, wenn ich gleich ein Soldat bin, und ich fand auch hierzu keine günstige gelegenheit; verschweigen konnte ich es noch weniger, darüber hätte ich mich zu tod gegrämet. Uebersehen Sie also eine Unternehmung, die an sich nicht strafbar ist, wenn sie sich auch nicht vollkommen rechtfertigen lässt. Ich ergreife die Feder, Ihnen die Empfindungen meines Herzens bekannt zu machen, und meine Zaghaftigkeit verliess schlusse. Ich habe zwei Werkzeuge, die ich nie anders als mit dem Vorsatze ergreife, zu siegen oder zu sterben, den Degen gegen die Feinde des Königs und meiner Ehre, und die Feder bei der Liebe. Diese ergreife ich jetzt zum ersten mal in der Absicht, und von ihnen hängt es ab, welches Schicksal ich zu erwarten habe. Der glückliche Tag, den ich, so oft er in Zukunft wieder kommt, als einen Festtag feiern werde, des glückliche Tag, an welchen ich das erste mal Sie zu sehen die Ehre hatte, machte mir alle die Vorzüge sichtbar, in welchen Sie zur Ehre des schönen Geschlechts prangen. Dieser erste Augenblick, der mich gegen Sie in Bewundrung setzte, entzog mir auch meine bisher standhaft verteidigte Freiheit, und dieser Verlust war mir so reizend, dass ich wünschte, sie nie wieder zu erhalten. Ich sah diesen Wunsch auch sogleich erfüllt. Nach einer genauen Untersuchung fand ich, dass mein Herz schon an Sie verschenkt wär, ehe ich es selbst inne worden war. Ich kann Ihnen also mein Herz nicht antragen, Sie besitzen es schon und jetzt tue ich in der Tat nichts anders, als dass ich Ihnen diesen Besitz bekannt mache. Ob Ihnen mit einem so geringen Geschenke etwas gedient ist, mögen Sie selbst beurteilen, so viel weiss ich, dass mein Herz mir nicht mehr zugehöret, und dass ich das, was ich einmal verschenkt habe, nie wieder pflege zurück zu nehmen. Wenn Sie es auch nicht als Ihr Eigentum betrachten wollten; so würde es Ihnen doch bis in die Gruft zugehören. Sie sind die einzige person in der Welt, aus dem schönen Geschlecht, die ich verehre, ich muss dieses geständnis nochmals wiederholen. Machen Sie mich so glücklich, durch eine Zeile von ihrer schönen Hand mich zu unterrichten, ob Sie Sich dadurch beleidiget finden, und ob ich bei der unverbrüchlichen Ergebenheit, die Ihnen mein Herz geschworen hat, dennoch so unglücklich bin Ihnen zu misfallen; oder ob ich mich mit der Hoffnung schmeicheln darf, durch meine unermüdeten Beeiferungen um Dero schätzbare Gewogenheit, mich derselben würdig zu machen. Schönste Amalia, o wie sehr entzückt mich dieser reizende Name, ich küsse ihn tausend mal! Schönstes fräulein, Sie können nicht grausam sein! Mein Schicksal sei indessen, welches es wolle, so werde ich es als eine Gnade von Ihnen ansehen, wenn Sie mein freimütiges geständnis als ein geheimnis bewahren. Ich habe dem Gemahl von Dero Frau Schwester, dem Herrn v.F. den ich als meinen vertrautesten Freund betrachte, nicht das geringste davon entdecken wollen, bis ich erstlich von Ihren Gesinnungen unterrichtet wäre. Wenn ich es jemals sagen darf, dass ich Sie verehre, so gönnen Sie mir das Vergnügen, dass ich davon dem Hrn. v.F. sowohl als Dero Herrn onkel und dessen fräulein Braut die erste Eröffnung tun darf. Befreien Sie mich bald von einer ängstlichen Ungewissheit, darinne ich mich befinde, und die mich zweifelhaft macht, ob ich im Genuss des vollkommensten Glücks leben, oder in kurzem ersterben werde als
Dero
untertäniger Diener und Verehrer
v. Ln.
XXV. Brief.
Das fräulein v.S. an das fräulein Juliane v.W.
Den 2 November.
Ich bitte Sie tausend mal um Vergebung, mein Schatz, ich habe Sie wider meinen Willen schrecklich beleidiget, oder glaube doch, dass Sie es leichtlich als eine Beleidigung ansehen könnten: ich habe einen Brief erbrochen, der Ihnen zugehöret. Wenn ich aufgeräumt wäre, so schrieb ich ihren ganzen Brief ab, er passet eben so genau auf Sie als auf mich, und ich könnte Ihnen alles das wieder sagen, was Sie mir gesagt haben: aber ich bin so grimmig, dass ich Lust habe, mein Nachtzeug vom kopf zu reissen, oder meinem Mädchen zu klingeln, um ihr eine Ohrfeige zu geben, dass ich nur den Zorn auslasse und nicht krank darüber werde. Nehmen Sie erstlich ein rotes Pulver ein, für die Alteration, hernach lesen Sie den Einschluss meines Briefes. Lassen Sie uns eine Allianz schliessen, um mit gesammter Hand unsern gemeinschaftlichen Feind zu bekriegen – So eine niederträchtige Gemütsart hätte ich dem Major nicht zugetrauet, er verrät sehr viel Einfalt und törigte Liebe dabei. Wie muss der arme Kerl doch von sich eingenommen sein, dass er durch ein paar romanmässige Liebesbriefe in einer Stunde zwei Eroberungen machen will! Ich habe Mitleiden mit ihm, dass er von der heutigen Lebensart so eine geringe Känntniss besitzt, und eine gemeine Höflichkeit so vorteilhaft für sich ausleget, dass er sich die stolzen Gedanken einfallen lässt, wir wären beide für ihn eingenommen. Er muss auch ein sehr böses Herz besitzen. In einer Stunde von freien Stücken, und ohne dass man es verlangt, zweien Frauenzimmern eine ewige Treue schwören, das ist der Charakter eines Bösewichts. Er hat uns beide hintergehen wollen, und hat sich selbst hintergangen. Dieses würde auch geschehen sein, wenn der Zufall seine bosshafte Absicht nicht offenbaret hätte. Ich hätte Ihnen gewiss das geheimnis, wie er es nennet,