Um sicher in der Sache zu gehen, habe ich verschiedene, verständige Männer darüber zu Rate gezogen. Mein Pfarrer, den ich Herr Dobson nenne, liess ein ganzes Schwadron solcher heimlichen Feinde des Menschen aufmarschiren, es waren böse Leidenschaften, Begierden und allerlei von solchem losen Gesindel darunter. Meine Pachter halten die jetzige teure Zeit für einen heimlichen Feind, der sich alle Tage mit zu Tische setzt, und von ihrem Brodte isst. Ein andrer kluger Mann sagte, dass dadurch missgünstige Leute verstanden würden, die andere beneiden, und ihnen, weil sie es nicht öffentlich wagen dürfen, durch Arglist allerlei Unheil zu machen suchen. Diese Meinung scheint die vernünftigste, und ob es mir gleich nicht in den Kopf will, dass Ihnen jemand feind sein könnte: so muss ich es doch glauben, weil es in Ihrem Planeten stehet; doch hoffe ich, dass diese Feinde Ihnen mit allen Schelmereien nicht viel anhaben werden. Sie macht sich durch ihre Tugend und Freundlichkeit bei vielen vornehmen Leuten beliebt. Das trifft auf ein Haar zu! Wer wollte Sie auch hassen können? Ihre schöne person bezaubert schon, und ihrer Tugend und vortreflichen Gemütseigenschaften, kann nichts widerstehen. Wollte der Himmel, dass alles Gute, was Ihr Planet entält, in diesem Lebensjahre erfüllet, und ich hierzu als kein untüchtiges Werkzeug mit gebraucht würde! Ich eile meine Gelübde zu erfüllen, und auf Ihre Gesundheit, die mit Epheu bekränzte Flasche auszuleeren. Allzuglücklich würde ich mich schätzen, wenn ich von Ihnen die erlaubnis erhielt unverbrüchlich zu verharren
Dero
untertäniger Verehrer
v.N.
Ode.
Du, der du im Falerner Weine
Dich oft mit Lust bezechet hast,
Und nicht wie Dichter bloss zum Scheine
Mit deinem Becher hast gespasst;
Du, dem bei Chloen es gelungen
Und niemals fehlgeschlagen ist,
Dass wenn du ihren Reiz besungen,
Sie dich auch wirklich hat geküsst.
Horaz, aus einem Deckelglase
Trink ich jetzt auf Dein Wohlergehn:
Gib mir dafür in reichem Maasse
Das seltne Kunststück zu verstehn,
Wie man mit zauberischen Tönen
Sich in das Herz der Schönen schleicht;
So dass der Eigensinn der Schönen
Die aufgeblassnen Seegel streicht.
Schon fühl ich mich ganz dichtrisch Feuer,
In altem Rheinwein aufgelösst,
Macht sich mein Geist vom Körper freier,
Gedanken sind ihm eingeflösst.
Anakreon, elender Schwätzer,
Im Lieben nur ein Idiot,
Warum treibst du, verdammter Ketzer
Mit dieser Kunst nur deinen Spott?
Mir soll ein besser Lied gelingen,
Wenn ich in reinem Kammerton
Von Iris Reizen werde singen,
Dir Meistersänger dir zum Hohn!
Dann wird sich meine Brust befiedern,
Verwandelt schwing ich mich als Schwan,
Durch Iris Lob, in meinen Liedern,
Zum glänzenden Olymp hinan.
Sie ist das Meisterstück der Götter,
Der Götter Meisterstück m Sie,
Ja, Momus selbst, der Gott der Spötter
fand an Ihr keinen Tadel nie
Zeos, der auf seinem Adler reitet,
Wenn er den Blitz aus seiner Hand
Auf dick belaubte Eichen leitet,
Hat Ihren Vorzug selbst erkannt.
Um Sie noch schöner auszuschmücken
Hat er den Strahl, der uns verletzt,
Vereiniget mit Ihren Blicken,
Und in Ihr schönes auge versetzt.
Vom Silbertönenden Metalle,
Das an Apollens Harfe glänzt,
Hat dieser Gott mit schönrem Schalle
Der stimme Treflichkeit ergänzt.
Die Göttin, die auf wilden Meeren
Ein kleines Muschelschiff geschützt,
Cytere nur kann nichts verehren,
Das Iris nicht bereits besitzt;
Doch hat sie ihrem kleinen Dicken
Den Liebesgotte, wie man sagt,
Den Pfeil befohlen abzudrücken,
Wenn man sich ihr zu nahe wagt.
Vom Schilde, das Medusens Zähne
Aus schlangbehaartem haupt bläckt,
Ist die vom Witz beseelte Schöne
Selbst durch Minervens Arm bedeckt.
Nie darf, zu einem sichern Zeichen,
Dass sie der Göttin ganz gehört,
Der Pallasvogel von ihr weichen,
Die Eule, die Aten verehrt.
Er glänzt vom Horizont herunter,
Er glänzt, der stolze Tag, der Sie
Der Welt zu ihrem achten Wunder
Und auch zur zehnten Muse lieh,
Noch achtmal zehnmal kehr er wieder,
Eh von Planeten selbst umringt,
Sie dort bei dem Gestirn der Brüder
Beim Castor und beim Pollux blinkt.
VIII. Brief.
fräulein Amalia an das fräulein v.M.
den 26 Nov.
Da sehen Sie es nun, dass es nur ein Spass ist. Wie gesagt, Sie sind in das Lustspiel eingeflochten worden, und müssen Ihre Rolle spielen. Sie mögen nun wollen oder nicht. Sie sind aber doch in gute hände gefallen, da der Baron das Complot unter seinem Commando hat. Mein onkel hätte nicht schlimmer wählen, und für Sie hätte diese Wahl nicht besser ausfallen können. Nun sind Sie sicher. Der Baron hat Ihren Liebhaber Ihnen nicht einmal unter die Augen geführt, weil er glaubte, dass seine Gegenwart Sie beunruhigen könnte, und er wird dieses allezeit tun, wenn er es in seiner Gewalt hat. Ich fange jetzt an, wirklich Mitleiden mit meinem onkel zu haben, und wenn Sie es nicht wären, so wüsste ich nicht was ich täte, um ihn glücklich zu machen. Sie sollen unterdessen nach meinem Wunsche einen Freier bekommen, der Ihnen besser anstehet, aber eben so aufrichtig liebt als dieser, und daran zweifle ich auch nicht: ihr Planete verspricht Ihnen dieses. Auf mein Wort, ich glaube vollkommen, dass die Planeten eintreffen; der Ihrige passt so gut auf Sie, als wenn er Ihretwegen wäre gemacht worden. Sehen Sie nur, was Lampert für ein sinnreicher Kopf ist! Auch im Calender findet er etwas