eine niederträchtige Seele tobten aus ihm, und er lärmte und schrie, bis die Wache hereintrat. Sie fragte, wer es wäre, und der Bösewicht beschuldigte uns, dass wir wider den Zar und die Kirche gesprochen hätten. Die Wache ward über diese Beschuldigung so rasend, dass wir in der Gefahr waren, umgebracht zu werden. Der Oberaufseher kam und versprach dem Popen Genugtuung; wir aber wurden gleich als die grössten Missetäter geschlossen. Ach, meine Gemahlin, soll ich Euch unsere damalige Angst beschreiben? Soll ich Euch alles sagen? Wir wurden den andern Tag zum Verhör gebracht. Der Pope, dessen Wort unbetrüglich war, wiederholte seine Beschuldigung zuerst gegen Steelein. Mein Freund berief sich auf seine Unschuld; aber vor diesem erschrecklichen Gerichte galt sie nicht. Man verfuhr nach ihrer barbarischen Gewohnheit, die Wahrheit vor Gerichte herauszubringen. Man liess ihn niederwerfen und ihm die Bodoggen geben, damit er bekennen sollte. Er stunde diese Marter vor unsern Augen standhaft aus und liess unter den Händen der Barbaren, die ihn mit zwei Stäben auf den blossen Leib schlugen, nicht die geringste Klage hören. Als seine Qual vorüber war, ohne dass man ihm ein Geständnis hatte abzwingen können: so kam die Reihe an den unglückseligen Sidne. Der Pope bekannte wider ihn, und Sidne, der mit tausend Tränen und Bitten dieser Marter vergebens zu entgehen suchte, ward endlich niedergerissen. Ich wollte das Gesicht wegwenden, um seiner Qual nicht mit zuzusehen; allein die Wütriche nötigten mich, der nächste Zeuge davon zu sein. Er erduldete sie, ohne sie zu überleben. Sobald man ihm die gesetzte Zahl von Streichen gegeben hatte: so lag er ohne Bewegung da. Man nahm ein Geschirr mit wasser und goss es ihm über das Gesicht, um ihn wieder zu sich selbst zu bringen; doch es war kein Leben in ihm; und dieses befremdete unsere Richter um desto weniger, weil viele von den Angeklagten unter dieser Marter das Leben einbüssen. Steelei war wegen seines Unvermögens beiseite geschafft! Sidne war tot, und ich erwartete, ohne mir recht bewusst zu sein, mein Schicksal. Der boshafte Pope verlor entweder mit dem Leben des Sidne seine Rachbegierde, oder er hielt sich von mir am wenigsten beleidiget. Er beschuldigte mich keiner Lästerungen wider den Staat, er begehrte nur, dass ich gestehen sollte, dass meine beiden Kameraden welche ausgestossen hätten. Ich verteidigte mich, dass ich von nichts wüsste. Man befahl, eben die Marter an mir vorzunehmen. Man legte mich auf die Erde und fragte noch einmal, ob ich nichts gehöret hätte. Die Furcht vor der Pein und vor dem tod bestürmten mich entsetzlich. Dennoch beschloss ich, eher zu sterben, als durch ein falsches Bekenntnis mir das Leben zu retten und es Steelein vielleicht zu nehmen. Ich weiss nicht, ob mein trauriger Anblick den Popen zum Erbarmen bewegte; genug, er bat für mich um Gnade und sagte, dass ich vielleicht die Lästerungen nicht könnte verstanden haben, weil ich nicht so viel Russisch könnte, als die beiden andern. Man liess mich also wieder aufstehen und brachte mich in unser Gefängnis zurück, in welchem ich Steelein sinnlos antraf. Ich warf mich zu ihm auf das harte Lager und umarmte ihn mit der einen Hand; denn mit der andern war ich noch geschlossen. Er sprach die ganze Nacht kein Wort und lag in einem gefühllosen Schlummer. Der Morgen brach an. Ich redte auf meinen Freund, und er schlug endlich zu meiner Freude die Augen auf und reichte mir die Hand. Unser Aufseher kam und erkundigte sich, ob Steelei noch lebte. Er liess mir die Banden abnehmen und schien uns beide zu bedauern. Ich versicherte ihn bei allem, was heilig ist, dass mein Freund so unschuldig wäre als ich. 'Das hilft euch nichts,' sprach er. 'Das Zeugnis des Popen als eines Geistlichen gilt, und ihr seid beide verurteilet, nach Siberien geschickt zu werden. Gott helfe euch! Ich kann euch nicht helfen, sonst muss ich alles von dem Popen befürchten. Seid zufrieden, wenn euch die Zunge nicht aus dem Halse geschnitten wird, ehe ihr nach Siberien verwiesen werdet; denn dieses widerfährt denen, die wider den Staat oder die Kirche gesprochen haben. Warum seid ihr so unvorsichtig gewesen und habt den Popen beleidigt? In ein paar Tagen wird man euch nebst andern Gefangnen nach Siberien schicken. Ich werde euch wohl nicht wieder sehen.' Ich warf mich neben Steelein nieder, der immer noch in seiner Betäubung lag und wenigstens jetzt glücklicher war als ich, weil er sich seiner nicht mehr bewusst zu sein schien. Anstatt, dass der Aufseher mir einen Trost hätte zusprechen sollen: so forderte er für die grausame Nachricht, und für seine Dienste überhaupt, noch eine Belohnung. Ich griff in Steeleis Taschen, um für ihn etwas zu suchen; allein die Wache hatte ihm alles genommen. Da der Aufseher kein Geld mehr sah: so schien der Schatten von seinem Mitleiden zu verschwinden. Er ging missvergnügt fort und liess mich in einem Zustande liegen, den ich Euch nicht beschreiben kann. Ich versank in Schwermut und Traurigkeit. Von Gott und Menschen in meinen Gedanken verlassen und feindselig im Herzen wider beide, schlief ich, schrecklicher Mensch, ein, indem ich mir den Tod tausendmal wünschte. Es war viele Nächte kein Schlaf in meine Augen gekommen, und meine zerstörten und ermatteten Glieder hatten eine lange Ruhe nötig, wenn sie wieder zu sich selbst kommen