stellen wollte.
Ob ich nun gleich nach einer genauen Zusammenhaltung aller Umstände mir in meinem Betragen bei dieser Sache nichts vorzuwerfen habe; so kann ich doch nicht umhin, Eu. Gnaden untertänig zu entdekken, dass meine philosophische Gemütsruhe seit dieser Affaire vieles gelitten hat. Ich bin ein rechter Heavtontimorumenos und diese animi patemata wirken dergestalt auf meinen Körper, dass sie mich beinahe völlig um meinen guten Appetit und Schlaf gebracht haben, und ich daher in Sorgen stehen muss, eins Auszehrung zu bekommen, wenn Hochdenenselben nicht gefallen wollte, meine Handlung zu rechtfertigen, mich von aller Schuld und Vergehung gegen Dero hohe person loszusprechen, auch meinem Patron, dem Herrn v.N. nachdrückliche Vorstellung zu tun, damit er nicht aus einem übertriebenen Eifer für Dero Ehre mir täglich so viele beissende Vorwürfe mache. Ich verlasse mich hierinne gänzlich auf Dero angestammte Grossmut, so wie ich Ihre Gerechtigkeit auffordere und Sie hierdurch beschwüren will, sich und mich und die ganze ehrliebende Welt, welche durch die Vorspieglungen des ruchlosen Salmonets hat hintergangen werden sollen, an diesem Auswurf der natur und der rechtschaffenen irrländischen Nation aufs nachdrücklichste zu rächen, und diese unbeschreibliche Effronterie entweder dem Parlement, oder der hohen Generalität anzuzeigen, auch ohnmassgeblich dahin anzutragen, dass dieser bösartige Mensch von seinem Commando avociret, gerichtet und verurteilet werde, dass er wenigstens auf zehen Jahre aus seinem vaterland zu den wilden Iroquoisen nach America, wohin er sich eher schickt als in das gesittete Deutschland, welches er mit Uebeltaten erfüllet, verbannet werde.
Glauben Sie indessen nicht, hoher gönner, dass ich aus einer Privatrache den leidigen Salmonet exemplarisch bestraft zu sehen wünschte, ich würde ihrer achtung unwürdig sein, wenn ein so strafbarer Affect in mir herrschte, und zu diesem Wunsche gelegenheit gegeben hätte. Persönlich habe ich nach Dero Beispiele ihm alles grossmütig verziehen, ich bedaure ihn wie einen armen Sünder, den man an die Gerichtsstätte führen siehet, ich wünschte, dass ich alles mit dem Mantel der christlichen Liebe bedecken könnte. Allein nach dem Triebe der Gerechtigkeit, welcher mir eigen ist, kann ich solche Vergehung mit Stilleschweigen nicht übergehen: denn ich halte dieses Mittel, der Bossheit Einhalt zu tun, nicht zureichend, wenn man sie übersiehet, sondern, wenn man sie an den Tag bringt, dass sie andern zur Warnung bestraft werde. Aus diesem grund glaube ich, wenn anders Eu. Gn. nicht durch meine Freimütigkeit beleidiget werden, dass Dero grossmütige Vergebung und Unterdruckung des strafbaren Attentats, des Majors und des Rittmeisters auf Dero person, zwar in tesi lobenswürdig ist, in hypotesi aber und mit kritischen Auge betrachtet, scheinet, quod pace tua dixerim, diese Grossmut mehr verschwendet als wohl angewendet gewesen zu sein. Hätten Sie diese beiden Männer der Gerechtigkeit damals nicht entzogen, so würden sie vielleicht beide dadurch abgehalten worden sein, neue Uebeltaten zu begehen. Was den Major anlanget, so getraue ich mich nicht zu entscheiden, ob er wirklich durch ihr Grossmut ist beschämet worden und in sich gegangen ist; oder ob seine gute Aufführung, die er nachher beobachtet hat, nicht eher einer Verstellung als einer wirklichen Lebensbesserung ähnlich siehet, wenigstens ist es es gewiss, dass der Rittmeister dadurch nur destomehr ist angefrischet worden, neue molimina gegen Hochdieselben zu unternehmen, wovon ich auch zugleich ein unglückliches Object gewesen bin. Ich will hiervon nichts weiter gedenken, Sie, hoher gönner, haben viel zu erleuchtete Einsichten, als dass Sie nicht hierinne mit mir übereinstimmen sollten, dass die Bossheit muss bestraft werden, und dass einfolglich dieser Ruchlose, wenn anders in der Welt noch einige Gerechtigkeit gehandelt wird, den an Ihnen und mir verübten Frevel wird büssen müssen.
Ich habe mich anheischig gemacht, den Charakter dieses Mannes zu schildern, aus dem, was ich bereits gesagt habe, ist er sichtbar genug; doch damit er desto deutlicher in die Augen falle, so erlauben Eu. Gn. dass ich aus der geschichte einige der berühmtesten Bösewichte aufstelle, und sie mit diesem in eine Vergleichung setze, um zu beurteilen, ob die Uebeltaten der erstern oder des letzteren ein grösseres Gewicht haben.
Welch a bscheulich Gemählde machen die Liebhaber der Altertümer von dem Herostrat, der den prächtigen Tempel der Diane zu Ephesus in die Asche geleget! Es ist nicht zu läugnen, er war ein böser Bube, allein was tat er anders, als dass er einen heidnischen Tempel und abgöttisches Bild verwüstete? der Rittmeister Salmonet ist ein andrer Mann, er verschwendet seine Bosheit nicht an leblose Geschöpfe; er wütet gegen lebendige Creaturen, gegen vernünftiVerdienst. Er als ein elender Zwerg steigt gleichsam den Riesen auf die Schultern, und tritt sie mit Füssen, damit er nur von andern möge gesehen werden. Er ist wie eine schelmische Mücke, die sich unterstehet, mit ihren vergifteten Stachel ein edelmütiges Pferd zu verwunden, das doch im stand ist, ein solch unedles Insekt mit seinem Otem zu verschlingen.
Brutus und Cassius, die Anführer der Rotte, die dem grossen Cäsar den Tod geschworen hatte, brachten diesen Helden auf eine grausame Art um; aber was war ihre Absicht? Die Freiheit des Vaterlandes zu retten, und Rom von der Knechtschaft zu befreien, folglich hatten sie das gemeine Beste zum Augenmerk. Bin ich gleich nicht ein Held, dass ich, aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, mit dem Cäsar könnte in Vergleichung gesetzet werden, so war es auch kein Gelehrter, der mit akademischen Ehren pranget, wie ich, und vielleicht bin ich, welches ich doch nicht sage, um