Schicksal ertragen haben, und nicht einmal den Affront, den sie von den Bedienten des Baronets erlitten, zu rächen suchten; ja sie waren so edelmütig, dass sie ihre Hüte und Degen von Sir Carls Bedienten wollten einlösen lassen, welche Siegeszeichen er ihnen aber unentgeltlich überschickte.
Dieses ist die autentische Relation, des ganzen Vorganges dieser berüchtigten Sache, die in Europa hin und wieder vieles aufsehen gemacht hat. Man hofft die gegenseitigen Erdichtungen genugsam widerlegt zu haben, dergestalt, dass ein unparteiisches Publicum nunmehr keinen Anstand nehmen wird, solche als falsch und ungegründet zu verwerfen, und im Gegenteil die geschmälerte Ehre des Herrn Majors Ohara und Herrn Hauptmann Salmonets wieder herzustellen, und alle ungleiche Urteile auf den Verfasser obenangezogenen briefes zurückfallen zu lassen. Wobei man sich schlüsslich zur Gewogenheit eines Publici bestens empfiehlt.
Dritter teil
I. Brief.
Lampert Wilibald an den Herrn v.F.
Kargfeld, den 16 Nov.
Es hat mir gestern das fräulein v.S. unversichert, dass Eu. Hochwohlgebohrn. Gnaden heute an den Herrn v.S. ein Schreiben würden abgehen lassen, und ich glaube dadurch eine erwünschte gelegenheit zu finden, inneliegenden Brief sicher nach England zu bringen; da der junge Herr sich anheischig gemacht, von Strassburg aus den Briefwechsel mit den Brittischen Freunden zu unterhalten. Sie werden also für meinen gönner die Gewogenheit und für mich die Gnade haben, dieses Schreiben mit einzuschliessen; auch beigelegtes zeugnis zu Rettung meiner Unschuld mit Dero hohen Namen zu bekräftigen. Ich habe nicht Umgang nehmen können, die bekannte Affaire mit dem verwünschten Salmonet, welcher in Wahrheit ein rechter Satan ist, an den Herrn Grandison einzuberichten, damit dieser Verwegene für seine Bosheit gezüchtiget werde, und meine Unschuld in puncto der Schmähschrift, welche ich gegen den Herrn Baronet aufzusetzen bin gezwungen worden, an den Tag komme.
Es ist zwar andem, dass meine Hand ist gemissbraucht worden, aber mein Herz ist unschuldig, und daher hoffe ich, dass dieser grossmütige Mann desto geneigter sein wird, mir zu verzeihen, je weniger mein Betragen in dieser gefährlichen Sache nach reiflicher Erwägung der antecedentium, concomitantium et confequentium mir zur Last geleget werden kann. Hat man, nach dem Urteile vieler Gelehrten, den Menschen von dem Schriftsteller zu unterscheiden, dergestalt, dass die Fehler des einen, dem andern nicht zugerechnet werden; so kann ich mit mehrerem Rechte verlangen, dass man einen Unterschied unter dem Magister und dem Menschen mache. Hat der letztere aus menschlicher Schwachheit, oder genauer zu reden, aus Klugheit ein grösseres Uebel, das seiner Ehre eben so sehr als seinen Schultern drohete, abzuwenden, ein kleineres angerichtet, so hat der Magister nichts damit zu schaffen. Urteilen sie hieraus, ob mein Herr Principal nicht zu weit gehet, wenn er einen ehrvergessenen Mammelucken aus mir machen will, weil ich nach den Regeln der Klugheit einmal anders gehandelt als gedacht habe. Ich hoffe aus England, wohin ich appelliret habe, ein günstiger Urteil zu erhalten als von meinem Patron, welcher so sehr für die Ehre seines Herrn Gevatters eingenommen ist, dass er mich aus der Zahl der rühmlichen Nachfolger dieses grossen Mannes gänzlich ausschliessen will, ungeachtet ich nach allen Regeln der Beredsamkeit ihn zu überzeugen gesucht habe, dass ich vorzüglich darunter gehöre. Es ist andem, dass ich an dem unglücklichen Tage, der mich auf einige Stunden zum Sclaven eines Tirannen machte, mich nicht als einen mutigen Achill, aber doch gewissermassen als einen verschlagenen Ulyss gezeiget habe. Temporibus caute est inserviendum. Wenn ich den ganzen Vorgang der Sache ohne Vorurteil erwäge, so glaube ich mehreres Lob als Tadel zu verdienen.
Es würde mir indessen zu einer ungemeinen Beruhigung gereichen, wenn Eu. Gnaden sich hierüber expectoriren wollten, ob ich in der Standhaftigkeit den Herrn Grandison zu verteidigen hätte fortfahren sollen, oder ob ich weislicher gehandelt habe, dass ich der Gewalt nachgegeben. Würden sie die Sache zu meinem Vorteil entscheiden, so hätte ich Hoffnung, wieder an die Tafel meines Patrons aufgenommen zu werden, jetzt werde ich wie ein Aussätziger geachtet; mein Herr will weder mit mir essen noch trinken, so lange er in den Gedanken stehet, ich hätte der Ehre seines Freundes durch mein Verfahren, einigen Eintrag, getan. Jedoch vermutlich will er nur dadurch meine philosophische Standhaftigkeit prüfen, und ich werde mich bemühen, zu zeigen, dass ich nicht nur in teoria, sondern auch in praxi eben so wohl ein Philosoph bin, als von
Eu. Gnaden
ein untertänigster Diener
M.L.W.
II. Brief.
An Herrn Grandison Baronet, von Herrn Lampert
Wilibald, der freien Künste Magister.
Kargfeld, den 15 Nov.
Dass der Rabe ein Rabe bleibt, wenn man ihm auch gleich alle schwarze Federn ausrupfen wollte, und dass ein lasterhafter Mensch, dem das Laster zur andern natur geworden ist, ein Bösewicht bleibt, wenn die Tugend auch gleich alle ihre Reizungen anwendet, ihn zu bessern: solches ist eine betrübte aber unumstösliche Wahrheit. Ein unedles Metall lässt sich durch die Kunst in ein edlers verwandeln; aber bei einem bössartigen Gemüt ist alle Kunst verlohren. Lassen Sie, hoher gönner, zur Erläuterung dieser Wahrheit den Rittmeister Salmonet als ein Beispiel dienen, und erlauben Sie grossgünstig, dass ich Ihnen das erschreckliche Bild dieses Mannes mit lebendigen Farben abschildern darf. Sein charakter ist Ihnen zwar sattsam bekannt; allein da er gegen Sie niemals seine Bossheit in ihrem ganzen Umfange hat ausüben können: so schlüsse ich daraus wahrscheinlich, dass Ihr Begriff von diesem ruchlosen