Bemühungen um die Gelehrsamkeit sie bereits belohnet haben.
Salmonet. Glauben sie nicht, ehrwürdiger Freund, dass ich sie beleidigen will, entfernt von mir sei eine so tadelhafte Absicht! Ich werde sie vielmehr selbst unter der Last der Sättel hoch schätzen. Ich tue nichts, als was die grössten Helden der alten und neuern zeiten vor mir getan haben, ich verfahre mit ihnen nach raison de guerre. Ein General, der ein Volk in seiner Gewalt hat, lässt sich von solchem alle Unterstützung und hülfe zu Erhaltung seines Endzwecks, das ist, zu Beförderung seiner Progressen reichen, die er nur aufbringen kann. Er ist berechtiget mit militärischer Execution diese Hülfleistung zu erzwingen, ohne dass er deswegen ein Feind ist, er kann (bei alledem) sogar ein Freund und Bundsgenosse sein. Was tue ich anders? Sie sind in meiner Gewalt, ich verlange eine kleine gefälligkeit von ihnen, die sie mir auch leicht erweisen können, sie verweigern mir solche: ich bediene mich also meiner Macht, die mir die Kriegsgesetze erlauben, meinen Endzweck zu ernein, wir sind die besten Freunde, hier haben sie meine Hand. Ich bin äusserst gerühret, dass ich mich genötiget sehe, ihnen auf eine unangenehme Art zu begenen. Sie werden mich ausserordentlich verbinden, wenn sie mich von der notwendigkeit befreien, meinem Vorteil der Heiligkeit des Gastrechts vorzuziehen.
Lampert zum Major. Sie bringen alles Unglück über mich, Herr Major! Hätten sie nicht den Vorschlag getan, dass ich die Ehre des Herrn Rittmeisters gegen die Wahrheit verfechten sollte: so sähe ich mich jetzt nicht in so viele Verdrüsslichkeiten verwikkelt. Nun verlasse ich mich auch auf ihren Vorspruch.
Der Major, zuckt die Achseln.
Salmonet. Hier gilt kein Vorspruch, entschliessen sie sich, aut, aut. Er stieg auf vom stuhl.
Lampert. hören sie, Herr von Salmonet, nur ein Wort!
Salmonet. Was denn?
Lampert. Gönnen sie mir doch wenigstens nur eine kleine Bedenkzeit, um bei einer Sache voll solcher Wichtigkeit eine feste Entschliessung zu fassen. Erlauben sie, dass ich einen kleinen Abtritt nehme.
Salmonet. Richten sie alles nach ihren Gefallen ein, bester Freund, ich verstatte ihnen diesen Zeitraum gar gerne, die Sache zu überlegen, bringen sie nur eine mir gefällige Entschlüssung zurück.
Lampert ging hierauf in das Nebenzimmer, wir hörten kurz hernach seine stimme. Der Baron winkte uns, dass wir stille sein sollten, er nahm seine Schreibtafel und lehnte sich an die Tür. Hier ist es, was er von dem Selbstgespräche des Magisters aufgeschrieben hat, man konnte nicht alles vernehmen.
Nein! Jedermann würde mich verachten – Welcher Unterschied unter den Menschen! Grandison der Menschenfreund. Ehre genug seinetwegen ein Märtyrer zu sein! Wer kann wider Gewalt und Unrecht – –! Aber gleichwohl – keine Einwürfe! Ein Abschaum von bösen Menschen kann dich nicht beschimpfen. Getrost Lamperte! Jetzt ist es Zeit, dir ein Verdienst zu machen –, Wohlan, zeige deinen Mut, wie spricht der Dichter:
Justum ettenacem propositi virum,
Non militum ardor, prava jubentium,
Non vultus (cape tibi hoc!)
Non vultus iustantis tyranni,
Mente quatit solida.
Aber freilich vor der übelunterrichteten Welt –. Ei kein aber! In Jahr und Tag ist alles vergessen–. Aber Hannchen wird mir umkehren. Ein schwerer Punkt- in der Tat, Hic haeret aqua! doch nein, nichts ist im stand – –
Weiter konnte man nichts verstehen, es trat in dem Augenblick ein Kürassier von dem Ansehen eines Bramarbas in das Zimmer, der einen Pass examiniren liess, und durch das Geräusch seiner Stiefeln uns um den letzten teil dieses Selbstgespräches brachte. Der Magister kam einige Augenblicke hernach sehr bestürzt zurück; er glaubte, der Kürassier wäre seinetwegen da, um gegen ihn Gewalt zu gebrauchen. Dieses machte eine plötzliche Aenderung in seinem festen Entschluss. Wozu dienen alle diese Weitläufigkeiten, sagte er, da ich bereit bin, ihre Absichten zu erfüllen. Der Rittmeister umarmte ihn, und der Kürassier nahm seinen Abmarsch. Lampert setzte sich in einem Winkel des Zimmers, und nach einer Stunde überreichte er die verfertigte Schutzschrift, die vollkommen nach dem Willen des Officiers eingerichtet war. Der Major riet ihm, diesen Aufsatz in die öffentlichen Zeitungen einrücken zu lassen, weil dieses der leichteste Weg wäre, solchen allentalben bekannt zu machen. Lampert bat den Rittmeister sehr angelegentlich, ihn zu beurlauben und ihn mit einem Passe zu versehen, damit wenn er unterweges einer Patruille wieder in die hände fiele, man ihn nicht für eine verdächtige person halten möchte. Der Rittmeister versicherte, dass er nichts zu befürchten hatte, weil er aber doch darauf bestund; so gab er ihm einen Reitknecht zur Bedekkung mit. Er musste versprechen des folgenden Tages wieder zu kommen, aber er hat sein Wort nicht gehalten. Am Freitage wollte der Rittmeister unser onkel besuchen.; er wurde aber durch die Ordre zum Aufbruch daran verhindert. jetzt ist es in unserer Gegend wieder ganz ruhig. Der Magister hat sich, wie der Baron erzählet, der gestern in Kargfeld gewesen ist, zwei Tage und drei Nächte in einem grossen Schlagfasse auf dem Boden aufgehalten, und vorgeben lassen, er wäre in Angelegenheiten seines Gönners verreist, damit er dem Herrn Salmonet nicht wieder unter das gesicht kommen möchte. Unser onkel ist sehr böse auf ihn, dass er dem Rittmeister Gehorsam geleistet, und eine Schmähschrift gegen den Herrn Grandison, wie er es nennt, aufgesetzt hat. Ich will