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sonderlich beleidigen kann, mit darinne angebracht würde, so könnte dieses denselben vielleicht desto mehrern Beifall verschaffen. Noch einen Punkt will ich berühren, ehe ich schliesse, Sie haben mich in Ihrem Schreiben darauf geführt. Sehen Sie ja zu, dass Sie Sich das Kammermädchen des Fräuleins günstig machen. Ein solches Mädchen ist eine person von Wichtigkeit in dergleichen Angelegenheiten. Diese Creaturen besitze, gemeiniglich das Vertrauen ihrer Gebieterin, und ihr Gutachten gibt oft der Sache einen bessern Ausschlag, als das Responsum einer ganzen Juristenfacultät einem Process. Sie sind eben das in Liebeshändeln, was die femmes gardées im l'hombre, der Skies und Pakat im Tarock und die Läufer oder Springer im Schachspiel sind. Es würde nicht überflüssig sein, wenn Sie durch Geschenke das Mädchen des Fräuleins zu gewinnen suchten; allein weil Sie, wie ich weiss, davon nicht viel halten, auch leichtlich ein anderer Sie überbieten könnte: so habe ich einen Vorschlag, der viel sicherer ist, dieses Mädchen in Ihr Interesse zu ziehen. Der Magister Lampert muss seine leidenschaft für die Tochter Ihres Pfarrers Dero Vorteil aufopfern, er muss wenigstens eine Zeitlang sich stellen, als wenn er eben die Rolle bei der Kammerjungfer spielen wollte, die Sie bei dem fräulein haben. Ihm als einem schlauen und gelehrten mann, der auch seinen Liebesanträgen eine logikalische Stärke geben kann, wird es nicht schwer fallen, seinen Endzweck zu erreichen, und alle Anschläge, die vielleicht von der Gegenpartei auf das fräulein gemacht werden könnten, zu entdecken, und fruchtlos zu machen. Sollte Herr Lampert Schwürigkeiten machen, wie ich denn vermute, dass er eher würde zu bewegen sein, noch ein Pasquill auf den Herrn Grandison zu verfertigen, als seiner Liebste untreu zu werden: so müsste er auf ähnliche Art, wie er von dem Rittmeister Salmonet genötiget wurde, seinem Willen Folge zu leisten, dahin angehalten werden, Ihren Vorteil seiner Neigung vorzuziehen. Doch dieses alles ist nur, wie Sie auch ausdrücklich von mir verlanget haben, mein unvorgreiflicher Rat, und es stehet Ihnen frei, in wie fern Sie ihn befolgen wollen oder nicht. Ich werde mir es indessen zu einer ganz besonderen Ehre anrechnen, wenn Sie davon Gebrauch machen; doch gebe ich mich zufrieden, wenn Sie andere Maasregeln ergreifen. Gelangen Sie bald zu ihrem Zweck auf einem Wege, der Ihnen am besten gefällt, dieses ist der aufrichtige Wunsch

Ihres

gehorsamen Dieners

v.F.

V. Brief.

Der Herr v.N. an den Herrn v.F.

Kargfeld, den 23 Nov.

Ich habe Ihren Brief wohl durchstudiret, und daraus ersehen, dass Sie eben kein schlechtes Geschick haben, eine Sache, der Sie Sich mit Ernste unterziehen, nach Wunsch zu stand zu bringen. Es ist mir lieb, dass Sie Sich meine Freierei mit Ernst lassen angelegen sein, und ich kann Ihnen nicht verhalten, dass Sie Sich dadurch bei mir in solchen Credit gesetzt haben, als Sir Beauchamp bei dem Baronet, ich glaube sogar, Sie werden diesen selbst abtreiben, wenn unser Vorhaben gut ausschlägt. Hier und da haben Sie zwar in Ihrem Briefe etwas eingestreuet, dadurch Sie eben keinen Dank verdienen, zum Exempel wenn Sie sagen, dass ich ein schlimmes Spiel in Händen hätte, dass ein andrer sich für verlohren schätzen würde, dass man seinem Mädchen Geschenke machen müsse, die sich auf fünfzig Taler belaufen. Man findet heutiges Tages das Silbergeld nicht auf den Gassen, wie unter Salomons Regierung. Es sind schwere zeiten, und das Geld liegt an Ketten. Herr Grandison hat zwar seiner Braut grosse Geschenke gemacht, aber das war ein anderer Umstand, damals war es Friede und wohlfeile Zeit, und Herr Grandison war auch sicher, dass ihm seine Braut nicht wieder umkehren würde; ich hingegen stehe in Gefahr, Braut und Maalschatz zu verliehren. Wenn ich erstlich das Wort von ihr habe, wohlverstanden, ihr ungezwungenes dürres Jawort, hernach soll sie einen Diamantschmuck bekommen, dessen keine Fürstin sich schämen dürfte; aber auf geratewohl verdistillire ich keinen heller an ihr. Glauben Sie nicht, dass mich der Geiz zurück hält, Ihrer Metode zu folgen, und durch Bestechungen den Anfang zu machen, das Herz des Fräuleins zu gewinnen: ich will, wie Herr Grandison, wegen der person und nicht wegen der Geschenke geliebt sein, dabei hat es sein Verbleiben. Mit der eigensinnigen Frau v.W. will ich nichts mehr zu tun haben, ich glaubte, wenn ich sie und ihren Schatz auf der Seite hätte, so wären alle Aussenwerke und Defensen der Vestung in einer Gewalt, wenn ich alsdenn hier meine Batterien anlegte; so würde ich dadurch die Citadelle selbst zu commandiren im stand sein, um solche zur baldigen Uebergabe zu zwingen. Allein seitdem ich aus ihrer Gunst delogiret bin, so habe ich, wie ich sehe, das ganze occupirte Terrain wieder verlohren, und er als ein baufälliges Hornwerk, das noch allein in meiner Gewalt ist, verspricht mir nicht den geringsten Vorteil, wenn ich von dieser Seite die Attaque wieder formiren wollte. Ich habe die Belagerung deswegen bereits meine Bloquade verwandelt, doch habe ich immer ein wachsames Auge in meinem Lager, und hoffe noch par surprise davon Meister zu werden. Das Spiel ist so schlimm nicht, als Sie vielleicht denken, über lang oder kurz werde ich doch reussiren, besonders wenn Sie ein getreuer Alliirter von mir bleiben.

Sie erweisen mir einen grossen Gefallen, dass Sie mich an den Geburtstag des Fräuleins erinnern, ich