eitlen Ruhm zu suchen, ein nützlicheres Mitglied des Staates, als dieser grosse Römer, wenigstens habe ich in der Welt nicht so vielen Schaden angerichtet, und nicht so viele tausend Menschen meiner sehnsucht zum Opfer gebracht. Hat er mich gleich nicht auf eine so grobe Art todtgeschlagen, wie Brutus und Cassius den Cäsar; so hat er mich doch auf eine subtile Art todtgeschlagen: denn er hat mir meine Ehre geraubt, weil er meinen Namen gemissbraucht, solchen einer Lästerschrift vorzusetzen, und mich sogar gezwungen, sie zu entwerfen; er hat mich todtgeschlagen, indem er durch eine so tirannische Zundtigung, die mit den schrecklichsten Drohungen begleitet war, mich in solche Gemütsunruhe versetzet, dass es kein Wunder sein würde, wenn ich wie jener Prinz in einer Nacht grau worden wäre, wie denn meine Gesundheit ein merkliches dadurch gelitten, und mein Lebensfaden vieles von seiner Länge verlohren hat. Da es also erwiesen ist, dass der Boshafte einen nützlichern Weltbürger todgeschlagen, als Cassius und Brutus, so ist klar, dass die Uebeltaten des erstern grösser sind als des letzteren, und mitin auch der nachdrücklichsten Ahndung würdig sind.
Die mehresten Kaiser der ersten Jahrhunderte werden als abscheuliche Unmenschen voll den Schriftstellern abgeschildert, die Herren, welche ein so schreckliches Bild entworfen, haben nie einen Tirannen vor sich gehabt, sie würden sonst gelinder mit ihnen verfahren sein. Warum muss ein Tiber alle erdenkliche Schmähreden über sich ergehen lassen, weil er einen Bürgermeister hinrichten liess, der einige Stücke Geld mit des Kaisers Bildnisse bezeichnet, in seinen Beinkleidern mit dahin genommen,
Da, wo man nach der Wand den blossen rücken
kehrt?
Ein Caligula, weil er die erledigte Oberstelle im römischen Rate seinem Gaule zugedacht hatte; weil er die Verschwendung so hoch trieb, dass er RebhünerEier, Pfauenzungen, und das Gehirne der Krammetsvögel speiste? Ein Nero, dass er einigen Eseln, die besonders bei ihm in Gnaden stunden, goldne Hufeisen auflegen liess; dass er mit goldnen Netzen fischte, und die Stadt Rom einmal anzünden liess, um als ein guter Kritikus, eine Stelle des Homers, die nicht nach der natur gemahlet schien, zu erläutern? Waren diese Herren lasterhaft, tirannisch und verschwenderisch, so waren sie Kaiser und keine Privatpersonen; sie liessen bei allem Unfug, den sie anrichteten, die Gelehrten in ihren Würden, und wenn ja einmal Nero gegen seinen Lehrmeister grausam ist, so darf dieses Herr Salmonet mit einem Gelehrten, der ihm nie in irgend einer Wissenschaft Unterricht gegeben, nicht gleich nachtun. Ueberdieses waren jene Herren grosse Monarchen, die ihrer Untertanen Leben und Vermögen als ihr Eigentum betrachteten; allein wodurch hat ein verdammter Irrländer dieses Recht herbekommen, gegen einen deutschen Gelehrten einen solchen Despotismum auszuüben? Je weniger sich diese malitiöse Handlung des Verwegenen durch etwas beschönigen lässt, desto grösser wird die Sittlichkeit derselben, und es muss, ohne weitern Beweis zu führen, zugegeben werden, dass, da seine Bosheit grösser ist, als der ruchlosesten Leute, die jemals der Erdboden getragen hat; er auch würdig wäre, ärger als Damien und andre Ungeheuer der natur, andern zum Abscheu, wegen dieser Misshandlung bestraft zu werden. Doch hierinne habe ich der Gerechtigkeit nichts vorzuschreiben. Eu. Gn. werden nach Dero beiwohnenden Klugheit schon wissen, sorge zu tragen, dass er seiner Strafe nicht entgehet. Ich empfehle Hochdenenselben diese Angelegenheit eben so sehr, als meinen gönner und die gesammte Anzahl Dero Verehrer in hiesiger Gegend, worunter ich vorzüglich gehöre, und verharre mit lebenswäriger Hochachtung
Eu. etc.
untertäniger Diener
M.L.W.
Beilage.
Dass Vorzeiger dieses, Tib. Plen. Herr Lampert Wilibald, der freien Künste Magister, nicht leichtsinniger Weise oder durch Verheissungen und Geschenke, sondern vielmehr durch militarische Bewegungsgründe und Androhung schwerer Pön ist angetrieben worden, auf Verlangen des Rittmeisters Salmonets, jedoch wider seinen Willen und Neigung, eine der Ehre des hochberühmten Herrn Carl Grandisons Baronets nachteilige. Schrift abzufassen, solche aber, so bald er es ohne Leibesgefahr tun können, öffentlich wiederrufen und zum Feuer verdammt; auch eine Abschrift davon in optima forma, in meiner und anderer glaubwürdigen Personen Gegenwart, wirklich ins Feuer geworfen und verbrannt hat: solches habe hierdurch bei meinem Ehrenwort nicht nur bezeugen, sondern auf dessen Verlangen, gegenwärtiges schriftliches Testimonium hierüber auszustellen, nicht ermangeln wollen. So geschehen Schöntal, den 16 Nov. 17 – –
v.F.
III. Brief.
Der Herr v.N. an den Baron v.F.
Kargfeld, den 30 Nov.
Wertester Freund,
Sie werden sich verwundern, dass ich an Sie schreibe, da wir uns doch mündlich miteinander besprechen könnten; es ist wahr, ich habe keine Abhaltungen, Sie zu besuchen, ich werde es auch vielleicht heute oder morgen tun, und es kann sein, dass ich Ihnen meinen Brief selbsten zustelle: aber dem ungeachtet wird er nicht überflüssig sein. Ich will Sie wegen einer gewissen Sache, die mir am Herzen liegt, zu Rate ziehen, und bitte mir diesen schriftlich aus. Wenn wir uns mündlich über diese Angelegenheit besprechen wollten, so könnte leichtlich ein Wort das andere geben, Sie kennen meine Gewohnheit, dass ich mir nicht gern widersprechen lasse, zum Disputiren hab ich kein sonderliches Talent empfangen, und unrecht habe ich auch nicht gerne: inzwischen denke ich, einen schriftlichen Widerspruch eher zu verdauen als einen mündlichen. Lassen Sie Sich also die Sache vortragen. Sie wissen wohl, dass ich nach dem Beispiele meines Anfang tat ich