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Menschen, wenn ihm dieser letzte Name anders noch zukommt, und er nicht vielmehr ein Ungeheuer oder Meerwolf genennet zu werden verdienet, einigermassen unvollständig ist.

Es kann Ihnen nicht unbekannt sein, dass er sich unter den königlichen Truppen in Deutschland befindet. Ein unglückliches Schicksal wollte, dass er mit seinen ihm untergebenen Leuten auf dem Hochadlichen Rittersitze des Herrn Baron v.F. zu Schöntal einige Tage sein Quartier bekam. Er legte den Wolfspelz ein wenig im Anfange bei Seite, und trug Verlangen, die Verehrer Eu. Gnaden, von welchen er durch den Herrn Major Ohara und die Madame Beauchamp einige Nachricht erhalten, persönlich kennen zu lernen. Jedermann drang sich zu ihm, um einen Mann, der zufälliger Weise nichts geringes beigetragen hat, Dero Ruhm in ein helleres Licht zu setzen, gleich einem ausländischen wilden Tiere in Augenschein zu nehmen; doch plötzlich riss sich dieser Panter von der Kette, ersahe unter allen Anwesenden mich zum Raube seiner Grausamkeit, sprang nur auf den Hals und würgete mich wie ein unschuldiges Lamm, das ist, er nötigte mich unter vielen Drohungen, eine ehrenrührige Schrift wider Eu. Gnaden aufzusetzen, mit dem Vorsatze, solche der Welt durch den Druck öffentlich vor Augen zu legen, und dadurch Dero berühmten und heldenmütigen Namen ein Klebesleckgen anzuhängen. Ich bin versichert, dass Sie mir als Dero eifrigsten Verehrer kaum werden zutrauen können, dass ich gegen Dero hohe person die Feder angesetzt haben sollte; ich entsetze mich gegenwärtig vor mir selbsten und schlage mich ins Angesicht, so oft ich daran gedenke. Ich habe die glückliche gelegenheit, mich um Sie verdient zu machen, aus den Händen gelassen; ich habe mich durch Drohungen erschrecken und eintreiben lassen, meinen, und welches ich ohne eitlen Ruhm sage, Ihren ähnlichen charakter zu verläugnen, und doch gleichwohl bin ich, welches paradox scheinet,

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Es ist wahr, ich habe mich durch diese Affaire nicht, wie ich wünschte, um Sie verdient gemacht, und deswegen bin ich auch nicht gesonnen, mich so weiss zu brennen, dass ich alle menschliche Schwachheit, die ich etwa in dieser Sache gezeiget, von mir removiren wollte: aber ich habe mich auch keines Hochverrats gegen Dieselben, wie mir von einigen will aufgebürdet werden, schuldig gemacht. Vernehmen Sie den ganzen Verlauf der Sache in zwei Worten, und hernach fällen sie mein Urteil.

Nachdem der Rittmeister Salmonet sich auf dem schloss des Herrn v.F. mit mir in eine weitläuftige Unterredung von der Attaque, welche er, nebst dem Major Ohara auf Dero person in London geführt, eingelassen, und seine ganze Beredsamkeit angewendet hatte, dieser für ihn so nachteiligen Begebenheit durch allerlei Erdichtungen einen solchen Schwung zu geben, dass sie mehr zu seinem und seines Consorten als zu Dero Vorteil angeblichermassen sollte ausgefallen sein; auch hiernächst den Herrn Richardson eines gröblichen Falsi beschuldigte, als hätte er Dero an den Herrn D. Bartlett abgelassenes Handschreiben, worin diese Sache erzählet wird, unendlicher Weise verfälschet, viele Umstände herausgelassen, verändert, und die ganze Sache so bemäntelt, dass Dero Ehre zwar gerettet, seine und des Herrn Majors Ehre aber aufs heftigste dadurch wäre angegriffen und gemisshandelt worden, und er denn nicht gemeinet sei, länger in den Augen des ganzen erlauchten europäischen Publici, für einen Poltron gehalten zu werden, da er insbesondere in dem jetzigen Kriege, bei den Feinden seines Königes und der Brittischen Nation, durch seine Tapferkeit und Kriegeserfahrung, sich in eine solche Reputation gesetzt, dass sie ohne Schrekken nicht an ihn gedenken könnten: so ersuchte er mich, wie er sagte, auf Recommendation des Herrn v. Ln. seines Freundes, der ein deutscher Cavalier ist, wegen meiner von diesem ihm angerühmten Geschicklichkeit seine gute Sache vor der ganzen honetten Welt öffentlich zu verteidigen. Zu dem Ende ersuchte er mich im Anfang auf eine freundschaftliche Art, eine mit vielen Erdichtungen und unwahrscheinlichen Umstände ausgeschmückte Nachricht, dem von dem Herrn Richardson Ihrer geschichte einverleibten Briefe entgegen zu setzen, und mitin gegen den Herrn Richardson oder vielmehr gegen Hochdieselben die gelehrten Waffen zu ergreifen. Wie ich nun dieses höchlich verbat und mich weder durch Verheissungen noch Liebkosungen zu einen Lügenpropheten wollte missbrauchen lassen: so erschien er plötzlich nach abgelegten Fuchsbalg in der Löwenhaut, und unterstund sich, durch allerhand militarische Zwangsmittel, die mir noch, so oft ich daran gedenke, einen febrilischen Schauer erregen, mich zur Vollstreckung seins Willens zu nötigen. Ich tat, was man von dem charakter eines ehrlichen Mannes verlangen kann, und widerstund dem Versucher mascule, wie solches angebogenes Testimonium mit mehrerm bezeiget; jedoch da ich mich in seiner Gewalt befand, und er mit mir umspringen konnte, wie er nur wollte, auch die Gefahr, in welcher ich mich befand, vor Augen sah, und zugleich überlegte, dass es mehr eine tadelhafte Hartnäckigkeit als eine lobenswürdige Tapferkeit sei, sich einer überlegenen Macht zu widersetzen, und mutwillig den Kopf gegen die Mauer zu stossen: so erachtete ich der Klugheit gemäss zu sein, mich dismal weislich in die Zeit zu schicken, und der Gewalt zu weichen. Diesem Entschluss zu Folge verfertigte ich zwar den mit Gewalt von mir erzwungenen Aufsatz, jedoch mit der ausdrücklichen Reservatione mentali, dass ich solchen, wenn er auch unter meinem Namen, um ihn, wie ich vermute, in Deutschland mehreres Ansehen zu verschaffen, sollte aus Licht treten, niemals für meine Arbeit erkennen, sondern, sobald er mir unter die Augen treten würde, ihm eine gründliche Beantwortung entgegen