werde nicht unterlassen, sie durch einen Glückwunsch anzubinden. Lampert hat sich seit gestern in seine stube eingeriegelt und geschworen, wie die Churfürsten, wenn sie einen neuen Kaiser machen, nicht ehev einen Bissen zu essen, bis er das Werk zu stand gebracht; doch den Trunk hat er sich erlaubt, und einige Flaschen Wein mit in seine Studierstube verriegelt, denen er vermutlich fleissig zusprechen wird. Wegen des Geschenkes habe ich mich schon erkläret, und also muss ich, weil Sie es für gut finden, eine Staatskrankheit annehmen, ob ich gleich jetzt so gesund bin als ein Hecht. Das ist eine verdammte Mode, dass man die Mädchen, die man liebt, auf ihren Geburtstag anbinden muss. Werweiss, ob sie nicht gar zuletzt einen heiligen Christ verlangen. Ich möchte fräulein Julgen nicht in die Messe begleiten, vermutlich würde es da ohne Unkosten auch nicht abgehen. Nein, ich liebe nach englischen Geschmack, da liebt man gewiss und ohne grossen Aufwand: denn was man der Braut schenkt, wenn diese Sache einmal ins Reine gebracht ist, das bekommt man mit der Frau wieder, und ist deswegen für keinen Aufwand zu rechnen.
Lampert will sich durchaus nicht entschliessen, seiner ersten Liebste untreu zu werden, er will lieber meine Gunst verlieren, als sein Mädchen, und hat sich sogar verlauten lassen, dass wenn nochmals mit diesem verwünschten Vorschlag an ihn gesetzt würde, so wollte er bei Nacht und Nebel einmal fortgehen, und niemals wieder zum Vorschein kommen. Ich muss deswegen ein Bisgen laviren, er ist mir gleichwohl unentbehrlich: so einen Hausvogt findet man nicht alle Tage. Indessen will ich mein Heil noch einmal an ihm versuchen, die Gelehrten sind in puncto Sexti nicht eben so gar ehrenveste, und treiben es oftmals ärger als die Edelleute. Ich denke, man kann ja wohl von zwei Bäumen auf einmal Birnen schütteln. Wenn das Kammermädchen nur nicht eben so garstig wäre, als ihre Gebieterin schön ist, so würde der Magister meinen Befehl eher respectiren. Er hat mir indessen versprochen, es auf andere Weise dahin zu bringen, dass sie in mein Horn blässt, das mag er immer tun, wenn alle Stricke reissen sollten, so bleibt er dennoch das Stichblatt. Sorgen Sie nur dafür, dass der Geburtstag recht hoch gefeiert wird, und geben Sie auf alles genau achtung, damit Sie auf Erfordern mir einen getreuen Bericht abstatten können. Alleweile kommt der Magister mit dem Briefe, der in meinem Namen an das fräulein abgefasst hat, und welcher das Gedichte begleiten soll. Wenn beides wohl geraten ist, so soll er den Filialsstock zur Verehrung bekommen, welchen ich ihm längstens zugedacht habe, der vergangenen Sommer dem Metzger ist abgenommen worden, der sein Vieh über meine Wiesen hat treiben lassen. Ich bin einmal wie allemal.
Ihr
gehorsamer Diener
v.N.
VI. Brief.
Von ebendemselben an den Herrn v.F.
den 25 Nov.
Sie haben mir gestern wissen lassen, dass Ihre Gäste, die Sie eingeladen haben, heute alle erscheinen würden. Ich bin darüber erfreut. Den Major Ln. hätten Sie nur weglassen sollen, er gehöret ohnedem nicht in unsere geschlossene Gesellschaft. Ueberhaupt dächte ich, er könnte wieder zu seinen: Regiment gehen, ich wollte der schweren Zeit ungeachtet, gern eine Compagnie Franzosen bei nur überwintern lassen, wenn er nur dadurch genötiget wurde, die hiesige Gegend zu verlassen. Man weiss indessen nicht, wie bald sich das Blättchen wenden kann. Ich halte es zwar allezeit mit den hohen Alliirten, so bald aber mein Vorteil mit ins Spiel kommt, so trete ich zur französischen Partei. Jetzt würde ich es gerne sehen, wenn die ersten einmal verlöhren, damit der verwünschte Major mir nur aus den Augen käme. Wer weiss, ob er es nicht ausspionirt hat, dass heute der Geburtstag des Fräuleins ist, und sich etwa einfallen lässt, sie mit etwas angenehmern als ein paar Bogen Pappier anzubinden. Ich stehe disfalls in grosser sorge. Das ist sicher, dass er mit der Freundlichkeit und Politesse gegen die Mutter, die Tochter meint. Er hat die Regel, die ich nach Ihrem Urteil soll übertreten haben, besser in Acht genommen. Wenn er sich auf kein Angebinde gefasst gemacht hat, so ist es mir gewissermassen lieb, wenn er siehet, dass ich ihm den Rang abgelaufen habe. Damit die Freude desto unvermuteter kommt und grösser wird, so bin ich auf den Einfall geraten, ein Pastetengehäuse verfertigen zu lassen, worinne der Brief nebst dem Carmen befindlich ist, wie denn der Ueberbringer dieses briefes solches in seinem Korbe trägt, welches sorgfältig muss herausgenommen und auf der Tafel gerade an den Ort gesetzet werden, wo das fräulein zu sitzen kommt. Tragen Sie sorge, dass sich Niemand an diesem Schaugerichte vergreift, sondern das fräulein ersucht wird, die Pastete vorzulegen, da wird sie die Bescheerung schon finden. Sie denken vielleicht, ich käme mit meinem Angebinde ganz wohlfeil weg, glauben Sie es nicht. Lampert hat mehr als einen halben Eimer Wein darüber ausgezecht, und deswegen auch, wie ich vermute, auf allen Seiten sowohl in dem Briefe als in dem Gedichte von Wein gesprochen. Er hat aber demungeachtet seine Sache treflich gemacht, und besonders in dem Briefe so viel rührende Stellen angebracht, die das fräulein ohne Bewegung nicht hat lesen können. Besonders ist die Auslegung ihres Planeten recht nach meinem Gusto geraten. Es ist zwar nicht alles so wie in dem Briefe stehet; aber es