, als durch den ersten. Doch hierdurch will ich keinesweges ihre Unternehmung tadeln, oder den guten Ausgang derselben in Zweifel ziehen, ich habe vielmehr die beste Hoffnung, dass alles nach Wunsche ausschlagen wird, und lasse es gegenwärtig meine vornehmste Beschäftigung sein, dieses aufs sicherste und geschwindeste ins Werk zu sehen. Eine Nacht bin ich darüber schon um den Schlaf kommen, ohne das geringste zu erfinden, und diesen Vormittag habe ich auch mit so tiefen Betrachtungen zugebracht, als des Cartes, da er seine Welt erschuf, ob ich gleich noch nicht die rechte Spur entdeckt habe, wie die Sache, Ihre Schöne zu fesseln, am besten anzugreifen ist. So viel habe ich durch mein Nachdenken heraus gebracht, dass das Spiel von neuen muss angefangen werden, wenn Sie etwas dabei gewinnen wollen. Ich will mich mit Ihrer erlaubnis hinter Ihren Stuhl stellen, damit ich es desto leichter übersehen kann, und wenn Sie meinem Rate folgen, so denke ich, dass Sie noch den Pot ziehen sollen. Ich verfalle hier auf meine gewöhnliche Anspielung, wir haben hierzu gleiche Fähigkeit, nur dass wir in Ansehung der Gegenstände von einander abweichen. Es ist nichts in der Welt, das Sie nicht mit etwas aus der Kriegskunst vergleichen könnten, und ich finde in allen Dingen etwas ähnliches mit dem Spiele. Erlauben Sie, dass ich meine Vergleichung fortsetze. Wenn Sie einen geschickten Spieler vorstellen wollen, so dürfen Sie nicht erschrecken, wenn Sie auch dann und wann einmal abgetrumpfet werden, die gefährlichsten Spiele gehen oft am besten. Werden Sie auch nicht ungedultig oder verzagen Sie an ihrem Glück, wenn Ihnen nicht gleich alles nach Wunsche gehet, oder wenn Sie nicht vom Anfang gewinnen, gute Spieler sehen dieses niemals gerne. Tarazzoni verlohr vor sechs Jahren, im Anfang des Carnevals zu Venedig zwanzig tausend dukaten, und hatte beim Schluss achtzig tausend gewonnen. Ich denke Sie sollen nicht ohne Gewinnst aufsteigen, wenn Sie nur nicht zu hitzig anfangen, oder wie Sie bisher getan haben, zuviel auf einmal hazardiren. Dieses würde geschehen, wenn Sie entweder in person oder durch einen andern, nochmals um das fräulein zu voreilig wollten anhalten lassen, ehe Sie gewiss sind, dass Sie derjenige sind, den sie unter allen Mannspersonen am meisten schätzt. Setzen Sie auch nicht zu viel Vertrauen in sich selbsten, ich will Ihnen schon einen Wink geben, wenn die Reihe an Ihnen ist, durch den letzten Trumpf, den Sie bis zuletzt in der Hand behalten müssen, dem Spiel ein Ende zu machen.
Diese allgemeinen Regeln sind zwar an sich gut genug: aber ihre Anwendung ist schwer, wenn man sie in der Liebe brauchen will. Ich bemühe mich jetzt, die Karte so zu mischen, dass ich Ihnen ein leichtes Spiel verschaffe; aber ich verspreche Ihnen dieses nicht gewiss. So viel kann ich Ihnen sicher versprechen, dass ich alles tun will, was mir in dieser Sache zu tun möglich ist. Sie fragen mich, ob die alten Kunstgriffe sich bei den Schönen durch Bälle und andere Lustbarkeiten in Gunst zu setzen, noch eben die Dienste haben, die sie ehedem leisteten, ich getraue mir diese Frage mit ja zu beantworten. Das Frauenzimmer besitzt noch alle die Neigungen, die sie vor dreissig oder vor hundert Jahren besassen, das Vergnügen ist ihr Leben, und wer ihnen dieses verschafft, den können sie nicht hassen. Ich rate Ihnen, keine gelegenheit vorbei zu lassen, dem fräulein v.W. alles ersinnliche Vergnügen zu machen, und insonderheit darauf zu sehen, dass es nach dem besten Geschmack eingerichtet ist. Ich würde Ihnen keinen Beifall versprechen, wenn Sie nach dem Beispiele unsrer Ahnen mit einer Citer unter das Fenster Ihrer Gebieterin schleichen, und sie durch eine traurige und mit vielen harmonischen Seufzern untermischte Arie, im Schlafe stöhren wollten. Dieser zärtliche Liebesantrag, der ehedem Wunder getan, würde jetzt mehr schädlich als nützlich sein. Man muss die Sache auf eine andere Art angreifen, ich will Ihnen einmal einen Vorschlag tun. Künftigen Freitag ist der Geburtstag des Fräuleins, wie wär es, wenn Sie ihren Hofpoeten, durch ein paar Gläser ermunterten, ein Glückwünschungsgedichte zu verfertigen, um das fräulein damit anzubinden? Sie dürfen mir leicht ein gut Wort geben, so feiere ich das Geburtsfest hier in Schöntal, und bitte sie alle zu gast, aber alsdenn werden Sie Sich auf eine feine Galanterie gefasst halten, wenn Sie gegenwärtig sein wollen, die Sie ihrem Glückwunsche beifügen, dadurch sie erkennen kann, wie hoch sie von Ihnen geschätzt wird, und deswegen finde für gut, dass sich das Geschenke am Werte nicht unter fünfzig Taler belaufen darf, sonst haben Sie Sich keinen freundlichen blick zu versprechen. Wollen Sie aber spärlich haushalten, so können Sie eine Staatskrankheit annehmen, und alsdenn ist das Gedichte, das aber mit einem wohlgesetzten Brief muss begleitet sein, schon alleine zureichend. Ich werde nicht ermangeln, besonders wenn Sie abwesend sind, und ich mich also keiner Schmeichelei verdächtig mache, Sie aufs beste herauszustreichen, und diesen klugen Einfall zu loben; auch Ihnen hernach getreulich zu melden, was zu Ihrem Vorteile gesprochen wird. Ich verspreche mir von diesem Anschlage viel gutes, wenn er gut ausgeführet wird. Prägen Sie dem Herrn Lampert wohl ein, dass er in das Gedichte nichts zum Lobe der Frau v.W. mit einfliessen lässt, Sie wissen, dass das fräulein nicht gut mit ihr stehet. Doch wenn ein unschuldiger lustiger Gedanke über sie, der aber doch nicht