wollte meine Tour über Hamburg nehmen. Aber, wie gesagt, meine Schwester, der alte Wurm, Lampert, der Pfarr und die ganze Gemeine bekamen von meinem Anschlage Wind: sie vereinigten sich miteinander, und baten mich auf den Knien, keine solche gefährliche Reise in meinen alten Tagen zu unternehmen. Was sollte ich machen? Ich konnte nicht widerstehen; und solchergestalt werde ich nun wohl hier bleiben.
Sir Carl hat mir durch die ausgebrachte Gesundheit viel Ehre erwiesen. Ich habe sie schon zehenmal nachwohnen, wenn die verdammten Englischen Tänze täten: denn ich tanze weiter nichts, als die Menuet und deutsch. Sie hätten Sir Carln meine Ungeschicklichkeit in der Music nicht entdecken sollen; er wird mich nunmehr verachten. Ich will aber auch her Rot ein Ende machen. Wissen Sie wohl, dass ich die alte Orgel aus der Daasdorfischen Kirche gekauft habe? Ich habe sie für dreissig Gulden erstanden, und in die Kinderstube, oder besser, in mein Musiczimmer setzen lassen. Der alte Schulmeister machte mir zwar anfangs allerlei Hasensprünge, und wollte bei unserm Concert nicht spielen; so, dass ich ihn einmal bald zum Dinge hinaus gepeitscht hätte: er besonn sich aber noch zu seinem Glücke, und orgelte. Die Claves kann ich bereits miteinander. Schicken Sie mir nur Alexanders Gastmahl von Händeln; dieses Stück will ich zuerst lernen.
Ich hätte bei der Jagd vom 6ten Junius sein mögen! das muss ein verdammter Hund sein, wenn er Schweine von sechs Centnern halten kann. Wenn Fresco eine Bätze ist: so lassen Sie sich einen jungen Hund geben, wenn er heckt, und bringen ihn mit herüber: damit ich die Race auch bekomme. Was hat aber Doktor Bartlett auf der Jagd zu tun? Er wird ein andermal wegbleiben, denke ich; es wär indessen Mordschade um den alten Kerl gewesen: zumal, da er sich sowohl in Sir Carls Humor schicken, und die Mägde und Knechte fromm machen kann. In diesem Punkte kann ich Lamperten noch nicht recht brauchen: denn er demonstrirt den Mägden ihre Pflicht so undeutlich, und zuweilen gar lateinisch, dass sie kein Wort davon verstehen. Wenn ich aber mit der Peitsche hinter sie komme: so überzeuge ich sie besser, als wenn der Magister zehen Predigten hielt. Im Vertrauen, ich studire, nunmehr auf eine Reise nach Italien, um Clementinen abzuholen, wenn sie anders noch ledig ist, und den verwünschten Belvedere nicht hat nehmen müssen. Unser Barbier soll mit mir gehen und den Jeronimo recht auscuriren: denn Lowter scheint mir nicht so tackt feste zu sein, als unser Niclas. Clementine wird nachher meiner Liebe aus Dankbarkeit Gehör geben, dass ich ihrem lendenlahmen Bruder geholfen habe. Die Religion soll mir nicht lange im Wege stehen, ich würde wohl ein Türke, wenn ich Clementinen zur Frau bekommen könnte. Erkundigen Sie Sich doch unter der Hand, wie die Sachen in Italien siehen? ich lese zwar den Courier und den Staatsboten; ich finde aber niemals ein Wort von der Hochzeit der Clementine darinne; folglich mutmase ich, dass sie noch ledig ist. Ich erwarte eine Antwort von Ihnen mit Verlangen, und bitte meine Empfehlung an Sir Carln und seine Henriette zu machen von
Ihrem
XII. Brief.
fräulein Amalia an ihren Bruder.
Kargfeld, den 13ten Junius.
Nachmittags um 4 Uhr.
Ich bin sehr neugierig, welchen Ausgang die Torheiten unsers Oncles nehmen werden? Gegenwärtig erfordert eine Reise nach Italien seine ganze Aufmerksamkeit. Ein Brief von dir wird der Sache den Ausschlag geben. Lebt die Clementine noch unverheiratet; so geht er hin, und nimmt sie dem Graf von Belvedere vor der Nase weg. Ich muss dir eine ganze Unterredung zwischen ihm, seiner Schwester, mir, dem Magister, dem Barbier und seinem Jeremias mitteilen: daraus du seinen Anschlag ganz deutlich erkennen kannst. Ein Glas Wein hatte seine Lebensgeister rege gemacht. Amalia. Lieber Herr Vetter, warum wollen Sie uns verlassen? wir lieben Sie wie unsern Vater, wir werden uns grämen, wenn Sie so weit weggehen; ja, wir würden für Bekümmernis sterben, wenn Sie unterwegens ein Unglück haben sollten. v.N. hören Sie auf zu winseln. Sie machen die Sache sterben? nicht wahr, das wäre recht für euch? Nein! daraus wird nichts. Wie, sollte ich ein Unglück nehmen? Ich gehe in meinem Beruf, und das ist das beste. Amalia. Ich dächte, Sie hätten vielmehr einen Beruf, hier bei den Ihrigen zu bleiben, um eine hieländische Lady glücklich zu machen. Gefällt Ihnen denn kein Frauenzimmer hier? v.N. Es sind schon Mädchens hier; aber keine Clementine. Sie haben ja ihre geschichte gelesen: sagen Sie mir einmal, welches fräulein man mit ihr vergleichen könnte? Amalia. Sie ist nach meiner Meinung stolz und gar zu abergläubisch. Ich will also keine Vergleichung anstellen. v.N. Das sind bei einer Clementine keine Fehler: bei euch Jungfern aber würde ich beides nicht leiden können. Amalia. Nun, das heiss ich erzverliebt – –. Wenn man die Fehler eines Mädgens für Schönheiten hält, bloss weil sie eine Ausländerin ist. v.N. Ja das tu ich, und ich werde mich meiner Liebe niemals schämen. Wer Clementinen liebt, tut sich selbst hervor. Amalia. Noch eins, Herr onkel, Clementine ist eifrig römisch katolisch. Sie wird also jeden Protestanten abweisen. Nehmen Sie ein Beispiel an Sir Carln. v.N