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Ich fand eine Wollust in meinen Tränen, die mich viele Wochen an keine Beruhigung denken liess, und Amalie klagte mit mir, anstatt dass sie mich trösten sollte. R... musste die Zeit über das Bette hüten, und auch dieses vermehrte meinen Schmerz. Steelei allein sann auf meine Ruhe und nötigte mich, da die beste Zeit des Jahres verstrichen war, mit ihm nach London zurückzukehren.

Das erste, was mir da wieder begegnete, war ein Vorfall mit dem Prinzen. Er war im Begriffe, von London wegzugehen, und wagte es, in Roberts Gesellschaft bei unsrer Ankunft mir die Kondolenz abzustatten. Er wiederholte seinen Besuch binnen zwei Tagen etlichemal und begehrte, dass ich ihm eine Bittschrift an den König mitgeben und um die Ersetzung der eingezogenen Güter meines Gemahls anhalten sollte. Ich gab ihm eine, bloss um ihn nicht zu beleidigen. Noch an ebendem Tage erhielt ich einen Besuch von dem Staatssekretär. "Ich will Ihnen", fing er nach etlichen Komplimenten an, "die Ursache meines Besuchs kurz entdecken. Ich bin ein Abgeordneter des Prinzen, und ich weiss nicht, ob Sie mich ohne Unwillen anhören werden. Wissen Sie, dass ihm seine Gemahlin vor etlichen Jahren gestorben ist? Er wünscht, Sie als Gemahlin mit nach Schweden nehmen zu können, und es ist nichts Gewissers, als dass er Sie auf das äusserste liebt. Mit einem Worte: er will durch mich erfahren, ob er hoffen darf oder nicht. Nunmehr habe ich Ihnen alles gesagt, und Sie dürfen sich bei Ihrer Antwort nicht den geringsten Zwang antun." Steelei und Amalie und R... waren zugegen, als er mir den Antrag tat; und R... erschrak, als ob er mich schon verloren hätte. Ich entsetzte mich selbst über die Verwegenheit des Prinzen und antwortete dem Herrn Robert nichts als dieses: "Hier ist mein Gemahl", und wies auf den Herrn R... In der Tat war er mir noch so schätzbar, dass ich ihn allen andern vorgezogen haben würde, wenn ich mich hätte entschliessen können, mich wieder zu vermählen. Und vielleicht wäre ich, soll ich sagen zärtlich oder schwach genug dazu gewesen, wenn er länger gelebt hätte. Er starb bald darauf an seiner noch fortdauernden Krankheit, und die Betrübnis über seinen Verlust überführte mich, wie sehr ihn mein Herz noch geliebt hatte.