gegen einen Fürsten doch nur ein Nichtswürdiger.' Darauf nimmt er das Trinkgeschirr und trinkt, und alsdann wirft er's Steelein vor die Füsse und lacht: 'Da! so viel gehört Euch!' Braucht man wohl mehr zur Verzweiflung, als so einen Unmenschen um sich zu haben? Nach einer Zeit von einem Jahre und nach unzähligen Beleidigungen wird dem Eskin, der sich gegen einen von seinen Aufsehern in der Raserei vergangen, so übel mitgefahren, dass man ihn halbtot in sein Behältnis schleppen muss. Man entzieht ihm zwei Tage das Brot; aber Steelei ist so grossmütig und teilet das seinige mit ihm. Er reicht ihm, sooft er kann, das Trinken. Er wäscht ihm sogar die Wunden aus; und damals hat ihm der Russe die Hand gedrückt und zu ihm gesagt: 'Vergebt mir's, dass ich nicht ebenso an Euch gehandelt, als Ihr an mir tut.' Er hat ihm nach diesem weniger Verdruss angetan. Sein ganzes Glück, das ihm in seiner Abwesenheit von mir begegnet ist, besteht in einer kleinen Freundschaft, die ihm ein kosakisches Mädchen in dem letzten Jahre vor seiner Zurückkunft nach Tobolskoy erwiesen. Sie beweist, dass es auch unter dem wildesten volk noch edle und empfindliche Herzen gibt. Steelei war eines Tages auf seinem Reviere um Pohem so glücklich gewesen, die gesetzte Zahl seiner Zobel bald zu fangen. Auf dem Rückwege nach der Stadt hatte er sich, um auszuruhen, bei einer Quelle niedergeworfen. Darauf kommt ein wohlgebildetes Mädchen zu ihm und sieht ihn lange starr an. Endlich setzt sie sich nieder und trinkt mit der hohlen Hand aus der Quelle. 'Armer Fremdling,' fängt sie an, 'wollt Ihr nicht auch trinken?' Steelei sagt, dass er's schon getan hätte. 'Aber', spricht sie, 'wollt Ihr denn nicht einen Trunk wasser aus meiner Hand annehmen? Tut es doch, Ihr dauert mich, sooft ich Euch gehen sehe; und ich bin nicht hiehergekommen, um zu trinken, sondern um Euch dieses zu sagen.' – Steelei erschrickt und weiss selbst nicht, was er sagen soll. 'Ach,' fährt sie fort, 'Ihr wollt mir nicht antworten? Nun dauert mich's, dass ich Eurentwegen hiehergegangen bin. Wartet nur, ich will nicht wiederkommen!' Er sieht sie darauf traurig an und sagt, dass er ihr für ihr Mitleiden recht sehr verbunden wäre, und reicht ihr zur Dankbarkeit die Hand. Diese drückt sie bald an den Mund, bald an die Brust. Sie spielt mit seinen schwarzen Haarlocken und wiederholt ihre Liebkosung auf zehnerlei Art. Er will nunmehr fortgehen. 'O,' spricht sie, 'wartet doch, ich kann mich an Euch gar nicht satt sehen. Ich wollte, dass alle Männer in diesem land so aussähen wie Ihr; alsdann würde es recht hübsch in Siberien sein. Und wenn Ihr ja gehen müsst, werdet Ihr Euch nicht bald wieder hierhersetzen? Ich habe Euch so viel zu sagen, und ich weiss nicht, was es ist. Ich wusste es; ehe ich zu Euch kam, und nun habe ich's über Euren Haaren vergessen.' Indem sieht sie in die klare Quelle und sieht ihr Bild darinne. 'Aber sagt mir nur', spricht sie, 'sehe ich denn wirklich so, wie hier im wasser? Ich habe ja auch schwarze Augen wie Ihr. Eure gefallen mir, gefallen Euch denn meine auch? Sind meine Zähne auch so weiss wie Eure?' – 'Ja,' spricht er, 'Ihr seid schön, aber lasst mich gehen, ich bin ein unglücklicher Mensch.' Darauf geht sie mit tränenden Augen fort. Als Steelei den andern Morgen wieder in sein Revier geht: so sitzt sie schon an der Quelle und wartet auf ihn. Sie nötigt ihn, dass er sich niedersetzen und ein Stück Honig und Brot aus ihrer Hand essen muss. 'Seht Ihr,' spricht sie, 'ich ässe gern selbst; aber ich gönne es Euch doch noch lieber. Und hier habe ich Euch auch etliche Zobel mitgebracht, womit mich meine Liebhaber beschenkt haben. Nun habt Ihr den ganzen Tag nichts zu tun. Sie sollen mir nun alle Tage welche schenken müssen, und ich will sie Euch bringen. Seht mich doch freundlich an! Ihr hört ja, wie gut ich's mit Euch meine.' Sie spielt darauf wieder ganz bescheiden mit seinen Haaren und bittet um eine Locke und zeigt ihm eine Schere, die sie zu dieser Absicht mitgebracht. Steelei, dem die treuherzige und doch ehrbare Liebe dieser wilden Kosakin nicht missfällt, erlaubt ihr diese Bitte. Sie belohnt ihn durch etliche freiwillige Küsse und zeigt ihm von fern eine Hütte, welches die Hütte ihres Vaters wäre. Darauf nimmt sie ein Blatt von einem Baume und bläst. 'Nunmehr wird mein Bruder kommen. Ich hatte ihn bestellt. Wenn du mir die Locke nicht im guten gegeben hättest: so hätten wir dich dazu gezwungen. Fürchte dich nicht, er ist wie ich; er tut dir kein Leid.' – 'Siehst du', spricht sie, da der Bruder, ein Mensch mit einem ehrlichen wilden gesicht, näher kommt, 'das ist der Fremdling, dem ich so gut bin. Betrachte ihn nur und sage es ihm, wie oft ich von ihm mit dir rede. Zeige ihm doch die Gegenden, wo