Sie sind nicht mehr in meinen Händen. Es hat sie mir zwar niemand genommen, ich habe sie auch nicht verlohren, noch vielweniger bereits richtig bestellt: sondern ich habe mich auf eine sonderbare Manier davon losgemacht. Lass er sichs erzählen, was ich damit vorgenommen habe. Es befremdete mich nicht wenig, dass mir von einem unbekannten Kerl ein Brief zugestellet wurde, darinnen ich zwei andere an die Fräuleins fand, es macht mich ziemlich stutzig, dass sich der Verfasser in dem Briefe an mich nicht genennet hatte. Ich dachte deswegen, ist dir wohl, so bleib davon, dass du nicht kriegest bösen Lohn. Es ist gewiss nicht umsonst geschehen, dass der Verfasser sich nicht genennet hat, das hat seine Ursachen. Wir stellen, ohne zu wissen, von wannen sie kommen, ist gar gefährlich, es kann einer heutiges Tages in Leibund Lebensgefahr darügeraten. Was deines Amts nicht ist, lass deinen Fürwitz. Briefe gehören auf die Post; ich bin aber weder ein Postknecht noch ein Postmeister jemals gewesen, sondern meiner Profession nach bin ich ein Oeconomus, und wenn ich ihm als ein solcher einen Gefallen kann erweisen, will ich es gern tun; aber zu weiter verstehe ich mich nichts. Durch andrer Leute Schaden bin ich klug gemacht. Andräs, der Grossknecht auf hiesigem Edelhofe, hat sich neulich von dem Herrn Schulmeister auch einen Brief lassen aufschwatzen, solchen in der Stadt zu bestellen, da er aber damit aus Tor kommt, haben ihn die Soldaten visentiret, den Brief genommen, aufgebrochen und gelesen. Nicht genug hieran, so haben sie den armen Andräs von Pilatus zu Herodes herum geführt, dass er bald ein paar Schuhe darüber zerrissen, und nur noch von Glück zu sagen gehabt, dass sie ihn nicht gar für einen Spijon angesehen. Darum dachte ich: mit solchen Dingen unbeworren! Ich hielt auch sogar gefährlich, die Briefe lange in meinem haus zu haben. Wenn ich gewusst hätte, wer er wäre, so hätte ich sie ihm noch denselbigen Abend wiehergebracht. Die ganze Nacht hindurch ist mir kein Schlaf in die Augen kommen, und wenn sich nur was regte, so dachte ich, es geschähe Haussuchung, man wollte die Briefe holen, und mich in Ketten und Banden schmieden. Um nun der Marter loss zu werden, nahm ich sie frühe, so bald der Himmel grauete, band sie an ein paar grosse Steine, und trug sie, wie ein paar junge Katzen, ins wasser. Ich hätte zwar den kürzesten Weg gehen und sie verbrennen können; aber ich sorgte, dieses möchte mir Verdruss bringen, ich habe gehört, dass der Staupbesen darauf stehet, wenn man die Briefe an andere erbricht, und ein fremdes Siegel verletzt. Da es nun in diesem Falle nicht ohne Verletzung des Siegels abgegangen wäre; so warf ich sie lieber ins wasser. Nehm er es nicht übel, dass ich so strenge mit den Briefen verfahren bin, es war mir so Angst dabei, dass wenn ich sie länger in meinem haus behalten hätte, so wäre ich wohl endlich selbsten ins wasser gesprungen. Ich habe ihm nun als ein ehrlicher Mann gesagt, wo die Briefe hingekommen sind, und kann einen Eid deswegen ablegen. Er kann ja leichtlich ein paar andere schreiben, und sie auch auf eine andere Weise als durch mich bestellen lassen, wenn es nötig ist. Dieses hat ihm nachrichtlich melden wollen
P.B.
Mit diesem Briefe, den der Baron vollkommen nach Bornseils Schreibart eingerichtet hatte, wurde dieser nach H. geschickt, wo der benennten Frau solchen auch gegeben, die ihn vermutlich richtig bestellet hat. Nun dachten wir auf nichts anders, als den Magister Lampert seinen Frevel büssen zu lassen, wir machten einen Haufen Anschläge, es fanden sich aber bei jeden Schwürigkeiten. Von ungefehr bot sich hierzu eine gelegenheit dar, die so wunderbar als unerwartet kam. Doch ich will hier in meinem Briefe einen kleinen Abschnitt machen, damit wir beide, du beim Lesen, ich beim Schreiben, ein wenig ausruhen können.
XXX. Brief.
Fortsetzung des vorigen.
Den 13 und 14 Nov.
Es war am Diensttage, da wir Nachricht erhielten, dass einige Esquadrons von der schweren Englischen Cavallerie in unsere Gegend einrücken würden, Sie trafen Mittwoch Abends ein, wir bekamen also Gäste. Zwei Officiers ritten gerade in den Edelhof, der eine war Rittmeister und der andere Cornet. Sie schienen im Anfang ein paar steife Männer zu sein, der Rittmeister sonderlich hatte eine so nachdenkliche Mine, als wenn er glaubte, dass er an dem glücklichen Feldzuge dieses Jahres keinen geringen Anteil hätte. Wer sollte denken, dass dieser Mann bestimmt gewesen wäre, zwei beleidigte Frauenzimmer zu rächen! Der Baron redete sie französisch an, Sie antwortete kurz und gebrochen. Ich nahm mir vor, nicht lange in ihrer Gesellschaft zu bleiben, doch bei Tische fanden wir an dem Rittmeister einen ganz andern Mann, er wurde aufgeräumt und redete uns plötzlich in unsrer Muttersprache an. Der Baron war eben im Begriff, ihm seine Verwunderung darüber zu entdecken, da er ihm zuvor kam und anfing, sein Leben zu erzählen. Er hat einige mal das Glück gehabt, den König nach Deutschland zu begleiten, und hat sich ausserdem ziemlich lange aufgehalten. Nachmittage stattete der Herr v. Ln. einen Besuch bei uns ab. Der Rittmeister war sein vertrauter Freund. Sie hatten einander lange nicht gesehen, und unterhielten sich eine Zeitlang von den begebenheiten, die unterdessen dem einen