es nur, um meinem Muster ähnlich zu werden, und meine Handlungen mit den seinigen vollkommen übereinstimmend zu machen; Da ich aber endlich einsahe, dass meine häuslichen Umstände es nicht länger leiden wollten, ohne Frau zu leben, und überdieses die Possen mir anfingen zu gefallen: so tat ich, wie Sie wissen, mit Ernst zur Sache, und hoffte, damit bald zu rand zu kommen. Allein ich weiss nicht, wie sich seit dreissig Jahren die Welt verändert hat, was man damals in einem Tage ausrichten konnte, dazu braucht man jetzt ein Jahr, und wenn man alles getan hat, und sich keine Mühe verdrüssen lässt, und endlich das Ding bei Lichte besiehet, so weiss man nicht, ob man verraten oder verkauft ist. Mir wenigstens gehet es jetzt so, ich weiss nicht, ob ich eine Braut habe oder nicht. Inzwischen bin ich kein Feind von der Mode, und wenn es so sein muss, dass man bei der Liebe, wie im Kriege, oft eine ganze Campagne mit dem Feinde harcelliret, ohne dass es zu einer entscheidenden Action kommt, so lasse ich mir es auch gefallen, wenn sich nur der Sieg auf meine Seite lenkt. Aber hier ist der Knoten. hören Sie ein Wort im Vertrauen! Lampert hat mir wunderliche Dinge von dem Major in den Kopf gesetzt. Er ist ein schlauer Kaper, und macht Jagd auf das Fahrzeug, das für meine Rechnung gehöret, ich denke er hat es schon beim leib, und wird es bald für eine gute Prise erklären. Das wäre ein schlimmer Streich, wenn er meine Byron entführte, es stehet Gefahr dabei, ob ich sie wieder erhaschen würde, wie Herr Grandison die seinige. Doch diesem Uebel kann schon vorgebogen werden, nur so, dass ich nicht mit ihm in neue Händel verwickelt werde: das wäre eine Abweichung von Sir Carln, dieser hat nur einen einzigen Zwist mit Sir Hargraven gehabt, und hernach blieben sie gute Freunde. Doch das wird sich schon geben. Was meinen Sie, habe ich die Sache bei meiner Heirat am rechten Orte angegriffen, oder nicht? Ich versprach mir einen guten Fortgang von meinem Vorhaben, ich dachte, Herr Grandison hat alle Mädchens fesseln können, eine ist ihm einige hundert Meilen nachgelaufen, eine andere ist gar über ihn närrisch geworden, und seine Frau hat vor sehnsucht einen Anfall der Schwindsucht bekommen, dass er nicht so bald als sie: gewünschet, Hochzeit gemacht. Ich habe mein Gedächtnis, meine Leidenschaften, meinen Körper strappaziret wie die Hunde, um ihm so ähnlich zu werden, als mir möglich gewesen; ich habe meine Wirtschaft, und überhaupt alles, was nur einer Veränderung fähig ist, nach dem Geschmack des Herrn Grandisons eingerichtet; von mir bis auf meinem Wigand, den ich Jeremias nenne, ist alles Grandisonisch, und es fehlet mir nichts, als ein Fresko, den ich mir auch noch anzuschaffen gedenke: dem ungeachtet will es bei den Mädchens nicht recht mit mir fort. Ich habe hinüber meine eigene Gedanken, und glaube, unsere Nymphen sind nicht sein genug, die Schönheiten des Verstandes, die bei andern Nationen am ersten in die Augen leuchten, zu empfinden. Herr Grandison ist auch in Deutschland gewesen, aber ich habe in seinem buch nichts finden können, dass sich ein deutsches Frauenzimmer in ihn vergafft hätte, und es scheinet, dass er sich deswegen auch so bald wieder aus unserm vaterland fortgemacht hat, weil er darinne nicht sein Conto gefunden. Indessen ist es doch ein Wunder, dass seine geschichte bei unserm Frauenzimmer so vielen Beifall gefunden hat, da man weder das Original noch die Kopie nach Würden schätzet. Ich vermute daher ganz sicher, dass wenn ich bei dem fräulein v.W. und ihrer Mutter, meinen Liebesantrag nach deutschem Gout gemacht, und die Gespenstererscheinung und dergleichen Possen weggelassen hätte: so würde ich bei der Mutter und Tochter weit eher zum Zweck kommen sein, denn was den Vater betrifft, der würde zufrieden gewesen sein, wann ich auch auf türkische Manier um seine Tochter geworben hätte. Deswegen habe ich den Vorsatz gefasst, ob gleich Lampert sehr darwider eifert, meinen Kopf einmal aufzusetzen, und wie es Sitte ist in unserm land, um das fräulein v.W. ordentlich werden zu lassen. Sie sollen noch diesen Winter bei mir einen Pelz verdienen, und wenn ich ihn auch sollte aus Siberien holen lassen. Ich habe nicht ein so enges Gewissen, dass ich mir es gleich zu einem Verbrechen anschreiben sollte, wenn ich auf dem Wege, worauf ich bisher Fuss vor Fuss dem Herrn Grandison, nach seinem eignen Geständnisse, gefolget bin, auch dann und wann aussteche, und meine eigne Gleise mache. Mein drolligter Kerl von einem Magister will dieses zwar nicht gut heissen, und drohet sogar, in Grandisonhall mich deswegen zu verklagen: aber wenn ich ihm vorwerfe, dass er sogar ein Pasquill auf den Baronet geschrieben hat, so muss er schweigen. Dieser Vorwurf ist ein eiserner Rinken für diesen Bär, dadurch ich ihn, wenn er anfängt zu brummen, sogleich beruhigen kann. Sagen Sie mir doch, ob Sie für nötig halten, dass ich einen Deputirten an den Herrn v.W. und seine Frau abschicke um noch einmal für mich um das fräulein anzuhalten, oder ob ich dieses in eigner person tun soll; desgleichen, wie man es heute zu Tage anfängt, sich bei den Mädchens einzuschmeicheln, ob es noch Mode ist,