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merke wohl, dass der Herr Baron durch die Verzögerung ihn ermüden will. Es ist dieses ein sehr guter Einfall, aber wann dem Herrn v.N. etwas in den Kopf gesetzt wird, das ihn aufbringen kann, so verlässt ihn seine Gedult ganz sicher, und er wird hernach alles anwenden, sein Schicksal entschieden zu sehen, welches auf der einen oder der andern Seite Verdruss erwecken könnte, und diesen vermeide ich gerne. Doch das ist noch nicht alles, was mir am wenigsten gefällt, ist dieses, dass ich so abgeschildert werde, als wenn der Major in besonderm Ansehen bei mir stünde. Ich bin in diesem Stück etwas zärtlich, wenn Sie über so etwas mit mir scherzen, so kann ich gleiches mit gleichem erwiedern, und das bleibt unter uns; wenn aber mehrere Personen an diesem unschuldigen Scherz Anteil nehmen, so entstehet daraus ein Gerüchte, und das wünsche ich eben nicht. Die Auslegung über die unschuldige Frage, wie sich Ihr Herr onkel befände, ist höchstleichtfertig. Ich lasse mir diesen Scherz desto leichter gefallen, da ein solcher Verdacht, dass ich nach einer Erbschaft sollte begierig sein, nicht leichtlich im Ernste von mir wird gefasst werden, es kann auch dieser Einfall, in der Absicht, in welcher er ist angewendet worden, vielleicht von einigem Nutzen sein. Aber ich weiss nicht, was ich mit den Ohrenringen anfangen soll, ich kann die Absicht, warum der Herr v.F. mich damit hat beschenken lassen, nicht erraten. Sollte es deswegen geschehen, damit Ihr Herr onkel aufgemuntert würde, mir in der Tat ein Geschenke zu machen, so würde ich dadurch in die äusserste Verlegenheit gesetzet werden, ich könnte es nicht annehmen, und auch nicht ohne Beleidigung zurück geben, ich würde also auf die eine und auf die andere Art anstossen. über dieses, wenn der Herr von N. gegen die Frau v.W. etwas davon gedächte, so würde ich ein scharfes Examen von ihr auszustehen haben, sie würde es nicht glauben, dass es nur ein Mährgen ist. Sie wissen, was man für Mühe anzuwenden hat, ihr etwas auszureden, das sie sich zu glauben oder einzubilden, einmal vorgenommen hat. Wenn Sie nicht versichert sind, dass ich davon nichts zu befürchten habe, so streichen Sie diese Stelle ganz aus. Ich ersehe am Ende des Schreibens an den Herrn v.N. dass er nur eine Staatskrankheit angenommen hat. Nun bedaure ich ihn desto mehr, und wenn es nicht meine eigne person beträfe, so wollte ich eben das tun, wozu Sie Sich anheischig gemacht haben, und alles beitragen, seine Wünsche zu erfüllen. Den Augenblick erfahre ich etwas ganz neues, der Major bat Befehl erhalten, wieder zu seinem Regimente zurückzukehren. Er ist nur vor einer Stunde hier gewesen, und hat es meinem Vater gesagt. Ich bin am Ende meiner Gedanken und meines briefes, und kann in der Eil keinen bessern Ausdruck finden, solchen dadurch zu schlüssen, als die Versicherung, dass ich Sie mit der aufrichtigsten Zärtlichkeit liebe

J.v.W.

XI. Brief.

Das fräulein v.S. an das fräulein v.W.

den 30 Nov.

Das ist zum Todlachen! Keinen lustigern Auftritt könnte mein onkel liefern, als den er im Begriff ist uns sehen zu lassen. Vernehmen Sie die grosse Begebenheit, die sich in wenig Tagen ereignen wird. Ich zweifle nicht daran, dass das Vorhaben wirklich ausgeführt wird. Es kommt nur auf Sie an, und Sie haben Sich einmal anheischig gemacht, das Spiel nicht zu verderben ich halte Sie nun bei Ihrem Worte. Sein Sie stolz auf die Ehre, die Ihnen zubereitet wird, mein onkel beschäftiget sich gegenwärtig Ihren Namen unsterblich zu machen. So einer edlen Bemühung werden Sie nicht widerstehen können, ja er wird dadurch Ihr Herz gewiss erobern. Damit ich Sie nicht, nach meiner Gewohnheit, mit einem langen Geplaudere aufhalte, und Ihre Neugierde, die ich schon genug gereizt zu haben glaube, lange quäle; so will ich es Ihnen mit einem Worte sagen, dass der Herr v.N. entschlossen ist, eine Akademie der Wissenschaften in Kargfeld zu errichten, die nach Ihrem Namen die Julianen Akademie genennet werden soll. Wenn es nicht ein so gar artiger Spass wäre, so würde ich nicht zugeben, dass Ihr Name gemissbraucht wird; doch der Einfall ist zu lustig, dass ich mich bemühen sollte, dir Ausführung davon zu hintertreiben. Lehnen Sie dem Baron und mir einmal Ihren Namen, um einen Scherz vollkommen zu machen. Damit Sie an der Sache vollkommenes Licht erhalten, so hören Sie jetzt meine Erzählung, und hernach lesen Sie die Innlagen meines briefes. Es sind deren viere, ein Brief des Herrn Lampers an den Baron, eine Nachricht von der Einrichtung der Julianen Akademie, ein Verzeichniss der Mitglieder, die sogleich bei Eröffnung derselben sollen aufgenommen werden, und die Antwort des baron. Ich darf Sie nicht erinnern, dass ich mir die Einschlüsse bald wieder ausbitte, Sie wissen dieses schon. Lassen Sie Sich es nun erzählen, wie mein onkel sich diese Gedanken hat einfallen lassen, und warum er so feste darauf beharret, sein Vorhaben auszuführen. Der Baron fand gut, Ihrer Kritik ungeachtet, das Schreiben an meinen onkel so zu lassen, wie er es entworfen hatte, ohne darinne das geringste zu ändern. Sie sind gar zu zärtlich, und machen sich über Umstände, die ich nicht einmal