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zu bereden suchen; und dann wird es auf den Herrn Grafen ankommen, uns den Schutz und die Verbindung ihres Hofes zu wegen zu bringen.

Es ereignet sich hierzu, atwortete der Graf, eine ganz erwünschte gelegenheit. So lange mein König nicht vermahlet und das Königliche Haus nicht mit rechtmässigen Cron-Erben besetzet ist; lasset sich mit uns kein festes Bündnüs schliesen: denn wir haben in unserm Reich, wo der König, ohne Leibes-Erben zu hinterlassen, mit Tod abgehen sollte, nichts als Verwirrung und innerliche Kriege zu gewarten. Meine Absichten gehen also vornehmlich da hinaus, um meinem König eine würdige Gemahlin, aus einem alten Fürsten-Haus zu suchen: Man hat mir vieles von Dero Durchleuchtigsten ältesten Prinzessin-Tochter gesagt; Ich habe aber noch mehr fürtrefliche Eigenschaften an derselben entdecket, als der Ruhm von ihr ausgebreitet hatte. Mich dünket, sie sollte sich nicht übel für unsere Königin schicken. Durch dieses Mittel könnten Ew. Durchl. nicht nur Dero Hohes Haus zusamt den Höfen Dero Durchleuchtigsten Anverwandten mit dem Unsrigen verbinden; sondern auch dadurch zur Beförderung der allgemeinen Ruh in Europa nicht wenig mit beitragen.

Ihr Vortrag, Herr Graf, erklärte sich darauf der Fürst, betrift ein sehr wichtiges Geschäft: es kommen dabei viele Umstände zu betrachten vor: ich muss ihnen frei bekennen, ich liebe meine älteste Tochter sehr; ich mögte sie nicht gern zu einem gewöhnlichen staates-Opfer machen: Ich würde sie für glücklicher halten, sie an einen vermögenden Fürsten oder Reichs-Grafen, als an einen so mächtigen König vermählt zu sehen.

Ich will aber diese Zärtlichkeit bei Seite setzen, wenn sich eine besondere Absicht der göttlichen Vorsehung hierinnen äussern sollte; man hat mir sonsten gesagt, der König liebte eine gewisse Gräfin, die eine nahe Verwandtin des Obristen staates-Ministers wär, und dass der König sie zu heiraten gedächte: es dürfte also mein Kind schwerlich so viele Annehmlichkeiten besitzen, demselben eine galante Aquitanerin aus dem Sinn zu bringen.

Es ist wahr, sagte hierauf der Graf, dass der König diese Dame geliebet. Man hat ihm aber die Vermählung mit derselben wiederraten; sie selbst liebt mehr die Einsamkeit, als den Hof; sie lebet auf einem ihrer Meierhöfen ganz still und eingezogen bei ihrer Frau Mutter.

Sie soll sehr schön sein, sagte hierauf der Fürst, und dürfte also der zukünftigen Königin unfehlbar Eintrag tun, wenn sie wieder nach Hof kommen sollte. So schön sie auch immer ist, antwortete der Graf, so wird sie doch den Vorzug Ew. Durchl. Prinzessin-Tochter auf keine Weise strittig machen. Sie kennen, Herr Graf, warf der Fürst lächeld ein, diese Dame sehr genau. Der Graf errötete über diese Anmerkung des Fürstens, mein König, sagte er, hat sich seit einem Jahr her sehr geändert; er ist der gütigste und leutseligste Monarch; er lebt nun als ein weiser Fürst; er hat die besten Absichten von der Welt. Nur fehlet es ihm noch an einer tugendhaften Gemahlin, welche dessen gute Neigungen unterhalten, und sein Herz allein mit ihren Tugenden und Annehmlichkeiten ausfüllen könnte. Ich suche, gnädigster Fürst, eine solche Gemahlin für meinen König: ich habe kein grösseres Anliegen in der Welt, als dieses: ich finde dazu die würdigste Schönheit in der person Ew. Durchl. ältesten Prinzessin. Ich hoffe dieses hohe Bündnüs unter göttlichem Beistand möglich zu machen, wo anders Ew. Durchl. darein willigen, und die Veranstaltungen, die ich zu machen vorhabens bin, gnädigst guteisen wollen.

Meine Tochter, erwehnte der Fürst, ist in einer andern Religion erzogen, und wird sich nimmermehr entschliessen, die bisher erkannte Einfalt des Christlichen Glaubens, gegen einen fremden Gottesdienst zu verwechseln. Dieses wird auch nicht nötig sein, antwortete der Graf, denn wir sind an unserm Hof weder zum Aberglauben, noch zur Religions-Verfolgung geneigt; Viele Grossen bei uns sind Glaubens-Genossen von Ew. Hochfürstl. Durchl. und geniessen einer vollkommenen Gewissens-Freiheit.

Es ist Ew. Hochfürstl. Durchl. nicht unmöglich gewesen, fuhr der Graf fort, einen solchen Ort aufzurichten, wo die Unschuld, die Tugend und die Frömmigkeit herrschet: es ist leichter, etwas nachzumachen, als anzugeben. Wir werden uns also in Aquitanien die Ehre der Nachahmung vorbehalten. Wenn wir nur in einer jeden Provinz eine solche Gemeine, nach so weisen und vernünftigen Gesetzen aufrichten könnten; so wär kein Zweifel, das ganze Königreich würde dadurch, als von so viel neuen Lichtern durchstrahlet werden.

Ihre Gedanken, Herr Graf sind gut, sie reden, wie sie es gerne hätten. Wir müssen das unsrige tun und unsern Posten wahrnehmen: die Welt mag davon urteilen, wie sie will; sie ist durchgehends böse, und kan das Gute nicht vertragen: wir können nicht mehr tun, als GOTT uns Kräfte gibt. Wir sind wie die Taglöhner, die auf den Befehl des Herrn bald niederreissen, bald bauen, bald pflanzen, bald ausrotten; ja öfters so leicht etwas verderben, als gut machen.

Die folgende Tage brachte der Graf mit dem Fürsten in allerhand Beratschlagungen zu, welche die Vermählung des Königs von Aquitanien mit der prinzessin von Argilia betraffen. Des Grafens Meinung ging dahin; die Fürstin sollte mit der Prinzessin sich nach den Aquitanischen Bädern verfügen; er wolte so dann auch seinen König zu bereden suchen, um dieselbe Zeit sich gleichfals da einzufinden; da sich dann das übrige schon zeigen würde. Der Fürst