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nahm sein steifes Wesen wieder an, die Rolle, die ihm der Major aufgetragen hatte, schien sehr gut mit ihm zu passen. Nach den ersten Komplimenten, die auf Seiten des Magisters mit einer furchtsamen Ehrerbietung gegen den Rittmeister begleitet waren, zog er einen Brief aus der tasche. Sie haben mir zwar filentium imponirt, gnädiger Herr, sagte er zum Baron, ich habe meinem gönner nichts von der beglückten Ankunft des Herrn Rittmeister Salmonets entdecken sollen: nehmen Sie es aber nicht ungnädig, ich hielt mich in meinem Gewissen verbunden, ihm einen Wink davon zu geben. Ich habe mir einmal eine Regel gemacht, kein geheimnis zu besitzen das ich ihm nicht entdecken sollte, ich darf solche nicht überschreiten. Mein Patron bedauert, dass er nicht im stand ist dem Herrn Rittmeister persönlich seine Aufwartung zu machen, er empfiehlt sich ihm in diesem Schreiben. Er übergab es dem Officier, welcher es erbrach und lass. Ich will es hier einrücken, es veranlasste eine wichtige Unterredung

Hochgeehrter Herr Rittmeister,

Wenn Sie deutsch verstehen, so ist es gut; wo nicht, so lassen Sie diesen Brief durch Ueberbringern desselben in eine Sprache übersetzen, in welche sie wollen. Ich erfreue mich sehr, dass ein Mann, von dem ich in der geschichte Sir Carl Grandisons, meines vielgeehrten Herrn Gevatters, so viel gelesen habe, sich in hiesiger Gegend befindet. Ich möchte Sie gern von person kennen lernen, und würde nicht ermangelt haben, Ihnen in Schöntal aufzuwarten, wenn ich nicht das Bette hüten müsste. Gönnen Sie mir Ihren Besuch, wenn Sie Ihren Posten verlassen können, Sie werden mir sehr willkommen sein. Inzwischen da man nicht weiss, wie bald Sie etwa Ordre zum Aufbruch erhalten, und mir viel dran gelegen ist Ihr Portrait zu besitzen, weil Sie doch auch mit in die GeGefallen, und lassen Sie Sich bei Ihrem jetzigen Aufentalt in Schöntal auf meine Kosten abkonterfeien. Ich habe nur vorgenommen, alle in dieser geschichte vorkommende Personen abmahlen zu lassen, um meine Bildergalerie damit auszuschmücken, ich habe diesfalls auch bereits nach England geschrieben. Wenn Sie meine Bitte erfüllen, so erzeigen Sie mir dadurch den grössten Gefallen von der Welt, und wenn ich im stand bin, Ihnen Gegengefälligkeiten zu erzeigen; so werde ich mir ein Vergnügen daraus machen. Ich verharre mit aller Hochachtung

Dero

ergebenster Diener

v.N.

Ja ja, sagte der Rittmeister, das ist der Mann, den mir der Major Ohara beschrieben hat. hören sie einmal, was Aemilie Sir Beauchamps Gemahl von ihm spricht. Lesen. Sie diesen Brief selbst, Herr, sagte er zum Magister, wenn Sie englisch verstehen; doch ich will ihnen lieber die Uebersetzung davon machen. Er schlug das erste Blatt um, und stellte sich, als wenn er auf der andern Seite das fänd, was er suchte. Er las folgendes?

Wagen sie es ja nicht wieder, Sir Carln nachzuah

Beauchamp mit diesem Briefe beehret hat. Es ist sehr wohl getan, dass sie diesen Vorsatz aufgegeben haben, da sie an der glücklichen Ausführung desselben so sehr zweifeln. Dieses würde ihr Gemüt nur in einer beständigen Unruhe unterhalten haben. Mein Herr gestehet selbsten, dass er in vieler Unternehmung nicht vollkommen glücklich gewesen ist, das sage ich zu ihrem Troste. Wenn man nicht so gut ist als man sein soll, so ist es gnug, wenn man sich bestrebt, so gut zu sein, als man sein kann. Kein Britte hat bis jetzt Sir Carln erreichet, vielweniger ein Irrländer. Diese Ehre ist einem Ausländer vorbehalten gewesen. Sie kennen den Mann aus den Briefen des Gemahls meiner Mutter. Der Herr v.N., was für ein ehrwürdiger Name, der dem Namen Grandison gleich kommt! Alle Wetten, die in England sind angestellet worden, dass Sir Carl unnachähmlich wäre, gehen nunmehr verlohren. Zwei Capitalisten in Londen werden dadurch banquerott. Wir bewundern alle den grossen Deutschen und Sir Carl ist über ihn vergnügt. Sie wissen, wie oft Herr Richardson mich in der geschichte meines Vormundes heulen lässt: jetzt vergiesse ich in der Tat mehrere Tränen, als mir jemals sind angedichtet worden, lauter Freudentränen, dass Sir Carl der Gegenstand einer allgemeinen Bewunderung worden ist, und dass man ihn so glücklich nachahmet.

Wir haben Ursache einander Glück zu wünschen, sagte der Baron, dass wir so vielen Anteil an einem mann haben, den man in Brittannien eben so hoch schätzt; so sehr man sein Urbild in Deutschland bewundert. Bald bekomme ich selbst Lust, die Secte der Anhänger des Herrn Grandisons zu vergrössern, bis jetzt bin ich noch immer neutral gewesen. Was meinen Sie, Herr Rittmeister, trauen Sie mir wohl zu, dass ich es in der Nachahmung des Baronets weiter bringen sollte als Sie? Wenn ich die Ehre bedenke, die mir daher erwachsen würde, so möchte ich es fast wagenAber die Schwürigkeiten, die man dabei zu übersteigen findet – –

Salmonet. (Ich will ihm nur diesen Namen geben, weil er doch seine person vorstellte.) Ja, die canalljösen Schwürigkeiten! Ich habe auch einmal Grandisons spielen wollen, aber bei meiner Treue! Ich hielt es nicht länger als vier Wochen aus, und weiss am besten, welchen Zwang ich mir dabei angetan habe. Wenn es länger gedauret hätte; so wäre ich über den Possen crepirt. Spiegeln sie sich an meinem Exempel.

Der Baron. Ich erkenne es, bei uns ist es nun zu spät, dass wir erst