. Sir Carl war zu gewissenhaft. Man muss die Sache nicht so genau nehmen. Hätte er Ernst gebraucht: so wär sie damals die Seinige geworden. Amalia. Sprechen Sie doch lieber wegen diesen Punkte mit Ihrem Pfarr, und hören, was er sagt. v.N. Nein, das mag ich auch nicht. Er würde freilich Ihrer Meinung sein; aber mit seiner ganzen Polemic nichts ausrichten. Was soll sich der alte Mann vergeblich bemühen. Amalia. Sie sind ein sehr entschlossener Mann. Der Himmel verhüte nur, dass nicht etwa der General – –. v.N. Wer? der General? dem will ich den Kopf schon zurechte rücken. Mir hätte er nicht so naseweis, wie Sir Carln, kommen dürfen; ich hätte ihn garstig abführen wollen. Ich fürchte mich für keinem Feldmarlschall, vielweniger für einem General. Lass ihn nur herwachsen, ich will ihm nicht aus dem Wege gehen. War ich wohl wert, ein Grandison zu heissen, wenn ich mich für einem solchen Bramarbas fürchten sollte? Amalia. Ich weiss, dass Sie Mut haben; aber die Herzhaftesten können zuweilen unglücklich sein. Belvedere würde sich ganz gewiss mit ihm vereinigen. v.N. Belvedere? der Pursch soll bald Reissaus geben. Ich werde ihn nicht wieder mit Complimenten nach haus schicken, wie Grandison: nein ich will ihn auf den Pelz brennen, dass er zeitlebens daran denken soll. Magister. So lange noch Vorschläge zur Güte getan werden können, so lange muss man keine Gewalt brauchen. Ich habe schon zwo lateinische Reden, et quidem stylo Ciceroniano, ausgearbeitet, davon ich eine an den alten Marggrafen, die andere aber an den General halten will. In beiden ist die Sache pro und contra untersucht, und ich denke, wir wollen die ganze Familie gewinnen. v.N. Bravo, mein alter ehrlicher Magister! Sie werden Sich doch hoffentlich mit dem Pater Marescotti vertragen können? Magister. Wer? ich? ein zweiter Doktor Bartlett sollte sich mit so einem Mann in Zänkereien einlassen? Wir wollen wie Brüder leben, und alle die Weine kosten, in welchen sich Horaz sonst derb besoffen hat. v.N. Packen Sie unterdessen ein. Sie brauchen nur ein Kleid, ein schwarzes denke ich. Magister. Sonst keines. Ich reite den Schimmel. Amalia. Sie können sich für einen von den preussischen Todtenköpfen ausgeben, und in ganz Welschland ein aufsehen machen.
Zweiter Auftritt.
Jeremias, Meister Niclas, die vorigen.
Jeremias. Gnädiger Herr, Meister Niclas ist da, soll er
herein kommen? v.N. Ja, lass ihn herein kommen. – – – – Wo bleibst
du alter Quacksalber so lange? Habe ich dich nicht
bereits vor drei Stunden rufen lassen? Niclas. Verzeihen Sie, gnädiger Herr, es ist heute
Sonnabend, ich habe erstlich die ganze Gemeinde
geschoren, und dem Cantor sein Fontenell verbun
den. v.N. Du hast immer viel zu tun. Weisst du was, alter
Meister Salpeter, du sollst eine kleine Reise mit
mir tun. Niclas. Ganz gerne, gnädiger Herr, wir kommen doch
morgen Abends wieder? v.N. Das gehört nicht zur Sache. Verstehst du, einen
alten Schaden recht aus dem Fundamente zu curi
ren? Niclas. Aus dem Fundamente. Ich habe noch letztlich
dem Schäfer eine Fistel zugeheilt. v.N. Ich höre, du bist ein geschickter Kerl. Pack deine
Zangen, Sägen, Hacken, Pflaster, Salben und
Büchsen zusammen ein; leg deine gute Hosen und etliche Hemden zurechte, dass du alle Stunden aufbrechen kannst. Den Tag kann ich dir noch nicht sagen; aber ich erwarte dieserwegen einen Brief: alsdenn sollst du Nachricht davon bekommen. Niclas. Ihr Gnaden werden mir doch den Ort sagen, wo Sie hin wollen? v.N. Nach Bologna, wenn du weisst, wo das liegt. Niclas. Nein, das weiss ich nicht. Wie viel Stunden liegt der Ort von hier? v.N. Tummer Teufel! frag lieber, wie viel hundert Meilen. Hast du niemals was von Italien gehört? Niclas. Bewahr mich Gott für Italien! da wohnt ja der Pabst! Nein, dahin bringt mich kein Mensch. v.N. Der Pabst wird dich alten Esel nicht fressen. Mach mir nur keine Schwürigkeiten. Du musst mit, und wenn ich auch in die Türkei ging. Niclas. Gnädiger Herr, was würde meine Frau sagen? Ich dürfte ihr nicht wieder unter die Augen, wenn ich so weit weg ging. v.N. Hat deine Frau auch ein Votum' bei der Sache? Die kann ganz ruhig sein, und Statt deiner die bauern im dorf scheeren. Niclas. Ja, das könnte sie einiger masen: sie schiert aber Niemanden sonst, als mich, und das zwar alles privatim, damit es die andern Barbier nicht erfahren und mich strafen. v.N. Höre, Wurm, kann deine Frau mit deinem Bart zurecht kommen; so kann sie es mit andern Männern ihren Bärten auch. Mach nur keine Weitläuftigkeiten, du bist mir bei dieser Reise unentberlich; denn du sollst einen vornehmen italienischen Herrn curiren. Ich will dich reichlich bezahlen, und es auch einst deinen Kindern geniessen lassen. Niclas. Alles gut. Wenn es nur nicht zu weit wär. Ich scheue mich für dem wasser, als wenn mich ein toller Hund gebissen