Geheimnisse verwahre. Der ein und zwanzigste wagt es endlich, Ihnen unter Augen zu treten, und wird sich glücklich schätzen und dem Dichter Ehre machen, wenn Sie einen günstigen blick darauf werfen. Nach dieser angenehmen Beschäftigung pflege ich allerlei Werke der Liebe auszuüben. Eine gewisse Anzahl der dürftigsten meiner Untertanen, die der Zahl Ihrer Lebensjahre gleich ist, wird in meinem haus gespeist, und alsdenn jeder mit einem Gedenkgroschen regaliret. Der gewöhnliche Tanz unter der Linde auf das Kirchenfest ist gleichfalls seit einigen Jahren auf diesen Tag verleget worden, und um ihn jedermann so vergnügt zu machen als er mir selbst ist, lasse ich die jungen Bursche nach dem Hammel laufen, der ihnen zu dieser Lustbarkeit verehret wird. Den Beschluss meiner Beschäftigung macht der Kalender. Ich schliesse mich in mein Zimmer, und lese mit Bedacht Ihren Planeten. Hier untersuche ich, in wiefern diese Weissagung, die gemeiniglich zutrifft, an Ihnen bereits erfullet ist, oder was für Schicksale noch auf Sie warten. Dismal habe ich meine Neugierde zu befriedigen, diese Untersuchung zu erst angestellet, und weil ich mir vorgenommen habe, alles was ich zu Ihrer Ehre auf Ihren Geburtstag unternehme, zu entdecken: so soll Ihnen die Auslegung Ihres Planeten dismal auch nicht verborgen bleiben.
Ein Töchterlein im Wintermonat gebohren, ist arbeitsam, trifft ein. Sie können mit aller Arbeit, die sich für Ihren Stand schickt, überaus wohl umgehen, man siehet Sie niemals die hände in den Schooss legen. Sie stricken, Sie nähen und putzen dann und wann Ihren Haubenkopf so schön, als wenn er mit Ihnen zu gast gehen sollte. Von gutem Gedächtniss. Wenn dieses so viel heisst, als beatae memoriae, dass Sie bei jedermann in guten Andenken stehen, so trifft es vollkommen ein; wenn aber die Erinnerungskraft dadurch gemeinet ist: so kommt es Ihnen nur gewisser massen und unter einer Einschränkung zu. Sie behalten das in frischem Gedächtniss, was Sie behalten wollen; aber Sie vergessen auch alles, was Sie vergessen wollen, in einem Augenblick. Wenn ich Ihnen, da Sie noch klein waren, eine Puppe zeigte, und Sie fragte, ob Sie mich auch lieb hätten, und mich auch lieben wollten, wenn Sie einmal gross würden: so bekräftigten Sie dieses mit einem dreusten Ja, jetzt wollen Sie nichts mehr davon wissen. Barmherzig, das sind die Schönen selten, so lang sie schön sind. Seit undenklichen Jahren her sind die Schönen grausam gewesen, und selbst das glückselige Arkadien har in dem goldnen Weltalter spröde Schäferinnen aufzuweisen gehabt. Indessen, wie keine Regel ohne Ausnahme ist, so könnte es sein, dass Sie zu dieser Ausnahme gehörten, und eine barmherzige Schöne wären. Man sagt, dass einige grosse Herren die Staatsmaxime gehabt, dass sie, um sich bei ihren Untertanen eine desto grössere achtung zu erwerben, erstlich dem Volk schwerere Schatzungen auferleget, hernach aber solche vermindert hätten, um ihre Gnade sehen zu lassen. Das Frauenzimmer hat oftmals von dieser Staatsregel Gebrauch gemacht, sie sind grausam, damit sie hernach desto sanftmütiger sein können, und ihre Gunstbezeugungen mehrern Eindruck machen. Ich hoffe dieses auch von Ihnen, sonst würde Ihr Planete zum Lügner werden, und das wäre schade, er ist für Sie sehr vorteilhaft. Betet fleissig. Ist richtig. Man findet unter dem Frauenzimmer überhaupt weniger laulichte Personen als unter unserm Geschlecht, sie sind entweder recht andächtig, oder recht heilloss böse, und denn beten sie gar nicht. Zu der letzteren Gattung gehören Sie nicht, dafür bin ich Bürge, folglich sind Sie zu der ersten zu rechnen. Ihre selige Frau Mutter war auch eine fromme Frau, und die hat Ihnen vermutlich ihre ganze Frömmigkeit vermacht, weil sie wusste, dass Ihnen der Vater nicht viel hinterlassen würde. Und wird gemeiniglich eine gute Haushälterin. Wohlgetroffen! Ob Sie gleich noch nicht Ihren eignen Haushalt führen, und bis jetzt bei Ihrer Frau Stiefmutter Adjudantendienste tun: so bin ich doch gewiss, dass Sie eben sowohl als die Frau v.W. eine Oeconomie en Chef commandiren könnten. Eine gewisse Puissance, die Ihnen nicht unbekannt ist, bewirbt sich um Sie aus allen Kräften, und wenn Sie noch kein Generalcommando haben, so liegt es bloss an Ihnen, dass Sie es nicht übernehmen wollen; doch wer weiss, was in diesem Jahre noch geschehen kann. Hält gern mit jedermann Verträglichkeit. Ist richtig, will aber doch auch cum grano salis verstanden sein. Zu einer mündlichen Zänkerei sind sie wohl so leicht nicht zu bewegen: Sie haben lieber Unrecht, als dass Sie Sich in ein Wortgefechte einlassen sollten. Sie haben auch keine gelegenheit dazu, wer wollte es wagen Ihnen zu widersprechen? Die Schönen sind im stand, die zanksüchtigsten Philosophen zum Stillschweigen zu bringen. Ein schöner Mund überzeugt, wenn er spricht. Aber so verträglich Ihr Mund auch ist, so unverträglich sind Ihre Augen, sie drohen, sie gebieten, sie schelten, sie tadeln, sie kündigen den Krieg an, und machen Friede, und das oft in einer Viertelstunde. Jedoch, da es nicht erlaubt ist, von einem einzelnen Teile aufs Ganze zu schliessen; so folgt auch nicht, dass wenn Ihre Augen manchmal unverträglich sind, dass deswegen die ganze person unverträglich sein müsste, und bleibt also der Satz überhaupt richtig, dass Sie gern mit jedermann verträglich leben. Wird doch durch heimliche Feinde angefochten. Dieses ist der schwereste Punkt im ganzen Planeten, den ich noch zur Zeit nicht vollkommen habe erklären können.