Herr onkel, und erfreute mich nicht wenig, dass ich durch eine glückliche Ahndung das bereits erfüllet hatte, was Sie mir auftrugen. Ich schreibe von hieraus noch einmal nach Grandisonhall und werde nach Ihren Befehl den Doktor Bartlett ersuchen, für Sie ein gutes Vorwort bei dem Pastor Wendelin einzulegen. In zwei Tagen gehe ich von hier nach Dowers, um von da nach Holland überzuschiffen. In der Mitte dies Monats hoffe ich zu Strassburg zu sein, daselbst erwarte ich in Zukunft Ihre Briefe. Da mich die englischen Freunde ihres Briefwechsels würdigen wollen, so werde ich auch die Briefe an Sie empfangen und ich hoffe, Sie gönnen mir auch in Zukunft das Vergnügen, die Ihrigen nach England über Strassburg gehen zu lassen, damit ich sie von da aus gehörigen Orts besorgen kann. Ewig Schade! dass ich dero Schreiben nicht einige Tage früher erhalten habe, um die verlangten Portraits zu sammlen. Damit Sie indessen doch meine Bereitwilligkeit sehen, Ihre Befehle zu erfüllen, so übersende ich Ihnen diejenigen, welche mir von: Herrn Rerves, so bald er Ihren rühmlichen Anschlag erfuhr, sind verehret worden und die er in duplo besitzt. Es sind sieben an der Zahl. Auf der Ruckseite derselben werden Sie finden, welche Personen aus der Grandisonischen geschichte sie vorstellen. Zu den übrigen ist mir gute Hoffnung gemacht worden, vielleicht habe ich bald das Vergnügen Ihnen auch diese zu übersenden. Diesen Augenblick erhalte ich einen Brief von dem Herrn Richardson, worinne er mich nochmals an mein Versprechen erinnert, ihm die Briefe mitzuteilen, welche Ihre grossmütigen Unternehmungen, dem Herrn Grandison nachzuahmen entalten, ich werde ihm ihre Meinung über diesen Punkt entdecken und ihm dazu Hoffnung machen. Weil es mein Schicksal nicht erlaubt in der glücklichen Gesellschaft Sir Carls meine Tage zuzubringen: so will ich doch meine Reisen so bald als möglich suchen zu vollenden, um bei Ihnen als seinem würdigen Nachfolger das Vergnügen zu finden, das ich jetzt entbehren muss. Ich sehe der goldnen Zeit mit Verlangen entgegen, welche mich nach Kargfeld als dem zweiten Grandisonhall führen wird, wo die Bewunderung Ihres vortreflichen Charakters eine der angenehmsten Beschäftigungen sein wird
Dero
gehorsamsten Dieners
v.S.
XIX. Brief.
Der Herr v.N. an die Frau v.W.
Den 30 Octobr.
Sie verdienten zwar mit mehrerm Rechte den Titel gestrenge Frau, denn Sie haben ziemlich strenge mit mir verfahren, und es fehlte einmal nicht viel, so hätten Sie mich mit Fäusten geschlagen wie Satans Engel: aber ich will Sie dem ungeachtet gnädige Frau nennen, in der guten Hoffnung, dass Sie in Zukunft sich bessern und mit mir sich wieder versöhnen werden. Sie sind ein weibliches, das ist, ein schwaches Werkzeug, und aus dieser Ursache komme ich Ihnen mit Ehrerbietung zuvor, und tue Ihnen hierdurch zu wissen, dass ich es alles vergeben und vergessen will, was Sie mir zu Leide getan haben Ich weiss wohl, dass Niemand anders als Sie selbsten den Major v. Ln. so sehr wider mich in Harnisch gejaget, dass er mich heraus gefordert. Es ist bekannt, wenn Sie anfangen zu griesgramen, so machen Sie es so arg, dass Sie im stand wären, das ganze heilige römische Reich zusammen zu hetzen, wenn nur Ihr Gemahl ein Prinz wäre. Nehmen Sie es nicht übel, dass ich so alles von der Leber wegsage, es ist nicht böse gemeint. Wenn Sie gut sind, ob es Ihnen gleich selten ankommt, so sind Sie auch wieder recht gut. Wie gesagt, ich will, um unsern guten nachbarlichen Frieden wieder herzustellen, Ihnen alles vergeben. Den Major habe ich bereits durch meine Grundsätze zur Raison gebracht, wir sind wieder gute Freunde, und ich fasse das gute Vertrauen, dass Sie auf Ihrer Seite auch nicht ermangeln werden, sich mit mir zu versöhnen. Sehen Sie nur, wie grossmütig ich handele, ich will nicht nur wegen der vermeintlichen Beleidigung, die ich Ihnen soll zugefüget haben, hierdurch um Verzeihung bitten; sondern ich will auch noch ein übriges tun, und Ihnen, wenn Sie es verlangen, Brief und Siegel ausstellen, dass ich Sie für eine Dame von Ehre halte und nichts anders als gutes von Ihnen denke. Wenn Sie billig sind, so werden Sie nun Ihren Groll gegen mich fahren lassen, ich verspreche mir dieses eben so gewiss, als ich hoffe, dass Sie mir einen Beweiss Ihres versöhnlichen Herzens dadurch geben werden, dass Sie mir bald das Vergnügen verschaffen als meiner Frau Schwiegermutter die Hand zu küssen. Ich lade mich bei Ihnen auf morgen zu einer guten Mahlzeit ein, um persönlich zu erfahren, ob Sie wieder mit mir eins sind. Empfehlen Sie mich heute Ihrem Herrn und meiner unvergleichlichen Henriette. Morgen will ich es selbst tun und mich zugleich bemühen, Sie zu überzeugen, dass ich mit vieler Hochachtung bin
Dero
gehorsamster Diener
v.N.
XX. Brief.
Das fräulein v.W. an das fräulein v.S.
Wilmershausen, den 30 Octobr.
Ich freue mich recht sehr, dass wir morgen das Vergnügen haben, Sie, nebst dem Hrn. v.F. und seiner Gemahlin, hier zu sehen. Jacob hätte mir keine angenehmere Nachricht geben können, als dass er in einer Stunde nach Schöntal gehet, Sie einzuladen. Wissen Sie wohl, wer dazu Anlass gegeben hat? Lesen Sie innliegende Abschrift des Schreibens von dem Herrn v.N. an meine Mutter. Dieser Brief ist eben nicht so abgefasst, wie