. Ich sehe wohl, dass es mit der Liebe Ihres Herrn Oncles nur Spass ist, oder dass Sie und der Herr Baron einen Spass daraus machen wollen, da Sie diese Sache nun unter den Händen haben, ich bin darüber erfreuet: aber vorher war es in der Tat kein Spass. Es sind noch nicht gar acht Wochen, da Sie über dieses Capitel mir ein so zweifelhaftes Gesicht machten, dass ich es Ihnen ansehen konnte, wie sehr Sie meinetwegen besorgt waren. Wenn Sie und der Herr v.F. nicht alle Kräfte und Ihre ganze Kunst der Intrigue aufgeboten hätten, mich zu befreien, so würde ich jetzt sonder Zweifel Frau v.N. Für eine so gute Bemühung muss ich Ihnen ja wohl etwas zu lachen geben, und wider meinen Willen eine Rolle, die Sie mir in dem Lustspiele auftragen, übernehmen. Ich verspreche diese so gut zu spielen als mir möglich ist, nur dass es immer ein Spiel bleibt, und nicht etwa wieder Ernst daraus wird. Ich bedaure es, wenn Sie meinetwegen den Herrn von N. ein so schweres Gebot auferleget haben, von der Gesellschaft zu bleiben, dieses wird ihm vermutlich sehr beschwerlich gewesen sein. Ich verlange nicht, dass er so eingeschränket werde, sonst stehet er Ihnen gewiss nicht lange zu Gebote. Seine Gegenwart ist mir niemals beschwerlich, so lange ich nichts davon zu befürchten habe, welches ich jetzt nicht vermute. Wir werden nächstens einen Besuch in Kargfeld ablegen, ich werde mitgehen, um dem Herrn v.N. eine unschuldige Freude zu machen. Prägen Sie ihm nur ein feines, steifes, zurückhaltendes Wesen ein, und versichern Sie ihn, dass dieses das beste Mittel sei, von mir recht viel freundliche Gesichter zu bekommen.
Sie suchen doch auch alle gelegenheit auf, sich lustig zu machen, und wenn Ihnen aller Stoff zu fehlen scheinet, so sind Sie es über sich selbst, das ist in der Tat ein artiger Charakter, der mir gefällt. Das Schicksal entferne uns nie von einander: wenn ich jemals Ihren Umgang vermissen sollte, so würde ich das allerschätzbarste, das ich besitze, verlieren. Weil einmal die Planeten unter uns einiger lustigen Aufmerksamkeit sind gewürdiget worden, so will ich mir die Freiheit nehmen, über eine Stelle des Ihrigen, eine Anmerkung zu machen, doch in einen gelehrten Streit lasse ich mich durchaus nicht ein, wenn ich auch einen Preiss von einer Akademie der Wissenschaften dadurch zu verdienen wüsste. Was machen Sie Sich für einen seltsamen Begriff von einem lachenden Freier! Sie verstehen darunter einen halbigten Liebhaber, der keinen Ernst braucht? Unglückliche Deutung! Gehen Sie zum Herrn Lampert, und lassen Sie Sich die Sache erklären, er wird es Ihnen ganz anders sagen. Sie sind lustig, aufgeräumt, Sie lachen gerne: gleich und gleich sucht sich. Der Mann, den Sie einmal glücklich machen sollen, wird in seinem Charakter Ihnen ähnlich sein. Sie bekommen einen muntern, aufgeräumten, lachenden Freier, er Ihnen das Leben so angenehm macht, als Sie es allen, die Ihren Umgang geniessen, zu machen wissen. Wollen Sie nun weiter mit dem ehrwürdigen Sterndeuter zanken, der Ihnen so viel gutes geweissaget hat? Es hat mir nicht an Neugierde gefehlet, Ihren Planeten ganz zu lesen, und die bösen Schicksale, die nach Ihrem Urteile darinne sollen entalten sein, zu erfahren, oder ihnen mit einer guten Auslegung zu statten zu kommen; aber da ich eine sehr schlechte und mangelhafte Edition von einem Calender habe, darinne diese unbetrüglichen Weissagungen fehlen: so muss ich wider Willen dem Befehle nachleben, Ihren Planeten nicht zu lesen.
Tun Sie nur nicht so böse, dass ich dem Major etwas von Ihnen vorgeschwatzt habe. Sie urteilen recht, dass ich ihn dadurch für seinen Vorwitz habe bestrafen wollen; aber ich bin darinne nicht mit Ihnen einerlei Meinung, dass ich daran Unrecht getan habe. Ich glaube vielmehr allen Verdacht dadurch von Ihnen entfernt zu haben. Er konnte denken, wir hätten von Ihm gesprochen, da wir heimlich mir einander redeten; er konnte dieses aber nicht mehr denken, da ich es ihm öffentlich sagte, dass wir es getan hätten. Wenn es wahr gewesen wäre, so würde ich es ihm gewiss verschwiegen haben. Vermutlich sah er es ein, dass ich ihn für seine Neugierde, dadurch habe wollen ein wenig büssen lassen; sollte es aber nickt geschehen sein, so will ich, wenn er mich wieder fragt, was wir von ihm gesprochen hätten, meinen Fehler wieder gut zu machen, etwas recht schönes erdenken, das Sie zu seinem Vorteile sollen gesagt haben. Aber warum dringen Sie denn so sehr darauf, dass ich Ihre Unschuld retten soll? fräulein, fräulein! wenn Sie mir etwas verheimlichen, so vergebe ich es Ihnen nicht.
Dem Herrn Baron machen Sie mein bestes Compliment. Sagen Sie ihm, dass ich seine guten Bemühungen mir vielem Danke erkenne; aber ich bin wenig mit den Maassregeln zufrieden, die er anwendet, seine gute Absicht zu erreichen. Warum braucht er so zweideutige Ausdrücke, die den Herrn v.N. entweder gegen mich oder den Major aufbringen können? Wer weiss, ob er nicht dadurch in die Versuchung gerät, seinem eignen kopf zu folgen, und wenn er sich nicht mehr in der Irre herum führen lässt, die rechte Spuhr wieder zu suchen, wodurch es ihm an, ersten gelingen könnte, sein Vorhaben auszuführen, oder doch wenigstens mir Angst zu machen. Ich