anfangen wollten, uns in eine neue Form zu giessen, und wenn man uns beide zusammen schmelzt; so würde doch kein Mercur aus uns. Mercurius. Indessen wenn man den edelmütigen Entschluss gefasst hat, eine grosse Unternehmung auszuführen; so muss man sich keine Hinderniss davon abschrecken lassen. Man muss an die Worte des Dichters gedenken: quo bene coepisti, hic pede semper eas. Ich rufe die Sentenz täglich einmal beim Frühstück meinem gönner zu, gleich jenem Edelknaben, der seinen Monarchen auch täglich an einen gewissen Denkspruch erinnern musste, und dieses macht meinen gönner so beherzt, dass er alles, was sich seinem edlen Vorhaben entgegen setzt, glücklich überwindet.
Salmonet. Grandison wäre der Mann nicht, der er wirklich ist, wenn er den Doctor Bartlett nicht auf der Seite gehabt hätte; und ihr gönner würde auch wohl eine schlechte Figur machen, wenn sie ihn nicht unterstützten.
Lampert. Sie erzeigen mir viel Ehre, mein Herr Rittmeister; aber ich versichere, dass ich weiter nichts als eine caussa occasionalis bin, dass mein Patron dem grossen Britten glücklich nachfolget.
Salmonet. Sie sind ein sehr bescheidener Mann; mein Herr, und sie verdienen meine Hochachtung, dass sie das Lob, das ihnen mit Rechte zugehöret, auf eine so gute und gelehrte Art von sich ablehnen. Aber helfen sie mir doch aus dem Traume, was hat es denn mit der Bildergalerie ihres Herrn für eine Bewandniss? Mich dünkt, sie ist der Bildergalerie Sir Carls sehr unähnlich, dort befinden sich nur die Ahnen desselben, und hier will ihr gönner die Portraits aller der Personen, die in der geschichte seines Freundes genennet werden, aufstellen.
Lampert. Mein gönner hat dabei verschiedene rühmliche Absichten. Er hält sich für einen aus der Familie Sir Carls, und also glaubt er ein Recht zu haben, alle verwandten desselben als die Seinigen zu betrachten. Da es nicht wahrscheinlich ist, dass er die Englischen Freunde jemals von person wird kennen lernen; so will er sich doch wenigstens aus dem Gemählde einen Begriff von ihnen machen. Ferner hat er hat er sich vorgenommen, seinen hochadelichen Sitz zu einer Schule der Tugend und Weisheit zu machen. Diese Bildergalerie wird also den beste Hörsaal derselben abgeben. Man wird gelegenheit haben, wenn man den Lehrlingen diese Portraits zeiget, auch zugleich den moralischen Charakter der Personen, die dadurch vorgestellt werden, zu entwerfen. Die Tugend wird ihr gehöriges Lob, das Laster seinen Tadel finden.
Salmonet. Der Herr v.N. wird mein Portrait also nicht bekommen. Es ist mir bekannt, dass ihr Herren eben nicht die besten Begriffe von mir habt. Ich glaube, ihr wäret im stand, mich neben den schelmischen Juden Merceda zu stellen, und jeder, der vorüber ginge, müsste einen Fluch über uns aussprechen. Nein, das wäre mir ungelegen! Ich will lieber unbekannt bleiben, als auf eine solche Art berühmt werden.
Lampert. Sie haben nichts zu fürchten. Es scheinet, dass ihnen Sir Carl Pardon gegeben, und die Beleidigungen, die er von ihnen und dem Herrn Major Ohara erhielt, vergessen hat. Es ist also auch unsere Schuldigkeit, dass wir alles mit dem Mantel der christlichen Liebe zudecken. So bald sie angefangen haben, den Herrn Grandison zu verehren; so bald sind sie aus den Toren des Lasters zu den Fahnen der Tugend übergangen. Wenn jetzt Herr Richardson die geschichte des Herrn Grandisons fortsetzen sollte, so würde er sie vermutlich in einem ganz andern Lichte erscheinen lassen.
Salmonet. Denken sie nicht an den verhassten Richardson. Er hat mich vor der ganzen Welt beschimpft, und ich hätte ihn gewiss längstens den Hals gebrochen, am sich Sir Carl seiner nicht annähme. Haben sie denn alles geglaubt, was er von dem Major und mir bei den Händeln zu St. James quarre geschrieben hat?
Lampert. Ich hab im geringsten nicht daran gezweifelt, da Sir Carl den ganzen Vorgang der Sache selbsten an den Doctor Bartlett berichtet.
Salmonet. Es ist wahr, Sir Carl hat mit aller Aufrichtigkeit alle Händel beschrieben, ich habe den Brief im Original gesehen; Sir Richardson aber hat geglaubt, dass die getreue Mitteilung desselben seinem Helden nicht gar zu vorteilhaft sein dürfte, deswegen hat er sich die erlaubnis genommen, viele Stellen darinne zu verbessern. Er hat aber die Sache, wie jedermann, der nur Menschenverstand hat, leichtlich einsiehet, dergestalt übertrieben, dass seine Erzählung alle Wahrscheinlichkeit verliehet. Sir Carl macht sich selbst oft darüber lustig: er weiss am besten, wie wir ihn damals in die Enge getrieben hatten.
Lampert. Sollte aber Sir Carl darein gewilliget haben, dass man die Welt so hinterginge und ihr Unwahrheiten und Erdichtungen von ihm aufbürden dürfte?
Salmonet. Der Baronet hat hierzu freilich seine Einwilligung nicht gegeben, er hat alles hinter seinem rücken getan. Was sollte er aber machen, da es einmal geschehen war? Er musste es dabei bewenden lassen.
Der Hr. v. L. Sie hätten in der Tat diesen Schimpf nicht sollen auf sich sitzen lassen. In Deutschland würde kein Officier mit ihnen getrunken haben, bis sie ihre Sache ausgemacht hätten. Wenn ich an ihrer Stelle wäre; so verteidigte ich mich wenigstens in Schriften, und suchte meine Ehre vor der Welt zu retten. Ich denke, es ist noch immer Zeit.
Salmonet. Bis jetzt habe ich es auf Bitten des Majors unterlassen, dieser glaubte, Sir Carl würde ungehalten darüber wer, den, sie wissen wohl,