sowohl als dem andern zugestossen waren. Die gespräche wurden hierauf, da diese beiden einander nichts mehr zu sagen hatten, so mannigfaltig, dass man fast zu gleicher Zeit vom Kriege, von der Verschiedenheit der Sitten der Deutschen und der Engländer, und von Romänen sprach. Das Capitel von den letzteren war das längste. Der Major machte dem Rittmeister ein Compliment dadurch, dass er seinen Landsleuten ihr gehöriges Lob gab, dass sie uns mit verschiedenen artigen Romans beschenket hätten. Die vornehmsten wurden genennt und beurteilet. Beiläufig wurde auch unserer übermässigen Verehrer des Grandisons gedacht. Der Rittmeister war hierbei aufmerksam, und nach dem Geschmacke der Britten vergnügte er sich ungemein an dem sonderbaren, das diese Leute von sich blicken liessen. Der Major erzählte ihm mehr davon, als uns Anfangs leib war. Um das Gespräch in etwas zu verändern, gedachte der Baron, dass einer von Grandisons Jüngern zwei Frauenzimmer sehr beleidiget hätte, die deswegen auf Rache bedacht wären, und fragte mich zugleich, warum ich so rot würde, ob ich dadurch meine Rachbegierde verraten wollte? Hierüber wurde ich in der Tat rot, diesen abgenutzten Spass, die Männer auf Kosten des Frauenzimmers einmal lachen zu lassen, wendete der Baron dismal, seiner Gesellschaft zu Ehren, in dieser Absicht an. Ich wollte ihm wieder eins versetzen; doch ehe er mich zum Worte kommen lies, wendete er sich zum Major und sagte, er hätte schon in unserer Gegend einmal die gute Sache des Frauenzimmers mit Ruhme verteidiget, worzu er sich entschlüssen wollte, wenn er hierzu nochmals aufgefodert würde? Der Herr von Ln. machte seinen besten Reverenz, er wollte gleich seinen Abschied fordern, sagte er, und aufhören, das Vaterland verteidigen zu helfen, wenn er die Ehre haben sollte, für die Schönen zu fechten. Die Unterredung wurde über diesem Punkt ziemlich munter, der Engelsmann wollte all einem solchen Glück gleichfalls Anteil haben, und sie zankten sich hierüber lange. Da der Rittmeister hörte, dass eine fräulein Base des Majors mit im Spiel wäre, wollte er sich endlich mit ihm dahin vergleichen, dass sich dieser seiner fräulein Base annehmen sollte; er hingegen wollte meine Partie nehmen. Sie waren beide nun nur begierig, den Beleidiger sowohl, als die Beleidigung zu erfahren, jenen nennte der Baron, und diese, sagte er, bestünde darinne, dass Lampert, um eine Wette von unserm onkel zu gewinnen, welcher behauptet hätte, die Freundschaft zwischen mir und dem fräulein v.W. wäre unzertrennlich, sich unterstanden hätte, einen Zwist unter uns erregen zu wollen. Alle stimmten damit überein, dass dieser Frevel müsste bestraft werden. Der Baron hatte sogleich eine seltsame Erfindung parat, diesen Vorsatz auszuführen, die von allen belacht wurde; die aber einen so allgemeinen Beifall erhielt, dass sie der Rittmeister, der dabei hauptsächlich mit eingeflochten war, durchaus in Erfüllung bringen wollte. Es kostete nicht viel Mühe, den Baron dahin zu bringen, seinem gast dieses Vergnügen zu verschaffen. Die Herren brachten also den übrigen teil des Tages damit zu, einander in allem vollkommen zu unterrichten, was den folgenden Tag ihre Lust vollkommen machen könnte. Ich schlich mich weg, um fräulein Julgen Nachricht zu geben, was der Baron dem Major vorgeschwatzt hatte, damit wir einerlei Sprache führten, wenn der Herr v. Ln. etwas gegen ist davon gedächte. Des folgenden Tages fand sich dieser sehr zeitig bei uns ein, hierauf wurde folgendes Billet nach Kargfeld geschickt:
An Herrn Lampert,
Vernehmen Sie aus meinem mund die seltsamste geschichte, mein werter Herr Magister, die sich seit zwanzig Stunden einen Mann unter meinem dach, den wir beide aus der geschichte Sir Grandisons kennen – Wen meinen Sie wohl? Ich will ihre Seele nicht lang im Zweifel lassen. Sind sie begierig den Hauptmann Salmonet von person kennen zu lernen; so kommen sie eiligst nach Schöntal, er hat ein grosses Verlangen Sie zu sehen, der Major Ohara hat in einigen Briefen sehr vorteilhaft von Ihnen geurteilet. Lassen Sie noch zur Zeit ihrem gönner nichts erfahren von dem, was ich ihnen jetzt fub rosa gesagt habe, damit er nicht in die Versuchung fällt, Sie zu begleiten. Es ist heute eine sehr feuchte Luft und ihm zuträglich, dass er sich warm hält, damit ihm das Podagra nicht in Leib schlägt. Kommen Sie bald, Sie werden mit Verlangen erwartet von
Ihrem
geneigten Freunde.
v.F.
Entzückt über diese unerwartete Botschaft, macht sich Lampert nach Empfang dieses Briefgens sogleich reisefertig. Es war so veranstaltet worden, dass er auf diesem kleinen Wege bereits einige Anfechtungen haben sollte. Einige Reuter mussten ihn überfallen und für einen französischen Feldprediger ansehen. Er hat durchaus ein Kriegsgefangener werden sollen. Man das Staabsquartier folgen. Endlich erhält er auf vieles Bitten so viel, dass er einer abgelössten Feldpost ein Wahrzeichen mit an uns nach Schöntal geben darf, damit wir seine Befreiung desto schleuniger auswirken möchten. In der Angst wählte er hierzu seine Sammtmütze, und er hätte nichts kenntlichers wählen können. Der Cürassier hatte sie auf seinen blanken Pallasch gesteckt, da er in Schöntal einritte, und wem Lampert nicht bald darauf selbst nachkommen wäre, so ahndete mir schon, dass das Gerüchte in der Gemeinde entstehen würde, er wäre niedergemacht worden. Doch der Rittmeister befahl, dass man ihn ungehindert sollte passiren lassen, und schalt den Reuter dass er die Zierde des Hauptes eines deutschen Magisters so sehr misshandelt hätte. Lampert erschien hierauf noch ganz betäubt von Schrecken. Der Rittmeister