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dass er Ursache hat ihn zum Freunde zu behalten. Der Baronet und Beauchamp sind ein Herz und eine Seele, dieser letztere, der jetzt Aemiliens Vermögen in Händen hat, würde der Gemahlin des Majors den Augenblick die freiwilligen Renten einziehen, wenn ihm Sir Carl nur einen Wink gäbe. Der Major würde also sehr übel dran sein, wenn er dem Herrn Grandison auf sich unwillig machen wollte. Inzwischen ist sich jeder selbst der Nächste. Die Freundschaft des Baronets ist mir angenehm: aber ich will solche doch lieber vermissen als die achtung der ganzen Welt. Da die geschichte des Herrn Grandisons in Deutschland ein so grosses Ansehen erlangt hat, und ich für die deutsche Nation sehr viele achtung habe: so kann ich es unmöglich zugeben, dass man mir unverdienter Weise meine Ehre entzieht. Ich will mich rechtfertigen. Ich will die aufrichtige Relation der Händel mit Sir Carln aufsetzen und drucken lassen. Ich will mich gegen unverschämten Herrn Richardson verteidigen. Weisen sie mir nur einen Gelehrten zu, der die Sache gut einfädelt: ich bin der deutschen Sprache nicht so mächtig, dass ich mich getrauete, diesen Aufsatz selbsten zu verfertigen.

v. Ln. Einen Gelehrten dürfen sie nicht weit suchen, wenn der Herr Magister Wilibald in der Gesellschaft ist. Er wird sich ein Vergnügen daraus machen, eine Caussa occasionalis zu sein, ihren Ruhm, der in den Augen der Deutschen Schiffbruch gelitten hat, wieder herzustellen, und er wird, wie ich hoffe, ihre Ehre so tapfer verteidigen, dass man sie in Zukunft für den herzhaftesten Irrländer halten wird.

Lampert. Ich verbitte diese Ehre gar sehr. Ich werde warlich gegen den Herrn Richardson nie eine Feder ansetzen, das ist geschworen! Gesetzt, aber noch nicht eingestanden, er hätte einiges in den Briefen des Herrn Grandisons an den Doctor Bartlett geändert; so würde ich doch nicht im stand sein, das Publicum davon zu überzeugen. v. Ln. Ich sollte meinen, dieses würde sich leicht tun lassen, wenigstens ist es wahrscheinlicher, dass zwei so tapfere Männer, als der Herr Major Ohara und der Herr Rittmeister Salmonet sind, den Herrn Grandison entwaffnet haben, als dass er beide durch seine Fechterstreiche um Hut und Degen bringt. Diese Stelle halte ich für die schwerste in dem Grandison, die einer Aufklärung wohl würdig ist.

Salmonet. Ich werde nicht mit Bitten bei ihnen nachlassen, mein Herr, bis sie sich entschlüssen, mir meinen guten Namen wieder zu verschaffen. Ich will ihnen unter der Mahlzeit den ganzen Verlauf der Sache der Wahrheit gemäss erzählen, bringen sie es hernach zu Pappier, damit ich diese Schutzschrift in die nächste Druckerei schicken und hernach in ganz Deutschland bekannt machen kann. Sie sollen zur Belohnung die Ehre haben, ihren Namen davor setzen zu dürfen.

Lampert entschuldigte sich mit einem Haufen Complimenten, und glaubte damit durchzukommen, dass er vorgab, er würde sich das grösste Gewissen machen, seinen Eid zu brechen, den er getan hätte, nie eine Feder gegen den Herrn Richardson anzusetzen: Der Rittmeister aber drang so heftig in ihn, dass ihm ganz Angst dabei wurde. Bei der Mahlzeit erzählte der Rittmeister ein seines Mährgen, das schon den Tag zuvor war ausgedacht worden, von seiner Schlägerei mit dem Herrn Grandison, und sprach davon für sich so vorteilhaft, dass dem guten Lampert kein Bissen schmeckte. Er wünschte diesmal hundert Meilen von Schöntal und dem martialischen Britten zu sein dem er nicht, wie er wollte, zu widerlegen sich getrauete. Es war auch in der Tat gefährlich, diesem Kriegsmanne viel zu widersprechen, der, wenn man ihm nicht alles glauben wollte, die Stirn in tausend Falten legte, und grässlich schwur, dass alles wahr wäre, was er sagte. Unterdessen nennte er den Magister immer seinen besten Freund, und erwies ihm allerlei Liebkosungen. Beim Koffee wurde der Spass vollkommen, wo nicht gar übertrieben. Lampert wollte es durchaus nicht unternehmen, den Herrn Salmonet gegen die Erzählung des Herrn Richardsons zu verteidigen.

Wollen Sie nicht meiner Bitte Platz geben, mein Herr, sagte der Officier; so werde ich, wenn sie sich ferner weigern, nach Kriegsgebrauch mit ihnen verfahren müssen. Corporals, rief er zum Fenster hinunter, haltet ein Dutzend Sättel bereit. Nehmen Sie es nicht ungütig, mein Herr, es tut mir leid, dass ich ihre Schultern mit zwölf Sätteln muss beschweren lassen, wenn Sie meine Ehre gegen die feindseligen Angriffe des Herrn Richardsons nicht verteidigen wollen. Sie werden sich gefallen lassen, diese Last so lange zu tragen, bis sie sich meinem Absichten gemäss erklären. Auf diese Art habe ich in meinem vaterland die Hartnäckigkeit von mehr als hundert Quäckern überwunden, und sie in zwo Stunden glücklich bekehrt. Ich hoffe nicht, dass sie mich in die notwendigkeit versetzen werden, ihnen diese kleine Unbequemlichkeit so lange aufzubürden. Versuchen sie es nur so lange es ihnen gefällt. Sobald sie meine Bitte Statt finden lassen; so bald werde ich das Vergnügen haben sie von dieser kleinen Beschwerung zu befreien. Verlangen sie nicht Unmöglichkeiten von mir, sagte Lampert in einem tragischen Tone, und beleidigen sie nicht das Gastrecht, das bei den Alten heilig war. Ich bin als ein Freund zu ihnen kommen, warum begegnen sie mir als einem Feinde? Sie werden an mir nie einen Verteidiger, wohl aber einen Ankläger bei der ganzen ehrwürdigen Familie der Grandisonen finden, wenn sie fortfahren, einen Mann zu beleidigen, für den die weisesten der Britten selbst eine achtung bezeigen, und dessen