geschäftige Generals nicht begieriger sein können, die geheimsten Anschläge ihrer Feinde zu entdecken. Ich glaubte, Bornseil, der mir den Brief, der Ihnen zugehörte überbrachte, könnte mir in der Sache einiges Licht geben. Ich liess ihn zu mir rufen, und fragte, von wem er den Brief, den er Vormittage brachte, bekommen hätte. Er schien über diese Frage sehr verwirrt, ein neuer Grund mich in meinen Gedanken zu bestärken. Er wollte nicht mit der Sprache heraus. Da ich dieses merkte, setzte ich desto heftiger mit fragen an ihn, und er schien oftmals zu zweifeln, ob er sie mit ja oder nein beantworten sollte. Dieses brachte mich auf die Vermutung, dass ihm eine Rolle war aufgetragen worden, die er aber sehr schlecht spielte. Bald hatte ihm seine Tochter den Brief ins Haus gebracht, bald hatte sie ihm ein Unbekannter gegen Abend zum Fenster hinein gegeben. Bei diesem letzten geständnis blieb er endlich. Er hat eine sehr schlechte Gabe zum Lügen, und es ist ein Glück für ihn, dass er in dem jetzigen Kriege nicht zu einem Spion ist gebraucht worden, das wäre für ihn der nächste Weg zum Galgen. Wenigstens trieb er dieses Handwerk gewiss nicht so lange als Käsebier. Um mich völlig zu überzeugen, dass er mir die Wahrheit gesagt hätte, brachte er mir einen Brief, in welchen die zwei an uns waren eingeschlossen gewesen. Sie finden das Original selbst in meinem Briefe. Ich las solchen mit grosser Aufmerksamkeit; tun Sie es ja auch, und fand in jeder Zeile für den Major eine Verteidigung. Wozu dienet die grosse Sorgfalt, dachte ich, um nicht entdeckt zu werden, die er ganz vergebens anwenden würde, da er sich in den Briefen an uns genennet hat? Es könnte sein, dass es wegen der Frau v.W. geschehen wäre, damit Bornseil nichts ausschwatzen möchte, dass er von dem Major Briefe an uns zu bestellen hätte. Das liesse sich zwar einiger massen hören: aber im grund ist es nichts. Da der Verfasser der Briefe sich schmeichelt, dass wir uns mit ihm in einen Briefwechsel einlassen würden; so konnte es geschehen, dass die Frau v.W. einen Brief auffing. Würde sie nicht, wenn sie den alten Verwalter in ihrem haus oft hätte ein und ausgehen sehen, auf seine Verrichtungen daselbst aufmerksam worden sein, und ihn einmal darum befragt haben? der Major hatte uns ja nicht untersagt, die Addresse unserer Antwort an ihn zu machen, und auf die Art erfuhr ja auch Bornseil, wer der Verfasser der Briefe wäre. Hätte der Major dieses nicht voraus sehen und dabei bedenken sollen, dass ein so einfältiger Mann, durch ein gutes Wort von seiner vormaligen Gebieterin oder auch durch eine kleine Bestechung, gesetzt, dass sie auch nur in einem Kruge Bier bestünde, sich leichtlich würde auslocken lassen, was er in Wilmershausen zu verrichten habe? Würde er ihr nicht selbst einen Brief in die hände geliefert haben? Ueberhaupt schickt sich Bornseil so schlecht zu einem Liebesboten, dass ich mir nicht einbilden kann, dass ihn der Major dazu sollte gewählet haben. Er würde eine sehr geringe Belesenheit in den Romanen verraten, die er doch oft blicken lässt, wenn er nicht wüsste, dass ein getreuer Bedienter und ein verschmitztes Kammermädcher die geschicktesten Botschafter in dergleichen Fällen sind, ohne dass der dritte Mann dabei nötig ist. Das bedenklichste bei dieser Sache scheint dieses, dass uns Bornseil aufbürden soll, die Briefe wären ihm von einem Unbekannten gegeben worden, den er wie des Herrn v. Ln. Jäger beschreiben muss, da sie ihm doch von einem Kerl sind zugesteckt worden, den er für einen reisenden Handwerkspurschen gehalten, und da er ihm die Briefe ausgehändiget, geglaubet hat, er reichte ihm seinen Reisepass zum Fenster hinein. Alles dieses zusammen genommen, macht mir so wahrscheinlich, dass der Major an dieser Sache keinen Anteil hat, dass ich über diesen Punkt mit mir bereits ziemlich einig bin. Damit Sie mich nicht für parteiisch halten, will ich ihn aber doch noch nicht ganz frei sprechen. Unterdessen habe ich mir schon ein paar Histörgen zusammen gedichtet, um diese Begebenheit daraus zu erklären. Das eine ist dieses. Die Frau d.W. scheinet heimlich sehr unzufrieden, dass der Major sich vorgestern um uns so geschäftig erzeigte. Wir machten in der grossen Gesellschaft eine besondere kleine aus, und sie hat geglaubet, bei dem Major etwas mehr als Höflichkeit gegen uns wahrgenommen zu haben; wenigstens befürchtete sie so etwas in Zukunft. Sie wollte also ihre liebe Tochter für aller Versuchung bewahren, und das Feuer gleich in der Asche ersticken. Sie mischte mich mit in den Handel, um Ihnen von dem Herrn v. Ln. eine üble Meinung beizubringen. Ihre Erfindung war eben nicht eine von den besten, sie war auch eben nicht übel ausgesonnen. Vermutlich trauete sie uns nicht zu, dass wir ihm einen Vorhalt tun würden, dass er uns beide bosshaft hätte hintergehen wollen: dadurch wäre der Betrug offenbar worden. Sie sah ein, dass wir aus Klugheit schweigen und ihn nur mit einer heimlichen Verachtung strafen würden. Wenn wir unsern Verdruss wollten sichtbar werden lassen, dachte sie, wäre dieses nicht eben so viel, als ein geständnis, dass jede von unvorhero seine Gunst gewünscht hätte? Ja ja, dieser Einfall sieht ihr vollkommen ähnlich. Doch ich habe auch noch andere Gedanken. Sollte wohl mein onkel oder sein weiser Ratgeber an dieser Erfindung