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sich eben nichts merkwürdiges, und ich war anfangs zweifelhaft, ob ich sie mit einschliessen wollte; doch da ich sie nochmals las, schienen sie mir nicht ganz unbeträchtlich. Sie fassen den merkwürdigen Punkt der Wiederaussöhnung des Herrn v.N. mit der Frau v.W. in sich; sie entalten auch einige Anekdoten, daraus man die dermaligen Gesinnungen der Personen, die unsere gewöhnliche Gesellschaft ausmachen, erkennen kann. In einem davon wird gedacht, dass der Major unsern onkel eifersüchtig gemacht hat, und dieses kann als der Grund von der ganzen geschichte, die ich zu beschreiben gedenke, angesehen werden. Da sich unser onkel einmal eine Ursache zur Eifersucht in den Kopf gesetzet hatte; so zweifelte er nun, dass das fräulein v.W. eine Henriette Byron sein könnte, wenn sie einen andern Mann unserm onkel in ihrem Herzen vorzöge. Vermutlich hatte hierüber viele sorgsame Gedanken und Herr Lampert nach seiner gefälligen Art, machte sich anheischig, geschickte Mittel ausfündig zu machen, solches zu verhüten. Er geriet auf den boshaften Einfall, im Namen des Herrn v. Ln. an das fräulein v.W. und an mich zu schreiben, uns einen verwünschten Liebesantrag zu tun und diese Briefe mit Fleiss zu verwechseln, um dadurch den Major bei uns beiden verächtlich zu machen. Ich bilde mir ein, dass ihm diese Erfindung einige schlaflose Nächte gemacht hat. Er richtete solche in der Tat ins Werk, und weil ich seitdem ein kleines altmodisches silbernes Dösgen bei ihm bemerket habe; so glaube ich, der onkel hat ihn damit für seinen klugen Einfall beschenket. Wenn ich nicht aus verschiedenen Umständen gemutmasset hätte, dass diese Briefe erdichtet wären; so hätte ihm sein Vorhaben wenigstens eine Zeitlang gelingen können, ohne dass dadurch sein gönner das gerinste würde gewonnen haben. Im Anfang fiel aller Verdacht auf die Frau v.W. und fräulein Julgen hat mir gestanden, dass sie, nachdem ich sie auf diese Spur gebracht, so feste davon wäre überzeugt gewesen, dass sie es nur für Scherz angenommen, da ich ihr gesagt hätte, diese Erfindung schriebe sich vielleicht aus Kargfeld her. Sie wollte dieses mir nicht einmal glauben, da ich zu ihr ging, um ihr den wahren Urheber davon zu nennen. Wie wir ihn entdeckt haben, solches wirst du aus meinem letzten Briefe an das fräulein v.W. sehen. Ueberhaupt erinnere ich, dass du die Innlagen meines Briefes eher lesen musst als ihn selbsten, damit dir nichts in meiner Erzählung unverständlich bleibt. So erbittert wir gegen die Frau v.W. gewesen wären, wenn wir unsern Verdacht gegen sie gegründet befunden hätten; so ruhig waren wir nun, da wir den wahren Urheber dieser Kabbale entdeckt hatten. Das fräulein v.W. war so grossmütig ihm zu verzeihen, ich hingegen war darauf bedacht wenigstens auf eine lustige Art mich zu rächen. Der Baron riet mir, gegen den onkel und den kühnen Lampert meinen Unwillen zu verbergen. Er nahm es auf sich, wegen dieser Beleidigung uns vollkommene Genugtuung zu verschaffen. Leute von dem Charakter eines Lamperts, verdienen in meinen Augen Mitleiden, wenn man ihre Vergehungen nach der Strenge bestraft. So boshaft ihre Unternehmungen auch oftmals scheinen; so gehören sie doch zu den unwissendlichen oder wenigstens zu den Schwachheitssünden. Ich bin überzeugt, dass Lampert gewiss nicht den Vorsatz gehabt hat, uns zu beleidigen, er sah seine Erfindung als eine erlaubte List an, seinen gönner von einem so grossen Uebel als ein Nebenbuhler ist, zu befreien, und dadurch das Lob eines klugen und erfindungsreichen Mannes zu verdienen. Ich bin geneigt eine grössere Beleidigung gleichgültiger zu ertragen, wenn sie mir zugefüget wird, ohne dass man dabei die Absicht hat, mich zu beleidigen, als eine geringere, womit diese Absicht verbunden ist. Der Baron hat eben diese Gesinnung. Es wurde daher in unserm Rate beschlossen, uns zu stellen, als wenn wir die Briefe gar nicht empfangen hätten, und wo möglich, diese Gedanken unserm onkel und dem Magister Lampert selbst beizubringen. Wenn wir diesem hätten merken lassen, dass seine verwegne Unternehmung entdeckt wäre; so hätten wir notwendig sehr böse gegen ihn tun müssen, und wenigstens in Jahrsfrist hätte er uns nicht dürfen ins gesicht kommen. Doch dadurch wäre der Baron am meisten gestraft, wenn er in Jahr und Tag keinen Spass mit ihm treiben sollte. Er nahm sich vor, bei gelegenheit ihm eins anzubringen, und ihm jetzt nur allen Argwohn zu benehmen, dass wir hinter das geheimnis kommen wären. Bornseil hatte der Unterhändlerin in H. versprochen, ihr den Brief, den er an sie abzugeben hätte, noch denselben Tag einzuhändigen, der Baron nahm sich die Mühe ihm einen in die Feder zu dictiren, den er den folgenden Tag der Frau bringen musste, er wurde in Bornseils Namen abgefasst. Weil er nicht allzulang ist, will ich ihn einrücken. Die Aufschrift war an Herrn N.N., welcher Peter Bornseilen einige Briefe hat einhändigen lassen.

Unbekannter guter Freund,

Nebst einem schönen Grusse melde ich dienstlich, dass ich seinen Brief an unsere gnädige fräulein und den an die fräulein p.W. wie auch den meinigen wohl erhalten habe, und wenn ich sonst kein Bedenken gehabt hätte; so würden sie auch richtig sein an Ort und Stelle gebracht worden. Aber nehm er mir es nicht übel, ich muss ihm hierdurch melden, dass ich sie nicht bestellen kann, und wenn ich ein Kaisertum damit verdienen sollte.