das Original davon meinem Briefe mit beifügen, du wirst leicht einsehen, welchen Zwang der Magister bei Verfertigung dieses Aufsatzes sich hat antun müssen. fräulein Julgen ist mit dieser heimlichen Rache gegen den boshaften Lampert nicht sowohl zufrieden als ich. Sie ist ein liebes frommes Kind, die keine Beleidigung rächen, sondern nur verzeihen will. Meine sechs Federn sind nun eben stumpf, ich will also mein Paquet geschwinde zusammen packen. Wenn es dir in Strassburg nicht so wohl gefällt als in Londen; so verschaffe uns bald das Vergnügen, dich in Schöntal zu sehen, um von mir die mündliche Versicherung zu erhalten, dass ich nie aufhören werde zu sein
Deine
A.v.S.
Avertissement
An das Publicum.
Es ist nicht ohne die äusserste Befremdung zu vernehmen gewesen, was massen der Herausgeber der geschichte Herrn Carl Grandisons, sich die ungeziehmende Freiheit genommen hat, einige Briefe in besagter geschichte nach seinem Gutdünken zu verändern und zu verfälschen, dergestalt und also, dass er sich nicht entblödet hat, aus solchen einige wichtige Umstände ganz und gar wegzulassen, oder zu verdrehen; nicht minder seine eigenen Erdichtungen und Hirngespinnste an deren Stelle zu setzen, und sie für die reine Wahrheit zu verkaufen. Da nun durch solche arglistige Griffe sowohl das Publicum auf eine schändliche Art ist hintergangen, als auch verschiedene Personen durch diese ungetreue Erzählung an ihrer Ehre und guten Namen heftig sind gekränket worden: so hat man nicht Umgang nehmen wollen, eine abgenötigte Ehrenrettung, der, von dem Herrn Herausgeber so feindselig angegriffenen Personen, öffentlich an das Licht zu stellen, und dadurch ein unparteiisches Publicum von der Wahrheit der Sache genau zu informiren, die fabelhaften Erdichtungen in ihrer Blösse darzustellen, und ihre Urheber für seine Verwegenheit dadurch einigermassen büssen zu lassen.
Nie ist wohl die Wahrheit mehr gesparet worden, als bei Erzählung des Duells zwischen Herrn Carl Grandison Baronet an einem, und S.T. Herrn Major Ohara und dem Herrn Hauptmann Salmonet am andern Teile. Ob man gleich genugsam überzeugt ist, dass jedem vernünftigen Leser sogleich bei Erblickung dieser Relation, welche im 3ten Teile der Grandisonischen geschichte und daselbst im XIII. Briefe aufgezeichnet zu ersehen ist, die handgreiflichsten Unwahrscheinlichkeiten, damit am besagten Orte einige Blätter angefüllet sind, notwendig in die Augen leuchten müssen, und man also die ganze Sache dem vernünftigen Urteile des billigen Lesers hätte überlassen können: so hat man doch um der schwachen Brüder willen, die des judicii discretionis sich nicht sonderlich rühmen können, und aus Liebe zur Wahrheit, einige Umstände dieser Erzählung in etwas beleuchten wollen, um solche von den vorsetzlichen Erdichtungen des Verfassers zu säubern, und Licht und Finsterniss, das ist, Wahrheit und Lügen in diesem Chaos von einander abzusondern. Es ist demnach
1.) Ueberhaupt eine strafbare Verwegenheit, wenn dieser ganze Brief, so wie er in bemeldter geschichte dem Publico vor Augen liegt, dem Herrn Carl Grandison angedichtet wird. Wahr ist es, dass Sir Carl den ganzen Verlauf des Rencontres mit dem Herrn Major Ohara und dem damaligen Titularhauptmann, jetzigen wirklichen Rittmeister in Königl. Grossbrittannischen Diensten, Herrn von Salmonet, an Se. Hochwürden, Herrn D. Bartlett, aufrichtig und mit der Wahrheit übereinstimmend berichtet hat. Es ist dieser Brief aber von dem Herrn Herausgeber entweder ganz und gar unterschlagen, oder durch viele erdichtete Zusätze so verunstaltet worden, dass ihn Sir Carl gar nicht mehr für den seinigen erkennt, wie er dieses selbst gegen viele glaubwürdige Personen, die allenfalls alle mit Namen angeführet werden könnten, gestanden hat. So ist auch
2.) Grundfalsch, wenn der Verfasser dieses untergeschobenen Briefes Sir Carln mutmassen lässt, die beiden Herren wären gemeine Kerls und keine Officiers, die von der Frau Jervois nur wären herausgeputzet worden, da doch mehr belobter Herr Hauptmann Salmonet jetzt in Deutschland unter den englischen Truppen mit vielem Ruhme ein Geschwader Reuter commandiret, und sich vorgenommen hat, die Feinde seines Königes und des Vaterlandes zu überwinden, oder zu sterben. Es konnte auch Sir Carln ganz und gar nicht einfallen, an dem guten Herkommen dieser beiden Herren zu zweifeln, da der Herr Major gleich nach den ersten steifen Complimenten, die beide Teile einander machten, sein Geschlechtregister nebst allen Documenten seines guten irrländischen Adels, welches zusammen im Druck einen ziemlichen Quartanten ausmachen dürfte, dem Baronet in einer Schnupftobacksdose darreichte, von welcher doch der Verfasser ein ganz andres Mährgen erzählet. Man hat nicht Ursache über dieses compendiöse Behältniss eines so weitläuftigen Werkes in Verwunderung zu geraten, da man ja ungezweifelt weiss, dass in dem Altertume eine Abschrift der ganzen Ilias des Homers, auf Pergament geschrieben, in einer Nuss ist aufbehalten worden. Was aber das Geschlecht des Herrn Salmonets anlangt, so glaubt man, dass jeder von der Vortrefflichkeit desselben genugsam werde urteilen können, wenn man sagt, dass der Herr Grossvater oftbenannten Herrn Rittmeisters unter Cromwells Heere eine ansehnliche Charge hatte, wenn dieser predigte, so versahe jener die Stelle eines Feldcantors. Aus dem Verhältnisse eines Pastoris und Cantoris mit der Gemeinde, kann man das verhältnis zwischen dem Protector Cromwell, dem Anherrn des Herrn Salmonets und andern Gliedern des Brittischen staates vollkommen bestimmen. Gleichwie ein Pastor in keinem dorf und dessen Filialen der vornehmste Mann ist, und nach ihm dem Cantori der zweite Platz gehöret: also war auch Cromwell ein Beherrscher dreier Völker; und Herr Eduard Salmonet war nach ihm der grösste im Reich. Ferner und zum
3.) Kann man auch unangemerkt hier nicht vorbeilassen, dass der Verfasser oftangezogenen untergeschobenen briefes einen offenbaren Widerspruch begehet,