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hätte. Ach! ich glaube, ich wäre des Todes, wenn ich über das rote Meer fahren sollte. v.N. Da kömmst du nicht hin. Gesetzt aber, wir wären genötiget, über ein wasser zu setzen: so verbinde ich dir die Augen mit einem Schnupftuche, damit du nichts siehst. Weisst du es nicht, wie mans mit den Pferden macht? Ich bin müde, deine Ausflüchte weiter anzuhören. Willst du nicht mitgehn; so sollst du so lange ins Hundeloch kriechen, bis ich wieder zurück komme. Magister. Geht doch mit, alter wunderlicher Mann. In Italien wächst guter Wein, dort könnt ihr euch was bene tun. Niclas. Ehe ich ins Loch krieche, so reise ich freilich mit. Aber ich kann so weit nicht gehen. v.N. Wer sagt, dass du gehen sollst. Du sollst mein Maultier reiten. Geh nur hin, bis ich dich wieder rufen lasse. Du, Schwester, wirst indessen meine Wäsche und meine Kleider zurechte legen: damit ich, wenn der Brief aus Engelland kommt, sogleich aufbrechen kann. Fr. Kunigunda. (mit kläglicher stimme.) Ich will es tun, aber, wollte der Himmel, dass ich dieser Arbeit überhoben sein dürfte. Du bist schon bei Jahren, lieber Bruder, und willst noch heiraten, und zwar ein katolisch Mädchen. v.N. Das hab ich wohl gedacht, dass du deine Klagelieder auch anstimmen würdest. Du wirst doch zeitlebens so eine alte Wehklage bleiben. Ein Wort so gut als zehhen, lass dieses die letzte Erinnerung sein, die du mir gibst. A propos, meine Sammetosen will ich auch mitnehmen, lass sie rein auskehren, und wo etwa hier oder da ein Wurmstich zu finden wär, so nehe es sein sauber zu. Amalia. Auf solche Art werden der Herr onkel recht galant erscheinen? v.N. Ja, das werde ich auch, ohne Ruhm zu melden, tun. Was soll ich viel Federlesens machen? Ich will dem Mädchen so zusetzen, dass sie bald Chamade schlagen soll. Amalia. Was werden unsere Freunde in Schöntal sagen, wenn sie Ihre Absicht erfahren? v.N. Die haben nichts darein zu reden. Ich bin mündig. jetzt ist es noch Zeit zu heiraten, da ich in meinen besten Jahren bin: Warte ich noch länger, so tauge ich hernach gar nichts mehr. Ich denke ohnedem, ich will mir das verdammte Podagra durch den Ehestand vom Halse schaffen. Magister. Sie haben recht. Wär ich an Ihrer Stelle gewesen: so hätte im achtzehenden Jahr geheiratet. v.N. Da gings bei mir noch nicht an; da war ich im feld und half die Franzosen schlagen. Amalia. Warum haben aber der Herr onkel so lange gewartet? v.N. Ich weiss selbst nicht. Hätte ich Clementinen eher kennen lernen, so wär ich vielleicht schon lange ein Papa. Nun solls aber auch desto schärfer gehen. Amalia. Wollen denn aber der Herr onkel Clementinen Ihr wahres Alter sagen? Ich befürchte, sie macht Einwendungen. Denn nach aller Wahrscheinlichkeit ist sie etwa 28. Jahr. Magister. Hier muss pia fraus gespielt werden. Sie sind munter und gesund; Sie kennen sich immer für einen vier und dreisigjährigen Herrn ausgeben. v.N. Macht euch beide keinen Kummer. Nach meinem Alter wird Niemand fragen. Zum Ueberfluss aber will ich meine Brille zu haus lassen. Magister. Das muss ohnedem geschehen. Wollen Sie nach etwas sehen: so nehmen Sie das Perspectiv. Der Himmel verhüte nur, dass Sie das Podagra in Italien nicht bekommen. v.N. Es wäre freilich ein alberner Streich: aber ich denke, das Podagra soll kein Narr sein, und mich mit der Liebe zugleich plagen. Meine Beine werden dort andere Dinge zu tun haben, dass sie also daran nicht denken werden. Kunigunda. Ach wer weiss, ob ich dich in meinem Leben wieder sehe, wenn du so weit weggehest! v.N. Sei unbekümmert, alte Tante Lore. Siehst du mich hier nicht wieder: so geschiehet es dort, wenn du nicht par hazard in die Hölle fährest. Kunigunda. Rede nicht so unchristlich, Bruder! Wenn alle verliebte Leute so sind wie du, so will ich in meinem Leben nicht verliebt werden. v.N. Ja, es wäre Zeit, wenn du im 56ten Jahr noch verliebt würdest. Amalia. Plagen Sie doch meine redliche Tante nicht! Sie besitzt das beste Herz. Sie ist um Sie wegen der Reise besorgt. v.N. Die sorge kann sie sparen. Komm ich glücklich zurück, so soll sie eine neue Saloppe und ganz neuen Casper kriegen. Alsdenn wirst du aussehen, wie die Marquise von Pompadour. Kunigunda verneigt sich vor ihrem Bruder. Amalia. Mich müssen Sie nicht vergessen, Herr Vetter, ich bin eine starke Liebhaberin von welschen Galanterien. v.N. Ihnen will ich den Jeronimo mitbringen, wenn ihn Niclas recht auscuriren kann. Die Partie wär so uneben nicht: habe ich erstlich Clementinen weg, so lässt sich ihr Bruder vielleicht überreden, und begleitet mich hieher. Amalia. Ja, das wär vortreflich! Alsdenn wollten wir schon bekannt werden. Allein, ich möchte doch nicht gerne einen Mann, der schon so viel Maitressen gehabt hätte. v.N. Ihr Mädchens müsst nicht so eckel sein. Ein Cavallier