Kargfeld an den Herrn v.S.
Kargfeld, den 26. Mai.
Hochwohlgebohrner Herr, Gnädiger Herr,
Eur. Hochwohlgeb. werden verhoffentlich nicht ungnädig aufnehmen, wenn ich als ein unwürdiger Dorfschulmeister an Sie nach Engelland schreibe; wo Sie Sich, nach Aussage des Hr. Magisters, aufhalten sollen. Ich habe sonst viel von diesem Kaisertume gehöret; und einige haben gar sagen wollen, es läg mitten auf einem grossen wasser. Wie sind Sie doch in die Welt hinüber gekommen, da Sie das Schwimmen sonst bei uns nicht gelernet haben? doch es mag sein wie es will; wenn Sie nur nicht etwa durch verbotene Künste (dafür Sie Gott bewahre) über die grosse See gegangen sind. Ich hatte viel zu schreiben; ich habe es aber alles wieder vergessen. Beiläufig – – das Gedächtnis legt mir seit einigen Jahren sehr ab; und ich bin jetzt willens, bei dem Oberconsistorio in einem Schreiben anzuhalten, dass wir eine Parucke zu tragen erlaubt sein möge. Sonst bin ich noch ziemlich gesund, Gott sei Dank! der letzte Durchmarsch von den kamen, lief ich für Angst in die Kirche, schloss hinter mir zu, und kroch hinter die Pfeiffen in der Orgel; da mir aber salsa fenia einfiel, dass ich meine Gemeine nicht verlassen dürfte; so wollte ich doch wenigstens den Durchmarsch aus dem Turmloche mit ansehen. Dass dich der Hammer! was waren das für Kerls. Die meisten sahen aus wie die heiligen drei Könige, welche in unserer Kirche abgemahlt sind. Rote Brustlätze, Hosen bis auf die Schuh, schreckliche Bärte, Gesichter wie die Mohren! Ich schlug ein Creuz nach dem andern vor mir; betete und sprach: Herr stürz sie in die Grube hinein.
Die sie machen den Christen dein.
Zum guten Glück blieben sie nicht im dorf, sondern zogen zur Mistgasse hinaus; wohin? weiss ich nicht. Einer war dabei, der sass in einer Kutsche. Niemals habe ich einen so gottlosen Bart gesehen, als der Kerl hatte. Er bedeckte seinen ganzen Leib: und ich glaubte ganz gewiss, dass er wegen diesen schweren Barte müsste gefahren werden. Mein Herr Pfarr sagte mir nachher, es wären Createn, und keine Türken gewesen; der Schulze aber behaupte, es wären Panduren welches beides ich an seinen Ort gestellt sein lasse.
Noch ein Punkt, welchen ich gleich Anfangs melden wollte. Unser gnädiger Herr, Ihr Herr Vetter, will auf seinem Schloss eine Orgel bauen lassen, und zwar in das Musiczimmer, wie er es nennt; welche ich denn, wenn er Concert halten würde, spielen sollte. Ich kam freilich aus meiner Gelassenheit, da er mir diesen Antrag tat, und diesem meinen Eifer ist auch folgende Antwort beizumessen. hören Sie, was ich sagte? Gnädiger Herr, die Orgeln haben schon seit der Sündflut in die Kirchen gehört, und nicht auf die Edelhöfe. Wer nun solche heilige Dinge misbraucht, der tut eine Sünde wider das dritte Gebot, und folglich auch wider alle: wir haben ohnedem eine Landstrafe nach der am der andern; (hier zielete ich unvermerkt auf die garstigen Türken, welche durchs Dorf gingen) wollen wir noch mehrere Sünde tun, und gar bei Gastereien die Orgel schlagen? An Statt, dass er in sich gehen, und von seinem bösen Vorhaben abstehen sollte; so lachte er mich nur aus, und sagte: dass Hr. Grandison in Engelland auch eine Orgel im haus hätte: was jenem Recht wär, das wär ihm billig, und er müsste eine Orgel im haus haben, es möchte auch kosten, was es wollte. Was soll ich nun machen, mein lieber und gestrenger Junker? Unser gnädiger Herr ist ganz gewiss ein Heide worden. Haben die Edelleute in Engelland Orgeln, so mögen sie solche für sich haben, wir sollen uns hierinne aber christlicher aufführen. Es sind ohnedem die letzten zeiten, wie unser Herr Pfarr spricht, da alle Laster im Schwange gehen, und also notwendig allerlei Landplagen erfolgen müssen; wohin ich auch die garstigen Türken rechne, die durchs Dorf zogen, mir zwei Gänse todtschmissen und mitnahmen, meinem Nachbar sein Schwein ungerechnet: Wenn wir nun die Kirchensachen misbrauchen, und auf den adelichen Höfen in Musiczimmern orgeln wollen; was soll zuletzt daraus entstehen? Ich orgele nicht, und sollte er mir auch meinen grauen Kopf vor die Füsse legen lassen. Melden Sie mir doch, gestrenger Junker, was es mit der Orgel des Herrn Grandisons in Ansehung der Register und Bässe für eine Beschaffenheit habe. Der Pfarr hat zwar noch nichts davon auf der Kanzel gesagt, ich glaube aber, er bricht gewiss einmal damit hervor, wenn das Werk zu stand kommen sollte; oder weiset unsern gnädigen Herrn vom Beichtstuhl ab. Orgeln gehören in die Kirche! damit holla. Eurer Gnaden wünsche viel Glück und Segen, und bin mit aller Zucht und Erbarkeit
Eur. Gestrengen
demütiger und Ehrendienstwilliger
Lorenz Lobesan,
p. t. ludimoderator.
XI. Brief.
Der Herr v.N. an den Herr v.S.
N. hall, den 10. Julius.
Lieber Vetter,
Ich habe Ihren letzten Brief richtig empfangen. Ihre Nachrichten haben mich entzückt, so, dass ich wieder jung wie ein Adler werde. Wenn meine Schwester mich nicht mit tränenden Augen gebeten hätte; so wäre ich, statt dieser Anwort, in person nach Grandisonhall gekommen. Ich war schon reisefertig. Jeremias sollte mich nebst dem Magister begleiten, und ich