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teil haben? Lampert ist arglistig genug zu einer solchen Unternehmung, um seinen gönner einen in seinen Augen gefährlichen Rival wegzuschaffen. Ich habe Ihnen schon gesagt, dass der Major den Herrn v.N. sehr eifersüchtig gemacht hat. Wer weiss, ob uns Lampert nicht umgauckelt, ich will einmal dieses Wort den Dichtern abborgen, es drückt seine Unternehmung sehr wohl aus, und die Frau v.W. unschuldig ist. Mein onkel hat gewiss an diesem Streiche keinen andern Anteil, als dass er seine Einwilligung zu Ausführung desselben gegeben hat, und vielleicht die Ursache ist, dass er ist ausgelacht worden. Wiewohl, es fällt mir schwer zu glauben, dass er sich aus Kargfeld herschreibt. Nun sehe ich recht deutlich ein, dass die Verwechselung der Briefe nicht dem Zufall zuzuschreiben, sondern dass dieses mit Fleiss so geschehen ist. Um aber niemanden hierüber Unrecht zu tun; so lassen Sie uns jedermann so lange im Verdacht haben, bis wir den Zusammenhang der Sache vollkommen kennen. Was ich Ihnen schon heute gesagt habe, das wiederhole ich hier nochmals: Lassen Sie Ihren Verdruss nicht sichtbar werden, damit die Boshaften nicht frohlocken, dass ihnen ihr Streich gelungen ist. Nur eine kleine Geduld! Wir werden die finstern Gesichter auch noch brauchen. Wenn wir nur erst unsere Feinde kennen, alsdenn wollen wir tapfer gegen sie zu feld ziehen. Ich werde keine Mühe sparen, sie zu entdekken, und wenn ich darüber zu einer klugen Frau schikken sollte. Glauben Sie das nur ganz sicher

Ihrer

aufrichtigen Freundin

A.v.S.

XXVIII. Brief.

Das fräulein v.S. an das fräulein v.W.

den 5 Novembr.

Das ungezogne Kopfweh! Will es sich denn noch immer nicht legen? Ich bin sehr böse, dass es Sie nun schon drei Tage quälet, und mich eben so lange des Vergnügens beraubet hat, von Ihnen ein Briefgen zu erhalten; oder wie ich hoffte, Sie selbst hier zu sehen. Wenn es doch nur wie der Schnuppen ansteckte, oder sich durch eine Sympatie fortpflanzen liess; so sollte es gewiss den Urheber der verhassten Briefe dergestalt ängstigen, dass er es verschwören wurde, seine Feder bei dergleichen ruchlosen Händeln jemals wieder anzusetzen. Ihre Unpässlichkeit, denke ich, soll mit dem bösen Wetter Abschied nehmen, und morgen haben wir, nach dem Wetterglase und Bornseils untrüglichen Prophezeiungen, einen sehr schönen Tag zu erwarten. Doch ich rede vom Wetter, gerade als wenn ich sonst nichts zu sagen wüsste. Ich habe mir vorgesetzt Ihnen diesmal etwas sehr wichtiges zu melden. Was dächten Sie wohl? Vorläufig kann ich Ihnen die Nachricht geben, dass ich in der Lotterie das Schicksal der mehresten gehabt, und nichts gewonnen habe. Nun werden Sie wohl erraten, dass meine Entdekkung unsere Händel betrifft, ich kann sie wohl so nennen; aber vielleicht bilden Sie Sich nicht ein, dass ich das ganze geheimnis weiss. Ist das möglich! Auf mein Wort, was ich Ihnen sage! hören Sie meinen Bericht hiervon.

Noch den Abend, da ich meinen letzten Brief geschrieben hatte, machte ich den Baron zu meinen Vertrauten; ich konnte es ihm unmöglich verschweigen. Nur verdross mich, dass ich es von freien Stücken heraus sagen musste, ohne dass er mir es ansehen wollte, dass ich was auf dem Herzen hatte. Doch ich setzte diesmal alles Ceremoniel bei Seite. Da er mir nicht mit Ehrerbietung zuvor kommen und mich fragen wollte, warum ich ein so verdrüsslich gesicht machte; so sagte ich es ihm recht deutlich, dass ich über einer gewissen Begebenheit, die mir heute zugestossen, sehr empfindlich wäre. Nun schien es, als wenn er seine Unachtsamkeit wieder einbringen und mir alles auf einmal aus den Augen lesen wollte. Ich wies ihm die Briefe, und erzählte die Unterredung mit dem Verwalter, er erstaunte über meine geschichte. Ich entdeckte ihm meine Gedanken von der Sache, er hörte mich an, ohne ihnen beizufallen, noch sie zu verwerfen. Er überdachte alle Umstände nochmals reiflich und mit solcher Aufmerksamkeit, dass ich glaubte, den Herrn Pitt vor mir zu sehen, wenn er Krieg und Frieden wägt. Er erklärte den Major gleichsam durch einen Machtspruch für unschuldig, endlich gefiel es ihm, auch seine Gründe dies falls anzuzeigen. Er glaubte, dass eine so niederträchtige Handlung dem Charakter des Herrn v. Ln. zuwider sei; er versicherte zugleich, dass er seine Hand genau kennte, dass aber die Züge des briefes davon sehr abwichen. Er war über diese Verwegenheit so unwillig, dass ich zu der Zeit nicht wünschte, dass er den Verfasser der Briefe entdecken möchte. Doch wie seine Hitze bald überhingehet; so fing er auch an, diese Sache von der scherzhaften Seite zu betrachten. Sie ist so verwickelt, sagte er, dass sie dem Knoten in einer Komödie nicht unähnlich scheinet. Es ist nichts ungewöhnliches, dass dieser durch eine Tracht Schläge aufgelöset wird, wenn sich die Acteurs nicht anders helfen können. Wir wollen dieses kräftige Mittel auch hier anwenden, und dem Ueberbringer der Briefe seine Mühe dadurch belohnen lassen, der kann sie dem wieder zustellen, der ihm die Briefe gegeben hat, vielleicht bringt der sie wieder an rechten Mann. Bei meiner Schwester und mir fand dieser Vorschlag keinen Beifall, der arme Bornseil wäre dabei am schlimmsten wegkommen; der Schluss fiel deswegen dahin aus, dem Verwalter einzuprägen, denjenigen genau zu betrachten, der ihm ein verschlossnes Briefgen bringen würde, um eine Antwort