geringste in der gelehrten Republick, den angesehensten auf einen gelehrten Zwiekampf herausfordern dürfte, welches sich oft zutrüge; die gelehrten Cavaliers bleiben einander mit der Feder so wenig schuldig als die Adlichen mit dem Degen. In so ferne er sich